Stippvisite 09/12/12 (Dem Wetter die bemützte Stirn geboten!)

Habe einfach mal die Schneeschuhe hervorgeholt, dem Wetter die bemützte Stirn geboten und bin trotz Flockenfalls durch die Weiten des Internets gestapft, um das eine oder andere feine Liedchen zu finden. Hier nun die Ausbeute…

Songtipp:

Im Hinterkopf bastle ich ja bereits wie jeder Musikblogger an der Jahresbestenliste für diesen Blog. Man ergeht sich in Reminiszenzen, entsinnt sich all der feinen Tracks, die man im Lauf des Jahres so erlauschen durfte, hantiert an den Stapeln mit ungehörten CDs, um auch noch die letzte Rosine herauszupicken. Und dann stolpert ganz unvermutet beim Durchwühlen von Blogs und Musikmagzinen über den einen oder anderen Song. Nicht etwa bei der kritischen Beäugung diverser Bestenlisten, vielmehr sind es schlichte Posts, die das Potential zu plötzlichem Enthusiasmus bergen. Von diesem wurde ich übermannt, als ich To the Bugs On My Ceiling erstmals lauschte. Edmund Wayne nennt sich das Projekt von Mastermind Curt Krause, benannt hat er es nach den Namen seiner Großväter. Edmund Wayne steht für Alternative Folk der schwelgerischen, sehnsüchtigen Sorte. Was aus dem Nordwesten der USA ans Ohr dringt, ist eines der intensivsten Lieder dieses Jahres 2012. Die selbstbetitelte Debüt-EP ist im August dieses Jahres erschienen – und in ihrer Gesamtheit nur mit andächtigem Staunen zu hören. Gefunden habe ich diesen Schatz auf The KEXP Blog, wo es den Song auch als kostenlosen Download gibt.

Konzerttipp:

Auf meiner To-do-Liste für die verbleibenden Wochen dieses Jahres steht auch noch die Erwähnung des einen oder anderen Albums, welches bislang auf diesem Blog nicht ausreichend gewürdigt wurde. Dazu zählen rund ein Dutzend Platten, unter anderem The Box der deutschen Formation Rhoads. Oft genug geschieht es mir, dass ich die Werke deutscher Nachwuchsbands in meinem Briefkasten finde und von einer Mitleidsattacke befallen werde. Die Musik ist meist gar nicht übel, aber eben langweilig, ohne zündende Idee. Im Falle von Rhoads freilich beeindruckt mich die edle Weinerlichkeit des Gesangs. The Box ist überraschend ausgefeilt, eindringlich introspektiv. Wer sich auf intelligente, mitunter auch sperrige Musik einlassen möchte, darf sich seiner Belohnung gewiss sein. Am 10.12.12 spielt die Band ein Konzert der Hamburger Astra Stube. Das wäre zweifelsohne eine gute Gelegenheit dies interessante Trio für sich zu entdecken. Zumal die Band mit ihrem letzten Konzert in Leipzig sehr unzufrieden war und dieses Mal alles besser machen will. (via Schallgrenzen)

Entdeckertipp:

Auf gewisse Weise scheint eine jede Band mit einer Straßengang vergleichbar. Sie ist schnell gegründet, muss jedoch erst einmal ordentlich die Muskel spielen lassen, wenn sie sich Beachtung und Respekt verdienen will. Und so wie in Straßenkämpfen auch schon mal der eine oder andere Blutstropfen fließt, jemand auf der Strecke bleibt, so buhlen ungezählte Formationen um das letztlich überschaubare Maß an Aufmerksamkeit. Es gibt nur eine gewisse Anzahl von Blocks, die es unter Kontrolle zu bringen gilt, ebenso existieren lediglich eine begrenzte Anzahl musikaffiner Ohren, die man beschallen kann. Der aus Philadelphia stammenden Formation Goodnight Lights würde ich zwar nicht die große Karriere prophezeien, aber ein Status als Local Heroes wäre ihnen sehr zu gönnen. Das im Juni dieses Jahres veröffentlichte Album As Far As The Moon ist vielleicht nicht immer famos, weist zumindest eine ordentliche Streuung auf, bietet aber den meiner Meinung nach besonders gelungenen Rock-Track The Dream Is Real. Hier haben die Goodnight Lights einen melodischen, doch kernig in die Gitarre hauenden Song fabriziert. Doch möchte ich die Platte nicht auf dieses eine Lied reduzieren, auch Wolves oder Crowded Rooms sind direkt, kräftig und doch nicht ohne Charme. As Far As The Moon ist auf der Bandcamp-Seite der Band als Gratis-Download verfügbar. (gefunden bei Spinner)

Durchstartertipp:

Wäre ich weiblichen Geschlechts, ich würde wohl einen Pferdeschwanz mein Eigen nennen. Und dieser würde wohl ähnlich dem Schwanz eines Hundes immer dann kräftig wedeln, wenn mir Musik Freude ins Gemüt zaubert könnte. Da ich jedoch weder eine kleiner Wauwau bin und auch keine Zopfträgerin, muss ich mein Wohlbehagen hier kanalisiseren. Das aus Southampton stammende Quartett Pale Seas macht ganz tollen Folk-Pop, wie mir jeder mit nur einem Fünkchen Zuneigung zum Folk-Genre gerne bestätigen wird. Die zwei jüngst veröffentlichen Tracks Bodies und My Own Mind sind in der Tat großartig, vor allem das träumerische Bodies lässt mich eigentlich nicht daran zweifeln, dass die Band 2013 ganz groß rauskommen und sich auf der Beobachtungsliste etlicher Musikgazetten wiederfinden wird. (via guteshoerenistwichtig)

Covertipp:

Kommen wir zu einer Sängerin, von der man laut meiner Einschätzung auch noch einiges hören wird, WALL nämlich. Als ich unlängst bei Nicorola auf ihre Coverversion von Something On Your Mind stieß, war ich zugegeben sehr berührt. Natürlich, das Lied ist großartig, eigentlich nicht zu vermasseln, aber es für sich zu entdecken und dann derart großartig zu interpretieren, das beeindruckt. Ebenfalls fragil, zartbesaitet erschallt der Synthie-Pop-Titel No Secrets. WALL ist die Sorte Sängerin, die die Stimme nicht großartig zu erheben braucht, um nachhaltige Wirkung zu erzielen. Das ist eine oft unterschätzte Kunst, die Castingshow-Gören ohnehin nie verinnerlichen können. Den Namen WALL jedoch sollte man sich merken! (Beide Track sind gegen Angabe einer E-Mail-Adresse in unten befindlichen Widgets erhältlich.)

 

Das soll es für dieses Mal wieder gewesen sein. Viel Vergnügen mit den Empfehlungen!

SomeVapourTrails

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