Unsere 75 Lieblingstracks 2012

Hier ist sie also nun, die Jahresbestenliste unser Lieblingssongs. Eine Momentaufnahme, zugegeben. Wenn wir am Ende des Jahres die persönlichen Favoriten Revue passieren lassen, dann stellen wir oft ganz verdutzt fest, welch zweifelslos prima Musik uns in jedem Jahr wieder durch die Lappen gegangen ist. Doch das Jahr hat eben nur 365 Tage, selbst wenn man jeden zweiten Tag ein neues Album für sich entdeckt, hat man gerade einmal 180 Alben gelauscht. Das ist nichts im Vergleich zur Fülle an Neuerscheinungen. Dazu kommen noch einzelne Tracks, die sich der geschäftige Blogger tagtäglich so anhört. Das ergibt in der Summe mindestens 3000 neue Tracks pro Jahr, gar nicht die gefühlten Millionen Tracks mitgerechnet, welchen man mit leidendem Augenaufschlag begegnet, die man bereits nach wenigen Sekunden auf Nimmerwiederhören verabschiedet. Von daher ist eine jede Bestenliste eines Blogs nur ein klitzekleiner Ausschnitt einer Gesamtwirklichkeit. Zugleich ist solch eine Zusammenstellung auch programmatisch zu verstehen, sie stellt den eigenen Geschmack zur Schau, grenzt sich ab. Wir machen nicht den Diener vor einer cleveren PR-Kampagne von Frank Ocean, finden Tame Impala schauerlich. Diese Liste will weder hip noch obskur und auch in keinster Weise vollständig sein. Sie soll unsere von Herzen kommenden Empfehlungen dieses Jahres nochmals unterstreichen. Mehr nicht.

Songliste2012

1. MoonfaceTeary Eyes And Bloody Lips

Allein schon wegen der Zeile „Teary eyes and bloody lips/ Make you look like Stevie Nicks“ ein Knaller. Ein bombastisches, fiebriges Lied. In jeder Hinsicht der Anbetung würdig.

2. Xavier RuddSpirit Bird

Aufarbeitung australischer Geschichte, Aufschrei gegen Unrecht, gegen die Zivilisation mit ihren angeblichen Errungenschaften. Aus einer herzerweichenden Ballade wird ein zorniger Protestsong. Das Lied für Gutmenschen.

3. Damien JuradoMuseum of Flight

Jurado besitzt einen in seiner Zärtlichkeit wie Verletzlichkeit einzigartigen Ausdruck: „Falling into sound/ Is that love still feeding back?/ One day we will go home, to the safety of our cloud„.

4. Edmund WayneTo The Bugs On My Ceiling (feat. River Giant)

Alternative Folk der schwelgerischen, sehnsüchtigen Sorte („There’s a kiss/ Waiting for you on my lips„).

5. Placebo Time Is Money

Worüber soll man mehr staunen? Über den Refrain („And you are so beautiful/ That I will drink my fill/ More pure and more suitable/ Than any pint of poison/ I could guzzle or spill„) oder Strophen wie „Love claims to have the answer/ To all your troubles every day/ Love, love is money, bastard/ So like Jesus, Jesus, Jesus, give it all away„? Glanzstück!

6. WintersleepPermanent Sigh

Hymne des Jahres. Wie gemacht für große Stadien. Und in solch Arenen gehören Wintersleep hin.

7. DustedProperty Lines

Folk-Rock der wachträumigen Sorte irrlichtert sanft durchs Gemüt, getragen von einem grüblerisch-dösigen bis sachte beschwingten Gesang.

8. ClinicMisty

Misty ist ein Triumph von einem Song, verschwurbelte Synthies bilden die Tapete, vor der Blackburn sein betörend beschwörendes „Misty, we’ve won“ zelebriert. Der Melodie, dem Gesang haftet eine andächtige Unschuld an.

9. Lana Del ReyRide

Was soll man zu Lana Del Rey sagen? Sie ist die gelungenste Kunstfigur des Pop seit Madonnas Hochblüte. Sie ist die an die Eleganz des alten Hollywoods erinnernde Antwort auf alle durchgeknallten Star-Dominas unserer Tage. Sie ist der Knoblauch gegen die Lady Gagas dieser Welt.


Lana Del Rey — Ride – MyVideo

10. Sharon Van EttenLeonard

Wie Leonard dem Ende einer Liebe einen vorläufigen Neubeginn anhängt, wie Van Etten triumphal ihre Selbstgeißelung darbietet, im Wissen trotzdem geliebt zu werden, das erlaubt dem Song eine Vergebung, welche man selbst oft ersehnt und hoffentlich ab und an erfährt.

11. The RaveonettesInto The Night

Den Vogel hat das dänische Duo nicht etwa mit ihrem neuen Album Observator abgeschossen. Ein Prunkstück des Jahres ist vielmehr die EP Into The Night.

12. YppahThree Portraits ft. Anomie Belle

Yppahs Sound ist von originärer Dynamik, prall-fröhlicher Verspieltheit und mystischem Zauber getragen. Anomie Belle sorgt für das begeisternde i-Tüpfelchen.

13. Crystal CastlesWrath Of God

Wrath Of God brilliert als von Rage erfüllte Tanzhymne, die selbst die Eingeweide in Vibration versetzt. Was jedoch wollen mir die akkustisch kaum verständlichen Zeilen „Christen them with paraffin/ Sterilize samaritans/ Contravene loyal ties/ Migrate them through the pesticide“ mitteilen?

14. WintersleepNothing Is Anything (Without You)

Ein Rhythmus zum Niederknien, Gitarre und Percussion schlichtweg ein Gedicht, dazu noch diese jugendlichen Liebesschwüre („You forgot your love today/ Remember I would do anything/ No one can ever take your place/ And I can’t live my life without you babe/ Nothing is anything without you babe„).

15. SoulsaversBitterman

Die Soulsavers zusammen mit Dave Gahan? Ein Experiment, zweifelsohne. Ein ausgesprochen gelungenes sogar. Gahan hätte ich derartige stimmliche Opulenz nicht zugetraut.

16. UMADrop Your Soul (feat. Silver Apples)

Drop Your Soul ist eine sirenesk-verführerische Zauberformel, verlockungsvolle Gebetsmühle inmitten einer elektronischen Kraterlandschaft. Erhaben-gelöste Ekstase fernab von Zeit und Raum.

17. Lindi OrtegaCigarettes & Truckstops

Schöne, kitschbefreite und doch sehr gefühlsselige Country-Songs gibt es zu selten. Gerade weibliche Stimmen überzuckern häufig. Ortega ist eine sehr wohltuende Ausnahme.

18. ScannersState Of Wonder

Vorbote des im neuen Jahr erscheinenden Albums Love Is Symmetry, auf das wir uns aus gutem Grund sehr freuen.

19. Adam DonenHeartwrenched Confessional #3

Der aus Kapstadt stammende und mittlerweile in London lebende Donen zeigt sich als sensibler Poet, der neben der Feder auch die Stimmbänder schwingt. Ganz in der Tradition eines Leonard Cohen, wie selbst ein Blinder mit Krückstock zu hören vermag.

20. SoKoFirst Love Never Die

SoKo findet eine Sprache von großer Prägnanz, paart das mit einem sehr individuellen, Klischees negierenden Vortrag. Da hüpft einem keine verführerisch von Amour säuselnde Französin auf den geistigen Schoß.


Soko — First Love Never Die – MyVideo

Neben den bereits erwähnten haben wir noch viele weiteren Tracks mit Verzückung gelauscht:

21. Godspeed You! Black EmperorMladic (Stream auf SoundCloud)
22. Lana Del ReyBorn To Die (Clip auf Dailymotion)
23. Dusted(Into the) Atmosphere (Clip auf vimeo)
24. Jenn GrantThe Fighter (Clip auf YouTube)
25. Crystal CastlesPlague (Stream auf SoundCloud)
26. The Magnetic FieldsAndrew In Drag (Clip auf vimeo)
27. Anna AaronFire Over The Forbidden Mountain (Stream auf Bandcamp)
28. RaimeYour Cast Will Tire (Stream auf SoundCloud)
29. TindersticksSlippin‘ Shoes (Stream auf Spotify)
30. BlockheadNever Forget Your Token (Stream auf SoundCloud)
31. OrmondeCherry Blossom (Stream auf SoundCloud)
32. Laura GibsonMilk-Heavy, Pollen-Eyed (Stream auf Spotify)
33. The ShutesShe Said (Stream auf SoundCloud)
34. The RaveonettesNight Comes Out (Stream auf Spotify)
35. Piano MagicThe Slightest Of Threads (Stream auf SoundCloud)
36. Sharon Van EttenAsk (Stream auf Spotify)
37. YppahGolden Braid (Stream auf Spotify)
38. Die HeiterkeitSüß, wie man es sein kann (Stream auf Spotify)
39. Justin Townes EarleNothing’s Gonna Change The Way You Feel About Me Now (Stream auf SoundCloud)
40. DustedCenturies Of Sleep (Stream auf Bandcamp)
41. The Holiday CrowdNever Speak Of It Again (Stream auf SoundCloud)
42. Damien JuradoMaraqopa (Stream auf Spotify)
43. TindersticksShow Me Everything (Stream auf Spotify)
44. Dark Dark DarkTell Me (Clip auf YouTube)
45. Clare and the ReasonsThe Lake (Stream auf SoundCloud)
46. Hooded FangClap (Stream auf Bandcamp)
47. SoKoWe Might Be Dead By Tomorrow (Clip auf Dailymotion)
48. ChromaticsBack From The Grave (Clip auf YouTube)
49. Lindi OrtegaHigh (Stream auf SoundCloud)
50. Dark HorsesRadio (Clip auf vimeo)
51. Anna AaronSea Monsters (Clip auf vimeo)
52. Lana Del ReyRadio (Stream auf Spotify)
53. SoulsaversLongest Day (Stream auf Spotify)
54. Sun Kil MoonUK Blues (Stream auf Stereogum)
55. Toddla TBadder Man Runs (Stream auf Spotify)
56. Marissa NadlerConstantine (Stream auf Bandcamp)
57. Gus By HeartThe Last Place (Stream auf SoundCloud)
58. ChromaticsLady (Clip auf YouTube)
59. The Magnetic FieldsQuick! (Clip auf vimeo)
60. Beach HouseLazuli (Clip auf vimeo)
61. Eamon McGrathRabid Dog (Stream auf Spotify)
62. Kid Koala8 bit Blues (Chicago to LA to NY) (Stream auf Spotify)
63. Sierra Leone’s Refugee All StarsGbara Case (Stream auf Spotify)
64. BlaudzunElephants (Clip auf YouTube)
65. Sharon Van EttenGive Out (Stream auf Spotify)
66. The MigrantFlight AA71 (Stream auf Bandcamp)
67. ClinicSeamless Boogie Woogie BBC2 10pm (rpt) (Stream auf SoundCloud)
68. Xiu XiuHi (Clip auf YouTube)
69. Lana Del ReyBlue Jeans (Clip auf MyVideo)
70. Les Yeux Sans VisageAcquainted With The Night (Stream auf SoundCloud)
71. Azure RayScattered Like Leaves (Stream auf SoundCloud)
72. Holy EsqueTear (Stream auf SoundCloud)
73. RhoadsBasement Wonderland (Stream auf SoundCloud)
74. Allo Darlin‘Capricornia (Clip auf vimeo)
75. Ravens & ChimesCarousel (Stream auf Bandcamp)

Für Bequemlichkeitsfanatiker gibt es hier die ersten 20 Plätze als Spotify-Playliste.

SomeVapourTrails

5 Gedanken zu „Unsere 75 Lieblingstracks 2012

  1. Hui, da kenne ich ja doch so einiges noch nicht. Muss ich wohl morgen mal ne Runde nachsitzen. 🙂

    Danke auf jeden Fall für diese weisen Worte:
    „… finden Tame Impala schauerlich …“
    „Sie ist die an die Eleganz des alten Hollywoods erinnernde Antwort auf alle durchgeknallten Star-Dominas unserer Tage. Sie ist der Knoblauch gegen die Lady Gagas dieser Welt.“

    Hier fühle ich mich verstanden. 🙂

  2. Potzblitz. Unter euren Top 20 mit Placebo nur einen Song den ich (bisher) dufte finde. Und da euer letztlich dem Weihnachtswahn anheimgefallener Blog zur Zeit der einzige verbliebene Musikblog in meinem RSS-Reader ist werden mir eure Empfehlungen allemal in einer ruhigen Stunde für eine Erkundungstour reichen müssen. bin nicht unglücklich darüber. Nur mit diesem Spotify Unsinn will ich nix zu tun haben. Guten Rutsch wünsche ich Euch beiden.

  3. Danke für den Spotify-Service übrigns, sehr praktisch! Von den 20 Liedern mochte ich nur eins nicht (Uma), die anderen waren überwiegend angenehm. Allerdings hätte für meinen Geschmack gerne etwas mehr „Wumms“ dabei sein können – so war es teilweise etwas zu folkig-schwebend.

  4. Nun, 2012 sah leider wenig Kracher aus britischen Gefilden. Bands wie etwa Kasabian oder White Lies haben heuer kein Album veröffentlicht. Daher ist diese Liste vielleicht nicht mit besonders viel Wumms versehen. Dazu kommt, dass die liebe Co-Bloggerin 2012 weniger Musik im Stile der Dum Dum Girls oder Scanners gehört hat, beziehungsweise mit den veröffentlichten Alben nicht viel anzufangen gewusst hat. Das Jahr war also für uns eindeutig ein Singer-Songwriter-Jahr, auch manch zartes Electronica-Pflänzchen gedieh prima.

    SVT

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