Auf, auf zur großen Lagerfeuerdepression! – The Bony King of Nowhere

Defizite und Vorzüge. Eine Frage der Sichtweise. Die Stärken eines rackernden Fußballers mögen in der physischen Robustheit und überragender Strategie liegen, virtuose Ballbehandlung bleibt anderen Kickern vorbehalten. Das ist auch bei Musikern nicht anders. Der eine geigt mit Melodien auf, die selbst Engel aus allen Wolken purzeln lassen, ein anderer Singer-Songwriter wieder ergeht sich in Lyrics, von denen man ewig und drei Tage zehren kann. Das Rüstzeug von Bram Vanpary besteht in einem atemberaubenden Vortrag. Unter dem Namen The Bony King of Nowhere besticht er als Folk-Barde, der nicht mehr als eine Gitarre benötigt, um wunderbar sehnsüchtige, hoffnungslos schwermütige Lieder zu intonieren. Sein gleichnamiges Album strotzt vor Momenten pittoresker Beschmerzung, wenn vielerlei Erinnerungen und Gefühle mit in Kummerfalten gelegtem Herz dargebotet werden. Und dennoch fällt ein kleines Manko bei genauer Betrachtung ins Auge. Textlich holpert sich The Bony King of Nowhere öfter einmal durch seine Lieder, Gedanken und Geschichten werden eher aufs Papier gemeißelt denn mit versierter Hand gekritzelt. Diese Schwäche jedoch setzt der Platte kaum zu. Zu vehement bricht sich ein dunkler Hall den Weg in die Seele des Hörers.

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Photo Credit: Dries Segers

Wegen dieses Albums sollte man zur ums Lagerfeuer gruppierten Depression aufrufen. Tatsächlich flackern die Lieder einsam lodernd, Schatten in die Abgeschiedenheit werfend. Am besten wird dies auch textlich in dem Song Travelling Man umgesetzt, wenn sich Vanpary zu den Zeilen „I am a man who lives in the sea/ I ask some girl ‚why don’t you come with me’/ She replies ‚young man where you live I cannot breathe’/ Still I guide her underneath the whisper of the waves“ aufschwingt. Hier zelebriert sich ein Außenseitertum, welches sein Glück nicht in irdischen Gefilden findet. Der Song Valerie hingegen zeichnet ein Beziehungsdesaster nach, in dem sich das lyrische Ich eingekerkert sieht („You have locked yourself away/ And now you imprison me too„). The Bony King of Nowhere versteht es eben auch blendend, sich in der Zweisamkeit allein und beengt zugleich zu fühlen („Baby I can hardly breathe/ I’m tired and I cannot sleep/ These chains are very heavy now/ As I carry them through our days„). Bei diesen Songs wirkt der belgische Troubadour ohne Fehl und Tadel, wachsen dem Hörer Gänsehäute en masse. Manch übrige Lieder entpuppen sich zwar als textlich spröder, jedoch wird man auch bei Across The River der andächtig zitternden Stimme erliegen. Von traurigem Verlangen getragen, birgt Rain Falls Down On Mirwart die eine oder andere Träne der Resignation (I’m standing in the old railway station/ But the train is only passing through/ And I need to see my woman„). Heller schattiert – geradezu von zärtlichem, hoffendem Sehnen ergriffen – gibt sich Another Day Is Done.

Natürlich hat The Bony King of Nowhere mit geradezu übermächtigen Urgestalten zu kämpfen, wer möchte bei solch Klängen und Stimmungen nicht etwa den Namen Nick Drake ins Spiel bringen. Aber man darf folkische Tristesse nicht immer auf eine Handvoll Übervater reduzieren. Denn letztlich können auch diesem keinem jungen Musiker jene Intensität einflößen, zu welcher The Bony King Of Nowhere in jeglicher Hinsicht befähigt scheint. Sein Gesang beherrscht die Verzweifeltheit des Verlangens perfekt, gibt den aus der Zeit gefallenen Sonderling, streut auch ein fast verschämtes Funkeln von Hoffnung ein. Solch Album ist letztlich auch Zeugnis dafür, dass es keine Scharen von Streichern braucht, eher schon eine innere Inbrunst und Wehmut, um den Hörer ganz und gar zu berühren. Vortrag und Gemütslage dieses Singer-Songwriters sind die ganz großen Trümpfe dieser Platte.

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The Bony King of Nowhere ist am 25.01.2013 auf Helicopter erschienen.

Konzerttermine:

23.02.2013 Rostock – Helgas Stadtpalast
24.02.2013 Hamburg – Knust
25.02.2013 Berlin – Monarch
26.02.2013 München – Südstadt

Links:

Offizielle Homepage

The Bony King of Nowhere auf Facebook

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