Kuddelmuddel zuhauf, ein Album der vielen Aha-Momente – Dobie

Alben funktionieren nicht wie Bilder. Bilder können als gedeckte Portraits beeindrucken, mit detailverliebten Stillleben überzeugen oder auch durch Landschaften im Zwielicht punkten. Natürlich sollte man den Wert abstrakter Fantasie nicht unterschätzen oder gar auf die Meriten der Pop Art vergessen. Bilder verraten uns stets einiges auf den ersten Blick, nur um ihre gesamte Geschichte peu à peu mit jedem neuen Blinzeln zu erzählen. Musik hingegen vermag auf den ersten Eindruck zu täuschen. Ein Lied oder gar nur ein Refrain verrät nur einen winzigen Teilausschnitt, eine verlässliche Einschätzung eines Albums benötigt mehr Zeit. Und letztlich möchte der leidenschaftliche Musiker doch noch immer an der Gesamtheit einer Platte gemessen werden, nicht nur am einzelnen musikalischen Pinselstrich. Was uns beispielsweise Dobie mit dem in Kürze erscheinenden Album We Will Not Harm You vermitteln will, präsentiert sich als Kaleidoskop dessen, was elektronische Klänge so hergeben. Ob Hip-Hop, Dubstep, Funk, House – alles und mehr findet sich auf dieser kunterbunten Platte. Es wirkt wie ein mit Augenzwinkern erstelltes Sittenbild, das uns die ganze Fülle elektronischer Musik quasi spielerisch aufdröselt.

wewillnotharmyou

Zu den Highlights des Albums zählt zweifelsohne Stan Lee Is A Hero Of Mine, welches sich funky gibt und mit dunklem Groove imponiert. Als Gegenstück dazu steht She Moans für rassige Percussion und Dubsteb, imponiert als Track, der sich immer wieder aggressiv aufputscht, in der Folge eine recht hibbelige Betriebstemperatur erreicht. The Chant wiederum ist auf flott getrimmter instrumentaler Hip-Hop, mit Samples von entschrückter Wehklage ergänzt. Eine Nummer wie Snap, Crackle & Pop klingt wie ein fiependes UFO mit Schleudertrauma auf seinem Crashkurs durchs All. Als Lieblingstrack des Albums habe ich freilich gleich den Opener The Beginning ausgemacht, der herrlich schlurfend daherdackelt und mit der wiederkehrenden Zeile  „We Will Not Harm You“ gleich zu Beginn den Nerv trifft. Der Brite Dobie begibt sich mit dieser Platte tief in die Gefilde der Black Music, kramt alles hervor, klatscht es in seiner Kuddelmuddeligkeit auf die musikalische Leinwand. We Will Not Harm You reiht Momente der Intensität neben atmophärisches Schweben (Then I Woke Up), erzählt coole Geschichten aus dem urbanen Dschungel (Crunch Factor No.5) oder bittet wie Blip 124 zum Abhotten auf die Tanzfläche.

Dobies Originalität besteht im quirligen Mischmasch unterschiedlichster Stile, in einer farbenfrohen Umsetzung, die nach und nach Überraschungen und Qualitäten zum Vorschein bringt. We Will Not Harm You überzeugt als Album der vielen, vielen Aha-Momente. Es entpuppt sich als anregend, schweißtreibend und sogar loungig. Deshalb entzieht es sich einer flüchtigen Betrachtung, schreit förmlich danach, in seiner ganzen Pracht delektiert zu werden. Dobie hat eine ganz famose Platte hervorgezaubert, die so sehr unterhält wie sie Staunen macht.

We Will Not Harm You erscheint am 01.02.2013 auf Big Dada/Ninja Tune.

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Künstlerprofil auf Big Dada

We Will Not Harm You auf Ninja Tune (mit Hörproben)

SomeVapourTrails

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