Release Gestöber 37 (Flume, Lotte Kestner, And So I Watch You From Afar, Preacher and Bear)

Wie immer sollen an dieser Stelle ein paar feine Alben in der gebotenen Kürze ans Herz gelegt werden. Unterschiedlicher könnte die heutige Mischung kaum ausfallen….

Flume

Ein Großstadtmärchen der verträumten wie coolen Art serviert uns der australische Produzent Flume mit seinem gleichnamigen Debütalbum. Der unter diesem Alias werkende Harley Straten zählt gerade einmal 21 Lenze, doch weiß er schon ganz genau wie der Hase läuft. Diese schicke Electronica stürzt sich nicht einfach kopflos auf den nächstbesten Dancefloor, sie reckt vielmehr die Hände in die Höhe, schwenkt sie unter dem Eindruck von Ekstase. Flumes Sound ist vielfältig, fährt mal R&B, dann wieder Hip-Hop oder Pop auf. Solch Abwechslungsreichtum macht diese Platte wunderbar kurzweilig, ein Fressen für Kenner und die Spaßfraktion, welche Musik ganz und gar über die Achselhöhle ausschwitzen möchte. Herzstück vieler seiner Tracks sind Synthies vom anderen Stern, welche er mit peppigen Hip-Hop-Beats und geisterischen bis überkindlichen Gesangssamples unterlegt. Neben solch grotesker Märchenhaftigkeit geht es auch oft funky oder cool zu. Als Highlights bleiben vor allem das melancholische Sleepless feat. Jezzabell Doran, ein wiegenliedhaftes Stay CloseInsane feat. Moon Holiday als betörender Electro-Pop, das schwabbelig-wabernde More Than You Thought mit feinem Ethno-Sample sowie Star Eyes, welches ich den werten Lesern bereits vor ein paar Wochen dringlichst empfohlen habe, im Gedächtnis. Natürlich ist auch On Top feat. T.Shirt prima, auf The Line Of Best Fit wird es sehr trefflich als Trance-Hop charakterisiert. Diese Review scheint ohnehin um keine skurrile Genrebezeichnung verlegen, bezeichnet sie den Titel Sleepless doch als „twinkling Disneywave“ bezeichnet. Kicher, kicher! Doch welche Worte man auch benutzen mag, das Urteil kann eigentlich nur positiv ausfallen. Diese Electronica-Platte wird sehr viele Anhänger finden, gut so!

Flume ist am 22.02.2013 auf Transgressive Records erschienen.

Lotte Kestner

Anna-Lynne Williams ist zweifelsohne eine überaus begabte Singer-Songwriterin. Mit ihrer Band Trespassers William hat sie in der Vergangenheit Dream-Pop-Alben der Extraklasse kreiert. Nach dem Ende der Band im letzten Jahr widmet sich Williams dem neuen Projekt Ormonde und wandelt unter dem Namen Lotte Kestner weiterhin auf Solopfaden. Mit The Bluebird of Happiness erscheint dieser Tage ein neues Werk, welches sich einmal mehr durch reduzierten Folk-Sound samt ätherischer Stimme auszeichnet. Songs wie Wrestler sind von erhabener Schönheit und Traurigkeit erfüllt. Das ist in jeder Hinsicht berührend, wenngleich ein Song wie Cliff den Zauber der besten Songs von Trespassers William dann doch nicht erreicht. Dieses Album sollte man sich dennoch unbedingt anhören. Denn wie bereits erwähnt, Anna-Lynne Williams ist ohne Wenn und Aber eine begnadete Sängerin und Songwriterin.

thebluebirdofhappiness

The Bluebird of Happiness erscheint am 26.02.2013 auf Saint Marie Records.

And So I Watch You From Afar

Die nordirische Formation And So I Watch You From Afar ist von einer überlebensgroßen Dynamik gesegnet, die glatt für ein Dutzend Bands reichen könnte. Spätestens mit ihrem im März erscheinenden Album All Hail Bright Futures dürfte sich das Trio zu den absoluten Aushängeschildern in Sachen Instrumental-Rock mausern. Einen Vorgeschmack auf die Platte gestattet der Deluxe-Titel Big Thinks Do Remarkable. Anhand von And So I Watch You From Afar kann man bestens die die eigene Jugendlichkeit überprüfen, wer hier nicht freudig herumhüpft und in Verzückung gerät, der muss sich eine morsche Spaßbremse schimpfen lassen! Ich für meinen Teil fühle mich beim Hören besagten Tracks mindestens 10 Jahre jünger. Was dann wohl erst beim Erlauschen des gesamten Albums mit mir passiert?

allhailbrightfutures

All Hail Bright Futures wird am 22.03.2013 auf Sargent House veröffentlicht.

Konzerttermine:

02.04.2013 Winterthur (CH) – Gaswerk
06.04.2013 Wien (A) – Flex
07.04.2013 München – STRØM
09.04.2013 Berlin – Lido
10.04.2013 Hamburg – Hafenklang
11.04.2013 Esch-sur-Alzette (LUX) – Kulturfabrik
12.04.2013 Köln – Gebäude 9

Preacher and Bear

Aus der Fülle schwedischer Acts vermag das Duo Preacher and Bear nicht hervorzustechen. Aber es wäre vielleicht auch vermessen, dies bei der Schar großartiger schwedischer Musiker zu verlangen. Preacher and Bear legen mit ihrem zweiter Platte The Storm Has Come ein phasenweise herbes, ab und an dezent poppiges Folk-Album mit Country-Einsprengseln vor. Das mutet manchmal übertrieben puristisch an (If They Stole Your Heart), dann wieder mit einem formidablen Krächz in der Stimme (The Richest The Witches) oder von balladeskem Schmerz beseelt (Lights). Insgesamt tönt die Chose meist sehr amerikanisch, vom Sound her stark, das Songwriting freilich scheint mitunter um einen eingängigen Refrain verlegen. Don’t Do As The Devil Told bildet hier jedoch eine gelungene Ausnahme. Als bestes Lied des Albums entpuppt sich der dunkle Titelsong The Storm Has Come, welcher durchaus Anleihen an PJ Harvey nimmt. Elin Piel und Fredrik Petterson haben ein feines Kleinod fabriziert, das im Veröffentlichungswust unterzugehen droht. Das wäre schade! Preacher and Bear sind vielleicht nicht am Zenit der Liedschmiedekunst angekommen, in puncto Vortrag gibt es von mir jedoch eine glatte Eins. Ein echter Geheimtipp!

thestormhascome

The Storm Has Come ist am 08.02.2013 auf Black Star Foundation erschienen.

SomeVapourTrails

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