Humoristisches Sperrfeuer – Blockflöte des Todes

Humor ist eine tückische Angelegenheit, vor allem verräterisch. Weil er den entlarvt, der ihn fabriziert. Als ebenso aufschlussreich erweist sich jedoch auch die Reaktion des Publikums. Wer Mario Barth mag, wird sich eher nicht als intellektueller Feingeist entpuppen. Wer das Satiremagazin Titanic schätzt, präferiert die Sorte Humor, der nichts heilig ist. Dabei ist es sich gerade im Bezug der Satire elementar, dass man das Opfer der Scherze auch ernst nehmen, zumindest aber verachten sollte. Im Falle des unter dem Namen Blockflöte des Todes wirkenden Liedermachers Matthias Schrei scheint ein gewisser Zwiespalt angebracht. Auf der einen Seite entlocken manche Lieder zweifellos ein Lächeln, weil sie neben grobmotorisch formulierten Pointen durchaus auch mit Hintergründigkeit punkten. Zugleich beinhaltet das jüngst erschienene Album Ich habe heute Ananas gegessen auch manch unwitzige Unverdaulichkeit.

Nicht jeder Scherz muss gemacht werden. Diese Erkenntnis ist kein Aufruf zur Selbstzensur. Wenn Klub Siebenundzwanzig die Originalität der Todesarten von Musikern erforscht („Keith Moon, Sid Vicious, Ian Curtis, Amy Winehouse machten sich erfolgreich den Garaus. Und auch Jim Morrison hat uns gelehrt, wenn man sterben will, ist eine Überdosis nicht verkehrt.„), wirkt dies allerdings reichlich despektierlich. Schwarzer Humor ist eine Kunst, die leider nur wenige Menschen beherrschen. Was man gemeinhin dafür hält, erweist sich bei näherer Betrachtung oft als blanke Geschmacklosigkeit. Die Blockflöte des Todes ist tatsächlich besser beraten, sich dankbare Objekte zur Verhöhnung zu suchen, die FDP nämlich. Das Lied Ich habe nie FDP gewählt wurde bereits zur letzten Wahl in Berlin veröffentlicht, der Grundtenor freilich ist noch immer aktuell: Es gibt viele Torheiten, die man in seinem Leben veranstalten könnte, eine Stimme für die FDP sollte man dennoch nie in Erwägung ziehen. Ebenfalls schlitzohrig gibt sich Eva & Herman, welches auf das Frauenbild einer ehemaligen Fernsehmoderatorin abzielt („Eva darf Hermans Kinder kriegen und beim Beischlaf unten liegen.„) Relativ humorbefreit dagegen wirkt der Generationenkampf Bier trinken, Pizza essen und in Transformers gehen. Sicher, der Track ist musikalisch schmissig, allerdings textlich eher hanebüchern. Will Schrei der Ernsthaftigkeit frönen, benötigt er wohl Unterstützung. Das zusammen mit Diane Weigmann aufgenommene Duett Ein Zimmer in Berlin beschäftigt sich mit den romantischen Nachwehen eines One-Night-Stands, entpuppt sich als ein Höhepunkt der Platte. Toll! Danach wird es phasenweise arg klamaukig („Ich geb dir immer Rückendeckung, wenn ich dich von hinten nehme.„). Ich habe nur an dich gedacht verführt den Protagonisten zu einem Seitensprung mit der Schwester seiner Freundin („Auch andere Mütter haben schöne Töchter, aber deine hat die schönste – deine Schwester.„). Ilka Ida wiederum humort auf Pennälerniveau herum. Hier wird die phonetische Ähnlichkeit zu al-Qaida für die Pointe „Wenn wir uns treffen, ist es mein Nine-Eleven.“ genutzt. Den Vogel schießt die Blockflöte des Todes mit dem Bonus-Track Hallelujah ab, wenn er den Katholizismus aus der Ecke der Kinderschänder holt und zur Sodomie bekehrt („Egal mit welcher Sau ich bisher schlief, ich benutzte nie ein Präservativ.„). Muss man nicht gut finden.

Ich habe heute Ananas gegessen ist ein Album mit ein paar Blattschüssen und einigen Schlägen ins Wasser. Das in  flockigen Pop gepackte humoristische Sperrfeuer war vielleicht nicht die beste Option. Von der Blockflöte des Todes hätte ich mir angesicht des gelungenen Vorgängeralbums Wenn Blicke flöten könnten doch viel mehr erwartet. Denn nicht jeder provokante, saloppe Reim ist letztlich auch ein Grinsen wert.

ananasgegessen_cover

Ich habe heute Ananas gegessen ist am 01.03.2013 auf Heart of Berlin erschienen.

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Ein Gedanke zu „Humoristisches Sperrfeuer – Blockflöte des Todes

  1. Was mich an BDT stört, stört mich so auch bei Die Ärzte und anderen Humorkombos. Der Gesang will immer besonders lustig klingen, sprich: „Das wir wirklich witzig sind, bemerkt ihr an unserem leicht belehrend, affektiert-ulkigem Gesang“. Insbesondere bei Sängern mit eher schwachen bzw. unsicheren Stimmen verdirbt es den Hörgenuss. Monty Python z. B. hatten diese Art nie nötig (aber die wussten ja auch wie schwarzer Humor funktioniert).

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