Keineswegs auf den Status der Blaupause beschränkt – Suuns

Wenn ich mir die aus Montreal stammende Band Suuns so anhöre, dann klingt sie wie der sehr ambitionierte kleine Bruder der britischen Formation Clinic. Auch erinnert Sänger Ben Shemie an eine gelegentlich gepresste, unscharfe Version eines Ade Blackburn, vielleicht sogar an eine apathische, farblosere Ausgabe von Thom Yorke. Bestimmt könnte man weniger feine, vielleicht sogar verwerfliche Vorbilder haben, aber all dies deutet auch an, dass die Suuns mit der eigenen Identität ein bisschen hadern. Das ist betrüblich, denn die Suuns sind – abgesehen von der einen oder anderen drögen Murmelei im Gesang – durchaus zu manch Glanztat befähigt und keineswegs auf den Status der Blaupause beschränkt.

Suuns2013
Photo credit: Suuns

Die dieser Tage anstehende Platte Images Du Futur will enigmatisch klingen, fiebrig-hektische Unruhe verbreiten, angespannter Dynamik huldigen. All dies gelingt – und doch auch selten gänzlich. Denn der Hörer kann einfach nicht von Vergleichen lassen. Und wenn man Clinics gnadenlos unterschätztes Album Free Reign hernimmt, wirkt Images Du Futur mehrheitlich wie die Anhäufung solider B-Seiten. Das Schaffen der Band mag aller Ehren wert sein, doch bleibt der Beigeschmack des angestrengten Nacheiferns. Ein paar Songs freilich muss man hervorstreichen. Weil sie schlichtweg hervorragend sind. Das mit gefletschten Zähnen dargebotene Power of Ten etwa, dessen gedämpfter Furor zu den atemberaubenden Moment der Platte gerät. Das irrlichternde Riff von 2020 freilich schlägt dem Fass den Boden aus, hier transzendiert die Band zu einem psychedelischen Zustand des Seins, findet sich Gefilden der Genialität wieder. Nach diesen starken Eröffnungstracks setzt hingegen ein Hauch von Ernüchterung ein. Nur zweieinhalb weitere Songs vermögen zu wirken. Edie’s Dream nämlich als von labyrinthischer Beklemmung erfüllte Schwelgerei, mit Abstrichen auch das synthetische Bambi sowie ein geradezu als Karikatur brillierendes Music Won’t Save You, dessen wahrlich mühlsteinige Bedeutungsschwere gegen Ende von heftigem Gelächter aus dem Hintergrund konterkariert wird. Solch Exzentrik lässt darauf schließen, dass der vermeintlich kleine Bruder vielleicht gar nicht so verbissen scheint.

Now I’m talking to the old god/ About rock and roll/ But the old god don’t listen/ To rock and roll no more“ heißt es bei Music Won’t Save You. Tatsächlich sind die Suuns keine dieser in Beliebigkeit versinkenden Indie-Rock-Kapellen, dazu sind einige der Tracks zu denkwürdig im Abgesang. Man mag noch die eine oder andere Eigenständigkeit im Sound vermissen, an der zukunftsträchtigen Vision mangelt es bereits Images Du Futur nicht!

imagesdufutur

Images Du Futur erscheint am 08.03.2013 auf Secretly Canadian.

Konzerttermine:

03.05.2013 Krems (A) – Donau Festival
04.05.2013 München – Atomic Cafe
05.05.2013 Berlin – Comet Club
06.05.2013 Köln – Studio 672
08.05.2013 Zürich (CH) – Rote Fabrik

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