Nothing but blue sky shining on my soul – Low

Alles gut! In hysterischen, medial hochgejazzten Zeiten braucht es ein kontemplatives Moment, welches den Gefühlspegel wieder ins Lot staucht. Wer, wenn nicht das seit 20 Jahren unter dem Namen Low wirkende Ehepaar Alan Sparhawk und Mimi Parker könnte solch meditativen Zauber bescheren? Low sind ein Beispiel für Beständigkeit, in all den Jahren und auf all den Alben haben sie sich nie neu erfunden, bestenfalls an Nuancen gefeilft. Dennoch sticht das neueste Werk The Invisible Way aus dem bisherigen Schaffen hervor. Denn so famos sich auch Lullaby von ihrem Debüt I Could Live In Hope anhört, so toll July von der Platte Things We Lost In The Fire klingt, so eindringlich Broadway (So Many People) von The Great Destroyer anmutet, insgesamt haben die Slowcore-Protagonisten meist auch die eine oder andere gediegene Langeweile auf ihre Alben gezaubert. Davon kann bei The Invisible Way freilich kaum die Rede sein.

Low 2013 Band Photo
Photo Credit: Zoran Orlic

Low strahlen Ruhe aus. Hier wird nie kajalverschmiert geheult oder Höhlen in zerfurchten Seelen ausgeschabt. Sie machen keinen auf Friede, Freude, Eierkuchen oder taumeln gar lemminggleich über Abgründe. Low betrachten das Dasein auf Erden mit einem gewissen Staunen, begreifen Transzendenz. Ihre fein ziselierten Regungen sind vom Zauber der Unaufgeregtheit erfüllt, Ruhe sticht als beredtes Schweigen hervor. The Invisible Way kann sogar mit Humorigkeit aufwarten. Der Song Plastic Cup etwa erhebt einen Plastikbecher, der Urin zum Zwecke eines Drogentests auffängt, zum Zeiten überdauernden Objekt, welches in tausend Jahren ausgegraben und mit Staunen und Ehrfurcht behandelt wird. Voll edelsteiniger Schönheit erstrahlt Amethyst. Wie sich Sparhawks Gesang auf Parkers Stimme bettet, hat eine großartig zärtliche Qualität. Ähnliches lässt sich auch bei Waiting feststellen, Zeilen wie „The truth can hide/ Sometimes right behind the sorrow“ atmen tief. So fein die erste Hälfte dieser Platte denn auch ausfällt, besteht ihr Makel wohl nur darin, dass der zweite Teil noch viel erhabener, andächtiger, intensitätsgeladener ausfällt. Den Auftakt dazu macht Just Make It Stop, ein geradezu beschwörerisches, mit der Welt haderndes Lied. Vielleicht das beste Stück, welches Low je komponiert haben, vermutlich der beste Song, der 2013 veröffentlicht wird. Auch wegen dem inmitten aller Dringlichkeit schwebenden Bild „Seeing nothing but blue sky shining on my soul„. Als Gebet entpuppt sich das nachfolgende Mother, ein Loblied auf die Mutter-Kind-Beziehung, das im Trost des Glaubens mündet: „Deep beneath the surface of the earth/ So many bodies waiting for the word/ When every child and mother will return/ Forever„. Parker und Sparhawk sind Mormonen – und das hört man auch. Doch wo zeitgenössische christliche Musik die Hörer gerne einmal mit der Bibel erschlägt, sich in apodiktische Erregung versteigt, furchtbar humorlos wirkt, bleiben Low uneifernd, zu ironischen Brechungen befähigt. So etwa im Song On My Own, wenn das gegen Ende erschallende Mantra Happy Birthday alles konterkariert. Der letzte Track des Album, To Our Knees nämlich, vereint nochmals alle Vorzüge von The Invisible Way. Parker singt voll zarter Inbrunst, ein ausdrucksstarkes Piano gibt den Ton an, Erhabenheit bricht sich demütig Bahn.

Diese Platte ist voller Songs, die zarte Seelen gern verinnerlichen. An Liedern wie So Blue vermag man die eigene Ehrfurcht zu schärfen. The Invisible Way ist ein Meisterwerk gelungenster Sentimentalität, vor innerer Kraft strotzend. Es begeistert als besinnliches Werk, welches die Mühsal des Zeitgeistes bannt. Dafür gebührt Low huldigende Anerkennung!

The Invisible Way

The Invisible Way ist am 22.03.2013 auf Sub Pop erschienen.

Konzerttermin:

10.05.2013 Frankfurt – Zoom

Links:

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