Blick in eine schöne Seele – Besides Daniel

Heute will ich dem geschätzten Leser eine echte Indie-Folk-Perle vorstellen. Als ich im Zuge unseres letztjährigen Weihnachtsspecials über Besides Daniel gestolpert bin, habe ich mir fest vorgenommen, mich früher oder später mit dem unter diesem Namen wirkenden amerikanischen Singer-Songwriter Danny Brewer zu beschäftigen. Vor einigen Wochen hat er sein eindringlich stimmungsstarkes Album This Marvelous Grief veröffentlicht. Auf gewisse Weise ist dieser Titel durchaus Programm, denn mit jeder Faser seiner warmen Stimme ächzt und grübelt, leidet und liebt sich Besides Daniel durch dieses Werk. Brewer erklärt die Intention der Platte so: „Exploring both the pain of intimacy as well as the hope for loving ourselves, this effort lays bear the turmoil and joys inherent in relationships. My hope for those who take the time to intentionally listen to this record is that your hearts would be warmed with affection for those closest to you.“ Tatsächlich ist dieses oft leise, angenehm kitschfreie, mit erhabenen Momenten durchwirkte Album von großer Herzenswärme erfüllt, geradezu bestrickend in seiner Zärtlichkeit.

Bereits die ersten Lieder zählen zu den Highlights der Platte, etwa Untouched and Burning, das sich tief in die Seele wühlt, einen Moment der eigenen Erweckung propagiert, oder 10,000 Beautiful Angels, welches in seiner aufgekratzten Art und ohne jedwede Blauäugigkeit die Welt zu einem wundervollen Ort verklärt. 1979 ist bei näherer Betrachtung eine gelungene Blue-Collar-Geschichte, auch weil dem Schicksal einer sich wohl als alleinerziehende Mutter durchs Leben schlagenden Frau neben allen Mühen („She was bussing tables/ Counting change that she would make„) auch Erfüllung eingeflößt wird („You told us of a light in your room/ Could you feel us breathing inside you/ Cuz we were breathing inside you„). Während Grand Canyon voll Aufruhr vom Krater im Herzen berichtet, den eine zerbrochene Liebe hinterlässt, verstört sich Penny Queen an der Desillusionierung, die aus dem Leben und Reifen erwächst. In solchen Augenblicken wird Pein – jedoch kein Selbstmitleid – greifbar, es sind Momente, in welchen This Marvelous Grief Krallen zeigt. Our Life is Like a Party bringt den bisweilen traurigen Grundtenor der Platte auf den Punkt: „Oh but people are shuffling/ In and out of our lives/ Yes our life’s like a party / And some people bring boos / Some people bring knives„. Dennoch offenbart sich auch eine Fröhlichkeit, eine Aufbruchsstimmung in den Liedern, tänzelt The Center of Georgia verschmitzt beschwingt, strahlt Unanswered Questions große Geborgenheit aus (Oh it’s all the things we remember/ Oh it’s all the things we forget/ It’s all of the unanswered questions/ Hid in the way that you love me„). Auch darum will man von diesem Werk nicht lassen, ihm ein ums andere Mal andächtig und versonnen, sogar wissend lauschen.

This Marvelous Grief erlaubt einen sehr detailreichen Blick in eine schöne Seele. Es liegt im Wesen der Authentizität, dass Besides Daniel seinem lyrischen Ich auch menschliche Schwächen, das Knabbern an Enttäuschungen auferlegt. Die vorher erwähnte Herzenswärme wird in solcher Wirkkraft zu einer Gabe, für die man Besides Daniel geradezu beneidet. Doch nicht lange, weil sie sich überträgt, man beim Hören dieser Platte mit Zärtlichkeit durchflutet wird! Und so erfüllt sich die eingangs von Brewer beschriebene Intention. Was will ein Musiker noch mehr bewirken? Wohl nichts.

thismarvelousgrief

This Marvelous Grief ist am 13.03.2013 erschienen.

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