Ein endlich eingelöstes Versprechen – Clara Luzia

Ich habe meine Landsfrau Clara Luzia eigentlich nie ins Herz geschlossen. Natürlich ist sie seit Jahren eines der wenigen passablen Vorzeigegesichter der österreichischen Indie-Szene, aber dennoch war sie mir stets zu sperrig und zugleich zu farblos, um an meinem Gemüt zu rütteln. Ihr Ende März erschienenes Album We Are Fish hat mich nun endlich bekehrt, mir Gefühle in die Brust gezaubert. Hauptgrund für meine plötzlich ausgebrochene Zuneigung ist ein kompakter, oftmals fast schon deftiger Sound, der das bislang schale Larifari-Umsetzung durch druckvollen Krach ersetzt. Clara Luzia löst eigentlich erst mit dieser Platte all die Vorschusslorbeeren ein, die ihr schon seit Jahren gestreut werden.

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Photo Credit: Sarah Haas

We Are Fish gerät zu einem Singer-Songwriter-Album internationaler Güte. Ein Song wie No One’s Watching weiß mich textlich anzusprechen. „Whatever I do it means nothing/ When there’s nobody watching“ mag vielleicht überhaupt als Credo unserer Tage durchgehen. Denn so sehr wir unsere Individualität auch betonen, materialisiert sie sich doch erst durch die Wahrnehmung anderer. Geradezu lieblich-fröhlich erschallt der Refrain des ermutigenden The Fall, während das nervöse The Menace Is My Head vor Unruhe und Unbehagen zappelt. Clara Luzia ergeht sich in existentiellen Nuancen, vermag dem Leben über das Milchmädchenhafte hinausgehende Einsichten abzutrotzen. Ein Stück weit nämlich leidet auch anspruchsvolle Musik oft darunter, dass sie sich in Emotionen verheddert, letztlich immer auf Einsamkeit und Liebe zurückfällt, während es der Literatur vorbehalten scheint, dem Sinn des Seins mit Kopflastigkeit zu begegnen. Zeilen wie „You thought you’d asked the right questions/ But the answers just don’t fit“ und „Your questions lead to question marks“ präsentieren sich jedoch sehr clever und relevant, Lichtjahre von vager Gefühligkeit entfernt (Leave The Light On). Dieses Werk weiß freilich Verwirrung zu stiften, beschwört Biester und Monster in uns. Vielleicht auch, weil man das menschliche Sein nicht ohne dessen Bestialität würdigen kann („Step outside the light and see the monster in you„). Ein Song wie Monster In You offeriert starken Indie-Rock mit Pfiff. Das ist neu, das ist stark.

We Are Fish ist nicht im Geringsten als düsteres Album zu verstehen. An der erwachsenen Note besteht jedoch kein Zweifel. Clara Luzia legt somit eine Platte, die jugendliche Spleenigkeit samt und sonders abgelegt hat. Zeitgenossen, die sich noch nicht in eine Ü30-Beschaulichkeit verkrümelt haben, werden das Werk zu schätzen wissen. Wer mit Clara Luzia bis dato nichts anfangen konnte, darf getrost zu We Are Fish greifen. Es ist das überfällige, jetzt eingelöst Versprechen ihres Potentials.

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We Are Fish ist am 29.03.2013 auf Asinella Records erschienen.

Konzerttermine:

09.05.2013 Berlin – Festsaal Kreuzberg
10.05.2013 Leipzig – Werk 2
11.05.2013 Salzburg (A) – arge
25.05.2013 Weyer (A) – Bertholdsaal
30.05.2013 München – Atomic Café
31.05.2013 Zwentendorf (A) – Tomorrow Festival
08.06.2013 Kirchanschöring – Im Grünen Festival festival im grünen, kirchanschöring (D)
13.06.2013 Hall in Tirol (A) – Burg Hasegg Open Air
23.06.2013 Wien (A) – Donauinselfest (FM4-bühne)

Links:

Offizielle Homepage

Clara Luzia auf Facebook

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