Gesetzte Pop-Poesie mit Pfiff – Richard Lenz

Vielleicht war ich ja 2009 noch naiv. Aber ich hätte damals schwören können, dass das clever gestylte Trio Lenz mit ihrem Album Augen auf und durch dank pfiffigem Indie-Pop-Sound durchstarten würde. Nun schreiben wir 2013 und die Band ist auf Richard Lenz zusammengeschrumpft, der es mit dem Album Glücksschwein wieder wissen will. Glücksschwein versucht sich abermals an Pop-Poesie, klingt dabei allerdings eine Spur gesetzter. Öfters erinnert mich auch diese Platte daran, warum mir Lenz vor vier Jahren imponiert haben. Mitunter jedoch ist das neue Werk zwar nett, leider aber ausgesprochen unspektakulär.

Ein grundsätzliches Missverständnis des Albums liegt in einer eher zurückhaltenden Instrumentierung, die oft erst im Refrain – wenn überhaupt – aufgegeben wird, wo die Chose dann natürlich knackig und kompakt wirkt. Sag du mir etwa klingt seltsam schaumgebremst, verschenkt das Potential. Bei Soo schön liegt der Fokus zunächst auf dem Gesang und einem Piano. Solch balladesker Moment fällt weniger überzeugend aus, erst der poppig-inbrünstige Refrain rettet das Lied. Mit Verlorn zeigt sich Lenz von seiner besten Seite, auch textlich („Ich bin verloren nur um gefunden zu werden/ Ich bin fallen gelassen worden nur um gut aufgehoben zu sein„). Der positive Eindruck, die erfüllte Erwartungshaltung setzt sich auch bei Ohne Wenn und Aber fort. Das ist quirliger Pop, der mit Zeilen wie „Oh ich weiß es klingt gemein aber ich kann ohne dich gut sein/ Ich hab bloß keine Lust allein zu sein“ die vermeintliche Fröhlichkeit bricht. Gelungen! Auch Irgendjemand wartet immer fällt sehr gut aus, ehe Desillusionierung einen Spagat wagt. Textlich ist dieses Sinnieren über Religion und Glaube eher Magerkost, musikalisch ist es so melodisch wie gewitzt. Als Highlight von Glücksschwein präsentiert sich der Song Mach’s nicht so einfach, allein schon weil man spätestens beim paradoxen Refrain aufhorcht („Mach’s nicht so einfach für mich/ Mach mich nicht schon wieder glücklich/ Komm mach’s nicht so einfach für mich„). Die nachfolgende Ballade Ich hab gelogen bestätigt einmal mehr den Eindruck, dass Herr Lenz in dieser Hinsicht nicht gut beraten ist. Wie zuvor bei Manchmal tönt dies jammerig, bestenfalls dröge. Versöhnlich freilich zeigt sich der Ausklang mit Am Ende des Tages. Wenn authentisches, nie flaches Songwriting sachte Zuversicht versprüht, schließt man das Album endgültig ins Herz. Wäre ich Radiomacher, ich würde solch einen Titel mit Handkuß in die Rotation aufnehmen. Denn der Lenzsche Gesang ist so angenehm, die Stimme wohltuend, klar und ausdrucksstark.

Glücksschwein leidet ein wenig unter Ungereimtheiten. Da wäre einerseits der Albumtitel, der etwas suggeriert, was die Platte nicht einzulösen gedenkt. Ernsthafter Deutschpop mit Charme lässt im Titel nicht die (Glücks-)Sau raus! Und auch die langsamen, reduzierten Pianolieder sind keineswegs ein Knüller. Abgesehen davon hat Richard Lenz aber erneut sein Potential unter Beweis gestellt, letztendllich im Verlauf der Platte auch den alten Pfiff wiederentdeckt. Bleibt zu hoffen, dass ihm beim jetzigen Alleingang der ganz große Erfolg beschieden ist.

gluecksschwein

Glücksschwein ist am 17.05.2013 auf noteworks erschienen.

Konzerttermine:

14.06.2013 Berlin – Brückeneck
21.06.2013 Berlin – Féte de la musique
14.07.2013 Berlin – Schokoladen
05.08.2013 Berlin – Arcanoa
08.08.2013 Leipzig – Tonelli’s
13.08.2013 Hamburg – Freundlich + Kompetent
21.08.2013 Berlin – Hangar 49
05.09.2013 München – Munich Song Connection
10.09.2013 Berlin – Lagari
14.09.2013 Köln – Low Budget
19.09.2013 Berlin – Acud
29.09.2013 Dresden – Blaue Fabrik

Links:

Offizielle Homepage

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