Im Zwielicht der Kassandrarufe – Plankton Waves

Akribisch unheilsvoll, kräftig sinister präsentiert sich das aus Luxemburg stammende Duo Plankton Waves. Es beschwört das Ende, gibt sich dabei in dunklen Retro gekühltem Electro-Pop hin. Die EP Songs Of Endings beinhaltet Kassandrarufe, die von Sängerin Natalie Pickar mal in willfähriger Anbetung, mal in katastrophischer Konseqenz vorgebracht werden. Immer freilich fährt ihr Gesang schwere Geschütze auf, wogt als schwarzen Rauch verströmendes Signalfeuer über das Dickicht des Zwielichts. Plankton Waves ziehen den Hörer in einen Strudel atmosphärischer Düsternis, bedienen sich dazu hypnotischer Qualitäten.

Mit dem eröffnenden Warriors beginnt dieser zwanzigminütige Schauder. Warriors verbindet Tribal-Elemente mit apokalypischen Lyrics, bedrohlich sirrenden Synthies und einer knarzig-hellen Stimme. Dieser Track ist Aushängeschild der EP, gespenstisch und verdammt gut. Der nachfolgende Song Cthulhu baut auf das vom Gruselgenie H.P. Lovecraft entworfene Motiv eines unendliche Zeiten in Schlafstarre überdauernden Schreckenswesen auf. Cthulhu gerät zum beschwörerischen, fügsamen Erweckungsgesang („Golden tears adorn our eyes/ We call upon thee Cthulhu arise/ Golden tears adorn your lair/ We call upon thee Cthulhu the heir„). Mit Out Here wird die Parainoia im Inneren gepflegt, mit Verzweiflung getränkt, während I Should Love Her es sogar schafft, ein Liebeslied mit dem Unbill des Schicksal zu erfüllen. Der Song entwirft eine Vergangenheit, für welche es keine Gegenwart zu geben scheint („As we stand here all alone/ There is nothin left to dance„). Und auch die Zukunft wirkt fern und illusorisch, desperat ersonnene, im bettelnden Tonfall als Abgesang zu interpretierende Fantasie. World’s End beschließt Songs Of Endings. Solch Lied ist von einem Untergangsszenario beseelt, wirkt ob seiner scheppernden Synthie-Coolheit wie der dekandent angelegte Soundtrack zum Event.

Michel Flammant und Natalie Pickar geben als Plankton Waves eine großartige Figur ab. Zwischen ihrer Rückbesinnung auf die Achtziger und dem Phantasma einer verheißungslosen Zukunft ergibt sich ein Spannungsfeld, welches Synthies und Gesang virtuos und intensiv beackern. Songs Of Endings ist in seiner Kompaktheit eine Wucht, von A bis Z einer tiefschürfenden Entdeckung würdig. Ohren auf für solch dystopische Kraft!

songsofendings

Songs Of Endings ist am 10.05.2013 erschienen.

Links:

Offizielle Homepage

Plankton Waves auf Facebook

Plankton Waves auf Bandcamp

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.