Stippvisite 18/05/2013

Wir haben uns ja schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr auf anderen Blogs und Online-Magazinen umgeschaut, heute wollen wir mal wieder einen kleinen Streifzug wagen. Es existiert derart viel Musik in den Weiten des Netzes, dass man gut daran tut, den Ohren geschätzter Kollegen und anerkannter Koryphäen zu vertrauen. Es würde einem sonst viel Aufregendes entgehen.

Boheitipp:

Ich könnte von mir nicht behaupten, ein besonderes Faible für junge und unverbrauchte Frauenstimmen zu haben. Wohl aber liebe ich zarte, fragile Sangesstimmen voller Ausdruck, hasse melismatisches Geträller mit all der penetranten Wucht, die große Gefühle letztlich doch nur vorzugaukeln vermag. Das aus Indianapolis stammende Schwesternduo Lily & Madeleine hat mich mit klarem, tiefgründigem Gesang binnen Sekundenbruchteilen in seinen Bann gezogen. Diese jugendliche Note kommt angenehm nüchtern bis sanft rüber, ohne teenagerhaftes Drama oder adoleszente Depression. Die im Juni auf Asthmatic Kitty erscheinende EP The Weight of the Globe bietet schönen Folk-Pop und Stimmen, die man nicht vergessen kann und will. Wenn ich mir das Bohei um die Schwedinnen First Aid Kit so ansehe, dann müsste im Falle von Lily & Madeleine wohl eine ähnlich gelagerte Euphorie ausbrechen. Am Potential besteht nicht der geringste Zweifel, wie die Tracks Tired oder Back to the River mit jedem Ton beweisen. Ganz, ganz großartig! (gefunden bei das klienicum)

Ausschusstipp:

Schon mindestens drei Monate will ich schon einen fabelhaften Downloadtipp loswerden, doch irgendwie komme ich nicht dazu. Dabei ist der Track Tame des unter dem Namen Mint Julep werkenden Ehepaars Kenniff für mich fraglos einer der besten Songs des bisherigen Musikjahres. Obwohl Mint Julep in Indie-Gefilden dank des letztjährigen Albums Save Your Season durchaus bereits eine Hausnummer sind, schätze ich Keith Kenniff vor allem wegen seiner Nebenprojekte wie etwa Goldmund. Mint Julep basteln bereits eifrig an dem neuen Album Broken Devotion, auf welchem der Song Tame aus unerfindlichen Gründen keinen Platz finden wird. Wenn so Ausschussware aussieht, hat Broken Devotion zweifelsohne das Potential, als Album des Jahres in die Annalen einzugehen. Der Song ist auf SoundCloud als Gratis-Mp3 verfügbar. (via Coast Is Clear)

Sonnengefunkeltipp:

Every cloud has a silver lining“ verspricht der Refrain des Tracks No Wonder I. Und tatsächlich hat dieses Lied etwas von einem zarten Sonnengefunkel nach Regenwetter. Die Nummer verbindet Latin-Anleihen mit stoischen Paukenschlägen und einem luftig-süßen Gesang. Die mir bis dato unbekannte US-Formation Lake gibt mit diesem Lied eine erste Kostprobe ihrer anstehenden Platte Circular Doorway. Da mir No Wonder I wirklich ausgesprochen imponiert, bin ich auf dies Album wirklich sehr, sehr gespannt. (via Exlaim!)

Entdeckertipp:

Von Jazz inspirierter Pop? Zumindest mir kann das durchaus auch schnell einmal auf die Nerven gehen. Allerdings nicht im Falle von Andrea Rydin Berge, welche mir vor ein paar Wochen nahegebracht wurde. Eva-Maria vom Polarblog notiert: „Eigentlich kommt die Sängerin, Pianistin und Harfinistin vom Jazz her, aber als neugierige Grenzgängerin hat die junge Norwegerin eine Neigung zum Singer-Songwriterin entdeckt. Vielleicht deshalb, weil sich zu reduzierter Instrumentiertung hier so wunderbar die kleinen, schrägen Geschichten für den flüchtigen Moment erzählen lassen.“ Andrea Rydin Berge bastelt noch an ihrem Solodebüt, doch erste Lieder tun gediegenes Songwriting und eine charaktervolle Stimme kund. Besonders tritt dies in dem Song Early December hervor, wo man vor der poetischen Grazie des Ausdrucks in die Knie geht. Fein!

Songtipp:

Auch schon länger empfehlen will ich den Song The Caustic Light der in Atlanta ansässigen Singer-Songwriterin Shannon Wright. Die fleißige Dame hat Anfang Mai mit In Film Sound ihr siebtes Soloalbum in 13 Jahren vorgelegt. Und wenn ich der Energie des Tracks The Caustic Light so lausche, dann ist es um mich geschehen. Roh, markant präsentiert sich der Gesang, rabaukig die Gitarre. Das gefällt, gefällt mir sehr. Und weckt die Lust, das Album demnächst ausgiebig zu erkunden. (via Nicorola)

infilmsound

In Film Sound ist am 05.05.2013 auf Ernest Jenning Record Co. erschienen.

Das soll es für dieses Mal auch wieder gewesen sein. Demnächst wieder mehr!

SomeVapourTrails

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