Integrität des Sounds – Fat Freddy’s Drop

Die Philosophie einer Albumlänge lässt sich nur noch in gewissen Genres einer breiteren Hörerschicht gegenüber begründen. In der Regel jedoch pickt man sich einzelne Tracks heraus, schwelgt darin. Nun mag es Künstler geben, die ihr Schaffen in einen grandiosen Moment konzentrieren, sich über einzelne Lieder definieren. Andere Bands wieder machen die einzelnen Nummern zu Mosaiksteinchen, welche dann aneinandergereiht erst das ganze Bild entstehen lassen. Gerade in Genres wie Post-Rock, Electronica oder Jazz wird erst durch die Fülle einer Platte die Integrität des Sounds deutlich. Das gilt auch für die neuseeländische Formation Fat Freddy’s Drop, speziell für das soeben erschienene Werk Blackbird. Fat Freddy’s Drop sind mit ihrer stets entspannten wie dynamischen Mischung aus Soul, Funk, Dub und Jazz eigentlich ohnehin mehr Live-Act denn Studiomusiker. Bei ihnen steht der Vibe im Vordergrund, die Lust am Spiel, die Entwicklung eines einzigartigen Sounds. Wo beim Vorgängerwerk Dr Boondigga and the Big BW noch der eine oder andere Titel hervorstach, wirkt das neue Blackbird wie aus einem Guss. Alles scheint im Lot, ein satter, sechzigminütiger Flow garantiert.

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Photo Credit: Kerry Brown

Wenn Sänger Dallas Tamaira (aka Joe Dukie) mit seiner zärtlichen, angenehm beseelten Stimme loslegt, muss er keine Schneise in das instrumentale Dickicht schlagen. All die ausgetüftelten Arrangements tänzeln mal federleicht, stapfen dann wieder anmutig durch Gluthitze, sind stets üppig, geben dem gefühligen, von RnB inspirierten Gesang freilich immer Raum. Blackbird intensiviert einen Flair, der bei aller Leidenschaft nie in süßliche Ekstase abgleitet, immer die elegante Contenance wahrt, zu welcher nur wahre Könner befähig sind. Es zeichnet sich durch die flirrende Leichtigkeit einer Jam-Session aus. Es erlaubt die höchstmögliche Entspannung, die ohne Drogen erreichbar scheint. Wo sehr, sehr oft eine Lücke zwischen Studioatmosphäre und Konzerterlebnis klafft, ist dies bei Fat Freddy’s Drop kaum wahrnehmbar. An welchen Songs man jene Beobachtungen festpinnen möchte, ist natürlich Geschmackssache. Der ausladende Titeltrack Blackbird zeigt einige der Vorzüge auf, groovt vor sich hin, im Fundament wabernd, bleibt im Gesang mysteriös und sacht schwermütig, unterbrochen von schrägem Trompetengeschnatter, gegen Ende hin wird nochmals an den Beats geschraubt, eine schroffe Note hervorgekehrt. Schnörkelloser geht das soulige Clean The House vonstatten, funkig zeigt sich Bones mit seinen Bläsereinsätzen. Aber stilistische Charakterisierungen sind im Falle dieser Formation ohnehin Schall und Rauch. Never Moving etwa stellt einen hypnotischen Beat in den Vordergrund, ergeht sich in allerlei elektronischen Spielereien, häckselt dabei auch schon mal den Gesang. So hektisch Mother Mother auch anfangs hyperventiliert, bleibt Dukie dabei Fels in der Brandung. Ganz bemerkenswert fällt das abschließende Bohannon aus. Man muss wirklich kein Prophet sein, um sich auszumalen, wie dieser nur augenscheinlich monotone Track live zum schweißtreibenden Genuss gerät.

Fat Freddy’s Drop stehen für einen integren Sound, der die Leidenschaft und Liebe zur Musik mit Mann und Maus lebt. Wo viele Künstler gepresst wirken, geradezu versessen auf Perfektion sind, Professionalität über Kreativität setzen, ihren Liedern auf Teufel komm raus Botschaften aufstülpen, erweisen sich Fat Freddy’s Drop als souverän, authentisch, freudvoll. Eigentlich ist das Album Blackbird ja bloss ein Arbeitsnachweis. Beleg für ungebrochene Fertigkeit und Laune, jenen unter die Nase gehalten, die es aus unverständlichen Gründen noch auf kein Konzert der Neuseeländer geschafft haben. Das nämlich ist ein gewaltiges Versäumnis, wie jeder Fan der Band aus tiefstem Herzen zu bestätigen vermag. Für den wahren Fetischisten ist Blackbird allerdings nur Erinnerung an das letzte und wohliger Vorgeschmack auf das nächste Konzert dieses Freudenorchesters. Der Oktober kann also kommen…

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Blackbird ist am 21.06.2013 auf The Drop erschienen.

Konzerttermine:

06.07.2013 Rudolstadt – TFF Rudolstadt
07.07.2013 Köln – Summerjam
13.10.2013 Hamburg – Große Freiheit 36
15.10.2013 Berlin – Huxleys
16.10.2013 Köln – Live Music Hall
19.10.2013 Genf (CH) – Salle des fêtes de Thônex
20.10.2013 München – Muffathalle
21.10.2013 Zürich (CH) – Komplex 457
23.10.2013 Wien (A) – Arena

Links:

Offizielle Homepage

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