Lauschrausch XXXI: Sportfreunde Stiller

Deutsche Musiker ergehen sich entweder in der eigenen Spleenigkeit (Udo Lindenberg, Nena) oder fühlen sich dazu verpflichtet die Welt zu retten (Tim Bendzko), zumindest aber missionarisch tätig zu sein (Xavier Naidoo). Zwar gibt es noch erfolgreiche Bands, die solch Trauerspiel intellektuelle Vertracktheit gegenüberstellen (Wir Sind Helden) oder leider aus unverständlichen Gründen kapituliert haben (Tocotronic), aber insgesamt erscheint der Umgang mit deutscher Sprache vorwiegend verkrampft oder ungelenk, von den schlagernden Peinlichkeit ganz zu schweigen. Freilich existieren auch geile Bands wie Die Ärzte, die seit Jahr und Tag ein authentisches Lebensgefühl mit ganz viel Humor stricken, oder etwa Selig, die musikalische Poesie verbreiten. Unter den wenigen deutschen Bands, die mir größtmögliche Freude bereitet, finden sich auch die Sportfreunde Stiller. Weil sie Texte in einem ganz eigenen hemdsärmeligen, hochgradig sympathischen Tonfall schreiben, mit großer Verlässlichkeit einen grobkörnigen, deftigen Sound fabrizieren. Wie auch die Single Applaus, Applaus einmal mehr unterstreicht! Ich gehöre eigentlich zu den Charts-Aposteln, aber wenn solch ein tolltes Lied die Charts stürmt, dann applaudiere ich dem Massengeschmack. Ein Bravo für diesen Lauschrausch der hoffnungslos positiven Art.


Sportfreunde Stiller – Applaus, Applaus on MUZU.TV.

New York, Rio, Rosenheim ist am 24.05.2013 auf Vertigo erschienen.

SomeVapourTrails

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