Release Gestöber 40 (Rue Royale, Marcus Fjellström, Disco Love Machine, Farao)

Wir wollen wieder ohne Umschweife unseren Senf zu einer Handvoll ausgewählter Veröffentlichungen beisteuern. Auf kleine Alben von großer Qualität verweisen.

Rue Royale

remediesahead

Das britisch-amerikanische Ehepaar Dekker macht als Duo Rue Royale bereits seit ein paar Jahren sehr ansprechenden, stets versonnenen Indie-Pop. Die am 21.06.2013 auf Sinnbus erscheinende Single Set Out To Discover gewährt einen ersten Einblick in das für August angekündigte Album Remedies Ahead. Geht man nach diesem einen Track, verspricht es eindringliche Zärtlichkeit und austarierten Zauber. Wer nuancierte Stimmungen liebt, für solch Zeitgenossen könnte sich das Album als kleines Schatzkästchen erweisen.

Remedies Ahead erscheint am 16.08.2013 auf Sinnbus.

Marcus Fjellström

Ambientklänge wie für ein Sternenschauermärchen gemacht, solch verstörende wie betörende Sci-Fi beschert uns der Schwede Marcus Fjellström. Die Ende Mai erschienene EP Epilogue -M- flutet ein unendliches galaktisches Meer mit Geräuschen. Der Pressetext erklärt das Ansinnen der EP so: „Epilogue -M- exposes a dark and frightening ambient universe, an outer space of exploding galaxies, vaporizing masses, magnitudes, the interior of gravitation, and floating emotions in an apparently silent sea of white light, full of grace and dark black anxious endings.„. Und tatsächlich malen all die Laute einen immerfort in Aufruhr befindlichen Kosmos, dessen Kühle verwirrend wie nostalgisch ausfallen kann. So gerät die EP für Menschen, die sich in einem Strudel klanglicher Experimente treiben lassen mögen, zu einem Soundtrack für cinemascopisches Kopfkino. Fjellström erzielt dabei eine Intensität, welche dieses Werk auch für Hörerschichten interessant macht, die mit Ambient in der Regel rein gar nichts am Hut haben. Es braucht nur ein bisschen Fahigkeit zu abstrakter Fantasie.

Epilogue -M- wurde am 28.05.2013 auf Aagoo Records/Rev. Lab. veröffentlicht.

Disco Love Machine

Ein unter dem Namen Disco Love Machine werkendes Trio aus Hildesheim hat dieser Tage ein gelungenes Debüt vorgelegt. Das selbstbetitelte Album präsentiert uns Synth-Rock prinzipieller Düsterheit, die immer wieder von dem einen oder anderen Laserstrahl durchschnitten wird. Die Platte ist natürlich hoffnungslos retro, zugleich aber mit überraschend viel Pep ausgestattet. Mir jedenfalls imponiert die Machart des anscheinend ohne Label-Überstützung vollbrachten Werks. Das klingt nie billig, oftmals sehr pfiffig. Als Hightlights des Albums entpuppen sich das mit dem absoluten Willen zum Falsett dargebotene, üppig-dynamische To Wait For, weiters natürlich das ausgesprochen radiofreundliche About Love, welches die sinistere Sinnlichkeit der Achtziger beschwört. Ebenfalls Lob verdient das effektvolle She’s Tired. Generell gilt, dass mit Drums, Gitarre und Synthies ein kompakter, dennoch angenehm subtiler, mitunter köstlich schräger Sound erreicht wird. Das tönt stark, sogar wild, wie etwa das schrille Magnetic. Sänger David Friedrich versucht sich gern als Chamäleon, der seiner Stimme immer neue Facetten zumutet. So bleibt unter dem Strich die Erkenntnis, dass Disco Love Machine als Newcomer mehr als nur zu überraschen wissen. Anhören!

Disco Love Machine ist am 25.05.2013 erschienen.

Farao

Auf die unter dem Namen Farao tätige Norwegerin Kari Jahnsen hatte ich bereits vor ein paar Monaten hingewiesen. Damals habe ich ihre in Grüblereien versunkene, in heller Schwermut verfangene, charktervolle Stimme bestaunt, ihr eine von Makeln freie Melodie des Erzählens attestiert. Bei dieser Einschätzung bleibe ich. Dieser Tage ist nun ihre erste Single Skin in Deutschland erschienen. Neben dem feinen Song Skin gibt es vor allem eine B-Seite zu bewundern, wie man sie wirklich nicht alle Tage findet. Forces ist sogar für lichte skandinavische Höhen eine Elfenklage in ihrer vollendetsten Form. Ich werde der Faszination nicht müde. Für Herbst ist bereits eine EP angekündigt, wie erfreulich!

Skin ist am 07.06.2013 auf Trickser erschienen.

SomeVapourTrails

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