Schmächtig und ganz groß – Small Feet

Mit sich im Reinen sein. Ein schwieriges Unterfangen! Im Einklang mit der Welt zu sein, das gerät schon fast zur Unmöglichkeit. Man könnte jetzt darüber verzweifeln. Die Dummheit der Menschen verdammen, intellektuelle Kälte anprangern, die Wirtschaftsgläubigkeit geißeln. In einer keineswegs durch und durch schlechten, aber doch oft unerfreulichen Welt ist neben der Liebe und dem Glauben vor allem Kunst ein Mittel zu zeitweiliger Glückseligkeit. Dabei kommt es weniger auf die Botschaft oder gar auf die Qualität des Buchs, Films, Bilds oder Songs an. In der Hauptsache geht es geht um die Behaglichkeit, welche Emotionen, Seele und Intellekt baumeln lässt. Natürlich darf Kunst auch aufwühlen, verstören, standpunkten. Aber dies Element tritt meist erst dann hervor, wenn wir längst schon eine Zuneigung zur Kunst gefasst haben. Ich vermag mich berührende Klänge daran zu erkennen, dass ich sie schon längst in mir geglaubt habe. Dass sie zu den Reminiszenzen und Wünschen passen, die schon lange im Kopf herumspuken, schönen wie trüben Gedanken einen Soundtrack geben. All das trifft auf die EP Liar Behind The Sun der schwedischen Formation Small Feet zu. Für mich sind es die perfekten 15 Minuten, eine zaghafte Nostalgie, in der Blässe der Erinnerung schimmernde Töne. Weich, jedoch ohne Flausch.

Filigraner Folk samt einer hohen, zärtlichen Stimme entblößen eine Verletzlichkeit, die geradezu sakral auf den Hörer niederhallt. Den Klängen wohnt eine zerbrechliche Erlösung inne. Sie scheinen ein sorgsam gehegter Gegenentwurf zur robusten, schrillen Realität. Sacht im Jammer, gnädig im Sehnen entschwebt Simon Stålhamres Stimme. Bereits der Titelsong Liar Behind The Sun ist ein Glücksmoment des Fühlens, ein melodisch tänzelndes Jubilieren, welches vom Gesang mit allerlei Nachdenklichkeit bestückt wird. Rivers dagegen durchweht balladeske Schwere, einsam in die Weite getragene Klage. Es wirkt als Augenblick der Kartharsis, der auch im nachfolgenden Dagmar noch nicht ausgestanden scheint, wenn die Sorgen des Lebens auf den Hörer abfärben. In dieser in den Farben des Country gefärbten Tristesse ist jedoch auch schon ein Hoffnungsschimmer greifbar, der sich schließlich in der flinken choralen Süße von Smoke And Mirrors kristallisiert, ehe alles mit dem viel zu kurzen Hymn ergreifend endet.

Die eingangs erwähnte Behaglichkeit dieser Debüt-EP liegt sicher im Sentiment der Fremdheit mit der Welt begründet. Aber diese Versunkenheit in den Wänden des eigenen Körpers geschieht hier nicht aus dem Motiv der Selbstgenügsamkeit, vielmehr ist es die Angst vor Zurückweisung und Verletzung, welche diese Musik wie aus einem Schneckenhäuschen erklingen lässt. Small Feet mag vielleicht schmächtig sein, zugleich wirkt diese Musik ganz groß, durch Schwermut gestählt, nie kapitulierend. Liar Behind The Sun besticht als pastellfarbener Soundtrack für Mußestunden voll Tiefgang und Sehnsucht. Wenn ein milder Anflug von Bedrücktheit kultiviert werden soll, darf man getrost zu dieser EP greifen. Denn ohne Zuversicht ist diese Platte nicht, eher schon läutert sie das Gemüt. Nachhaltig, immer wieder.

liarbehindthesun

Liar Behind The Sun ist am 14.06.2013 auf Kning Disk erschienen.

Link:

Small Feet auf Facebook

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Schmächtig und ganz groß – Small Feet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.