5 Jahre Lie In The Sound (Teil 2)

Dieser Tage durchzuckt mich Wehmut. Denn so schön die letzten 5 gebloggten Jahre auch waren, ist Bloggen bei realistischer Betrachtung doch auch vergebliche Liebesmüh. Es ist ein recht harmloses Freizeitvergnügen, das sich in den Weiten des Internets verliert. Irgendwo am Wegesrand des Netzes gabelt man Musik auf, verfällt ihr, schreibt darüber – und vergisst auch wieder. Man fühlt sich wie ein Casanova, der es mit derart vielen Frauen schon getrieben hat, dass kaum besondere Erinnerungen wirklich dauerhaft im Gedächtnis bleiben. Das ist doch der eigentliche Fluch von Musik, dass auf jede Entdeckung mindestens ein Vergessen kommt. Wenn ich mir meine Lieblinge der vergangenen Jahre so ansehe, mir viele Bands wieder vergegenwärtige, dann sind Geheimtipps nahezu immer Geheimtipps geblieben, kleine Fische nur sehr selten auf Karpfengröße angewachsen. 5 Blogjahre haben mich auch untröstlich gemacht, weil ich die Flüchtigkeit eines Werks begriffen habe. Ein Lied ist nur ein Lied, ein Album nur ein Album, heute präsent, morgen schon vergessen, oder gar aus dem Netz verschwunden. Es bedröppelt mich, wenn viele der auf dem Blog einmal eingebetteten Clips und Streams nicht mehr funktionieren, weil es das Service nicht mehr gibt oder die Band zu neuen Ufern aufgebrochen oder gänzlich im Nirvana aufgegangen scheint. Wo CDs und Vinyl noch eine gewisse Dauerhaftigkeit suggerierten, ist Musik im Netz immer unter einem temporären Aspekt zu sehen. Dienste wie Last.fm oder Spotify kommen und gehen, vor fünf Jahren war MySpace noch die erste Adresse für Musik in sozialen Netzwerken, nun ist es Facebook, in absehbarer Zukunft werden neue Plattformen entstehen. Das Netz ist in steter Bewegung, damit auch die Musik, welche tagtäglich hindurchplätschert. Die Vergänglichkeit ist natürlich nicht auf Musik beschränkt. In den letzten Jahren habe ich immer wieder viele nette, ambitionierte Blogs entdeckt, von denen inzwischen schon viele in die ewigen Jagdgründe abgetaucht sind oder öffentlich dahinmodern. Sie wollten irgendwann mal Gedanken zu Musik mitteilen, geschmackliche Vorlieben offerieren, vielleicht auch nur unterhalten.

Alles scheint also in Veränderungen begriffen, aber so ganz will mir die Stoßrichtung nicht gefallen. Ich bezweifle die musikfördernden Meriten des Internets, mehr denn je. Das Internet gaukelt uns eine Vielfalt an musikalischen Inhalten vor, von denen jedoch Otto Normalnutzer erst recht nur das eine Prozent wirklich wahrnimmt, das mit viel Gedöns beworben wird. Die Schwarmintelligenz musikaffiner Zeitgenossen muss auch im Netz vor dem kalkulierten Erfolg kapitulieren. Lieschen Müller wird auch in Zukunft die Band, die es unter den Fittichen eines Major Labels zu etwas gebracht hat, für sich entdecken. Das Internet macht unbekannte Bands nicht viel bekannter. Da können sich Musikblogs die Finger noch so wund schreiben. Wozu also die Liebesmüh? Diese Frage werden wir uns auf diesem Blog wohl noch das eine oder andere Jahr stellen…

SomeVapourTrails

4 Gedanken zu „5 Jahre Lie In The Sound (Teil 2)

  1. Das ist richtig, ja. Aber, und das sage ich nicht klagend, sondern mit einem Augenzwinkern, nichts dagegen, auch noch in einer der vielen Bands zu spielen. Da kriegt die Vergänglich- und Vergeblichkeit noch einmal eine ganz andere Dimension.

  2. Ich kann Deine zweifelnden Gedanken natürlich bestens nachvollziehen, geht es mir mit meinem Blog doch auch oft so, dass eine gewisse Flüchtigkeit und „Instant“-Mentalität Einzug hält, wenn man nahezu täglich was vorstellen will.

    Ganz ohne Wirkung war aber mein CIC-Blog immerhin nicht – einige Bands haben mir geschrieben, dass ihre Downloadzahlen stark angestiegen sind, nachdem sie bei mir vorgestellt wurden. Es gibt auch eine Handvoll Bands (insb. Northern Portrait, The Ballet, Contre Jour) die durch eine Erwähnung in meinem Blog die Möglichkeit bekommen haben, in Deutschland aufzutreten. Aber, klar, das sind Ausnahmen. Und der absolute Effekt ist gering. Wenn man das ändern wöllte, müsste man vermutlich in die Promoabteilung eines großen Labels oder einer Musikzeitschrift einsteigen – und wer will das schon? 😉

  3. Hm, schreibst Du denn für Otto Normalnutzer? Bestimmt wäre es schön, wenn der mehr oder anders hören würde als die ‚besten Hits der 80er bis heute‘, aber das tut er nun mal nicht. Egal, gibt ja auch noch die Freaks 🙂
    Ich denke übrigens, dass auch eine Vinyl/CD-Sammlung flüchtig ist, denn vieles steht dann nach ein paar mal hören im Regal rum. Da ist der Unterschied zu einem Blogeintrag nicht mehr weit.
    Ich tröste mich mit der Chronologie der Musik (ich hab Freunde, die sortieren Ihre CDs nach Kaufdatum). Musik gehört immer zu der Zeit, in der sie gehört wird. In den 80ern dachte ich, ich würde The Cure für immer hören…

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