Hi-Fi(ve) in Lo-Fi – PRE-Be-UN

Wenn avantgardistische Attitüde pittoreske Melodien durch den Fleischwolf vergilbter Elektronik jagt, wenn Lyrics einem lieblichen Dadaismus zuprosten, wenn effektpralles DIY die nostalgische Zärtlichkeit des Gesangs flankiert, wenn Lo-Fi zum High five ansetzt, dann wird der Pop vielleicht nicht neu erfunden, zumindest jedoch mit charmantem Augenzwinkern auseinandergenommen, nur um im Anschluss wieder windschief zusammengeschustert zu werden. Was Nicolai Kleinerman Koch unter dem Alias PRE-Be-UN mit viel Liebe zum Detail fabriziert, ist quergedachter, elektronisch-psychedelischer Pop, der das Amüsement nie aus dem Auge verliert. Das Debütalbum Clean Spasms gerät zum ab und an sogar schrillen, sommerlichen Budenzauber, taugt zur humorigen Ekstase. PRE-Be-UN klingt ob der wunderfeinen Melodien oftmals wie der kleine, mit Gameboy sozialisierte Bruder eines Stephin Merritt.

Pop ist zu lange schon kein Kindergeburtstag mehr. Er gönnt sich große Gefühle und flache Melodien, bleibt überwiegend bierernst, unterhält ohne Schalk. Dass Populärmusik hauptsächlich witzlos durch den Äther schallt, bleibt ein großes Rätsel. Und falls es dann doch mal unwahrhaftig zugeht, wird bestenfalls Brachialhumor ausgepackt. PRE-Be-UN gönnt sich den Luxus gewiefter Heiterkeit, spielerischen Experimentierens. Mysteriously In Love lässt den Womanizer schmunzeln („Julia called yesterday/ Just to say/ She’s impressed/ Claudette called/ Just to say/ She can’t wait/ To undress„), gibt sich bizarren Forderungen hin („Let’s make love/ Before you die„) oder vertieft sich in der Philosophie des Sein („All that we see or seem/ Is but a dream within a dream„). Musikalisch erinnert der Track an eine Mischkulanz aus The Magnetic Fields und Xiu Xiu. Nicht minder spleenig ist X-Ray Pop gestaltet. Geradezu juxig fällt der Refrain aus („Push, pull/ Empty, full/ You’re still ungoogleable/ No more painting/ Get a job/ At x-ray pop„), kontrastiert von einem lauschigen bis zappeligen Electro-Pop. Das gesamte Album hampelmannt permanent und hat zugleich ein Händchen für Akkorde, die sämtliche Glückshormone freistrampeln (Curious Conundrums). Die Zärtlichkeit zwischen den Pointen entzückt! Cat Cannot Canary brüllt förmlich Alliteration. Wenn PRE-Be-UN die sanften Geräusche der Insekten bei Nacht besingt, wird das wuselige Idyll perfekt. Generell verrät die Wahl der Worte ein lustvolles Spiel mit Sprache, ein Track wie Bicyclist will die Eingängigkeit eines fröhlichen Popliedchens mit Lyrics konterkarieren. Köstlicher Nonsens scheint hier mit vermeintlichen Chiffren belegt, dabei – so vermute ich – möchte sich Kleinerman Koch einfach nur genussvoll in das Wort Bicyclist verbeißen. Der Song erlaubt ein Mitträllern, ohne den Ballast jedweder gefühlsschwerer Botschaften. Diese Überwindung von Inhalten, vom Pathos des Sentiments, solch Neigung zu einem textlichen Flickenteppich ist in aller Konsequenz gelungen.

Was PRE-Be-UN erbastelt hat, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Der lakonische Spaß, den die Lyrics versprühen, die krude und doch stimmige Mixtur allerlei elektronischer Spielereien und letztlich die Fähigkeit zu knuffigen Hooklines, die doch oft die ersten Opfer überbordender Experimentierfreude sind, all das strotzt vor Hi-Fi in dieser Fete von einem Debüt. Wie ich den Track Milky Medicin auch drehe und wende, er tönt federleicht und melancholisch, exotisch flauschig, zugleich knifflig und pfiffig. Solch warmer Sound umarmt den Hörer. Clean Spasms darf man als smartes Album bezeichnen, welches schieres Vergnügen versprüht. Wer eine unorthodoxe Spielart des Pop ersehnt, wird bei dieser Platte fündig.

cleanspasms

Clean Spams erscheint am 19.08.2013 auf Tambourhinoceros.

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