Lauschrausch XXXV: Julia A. Noack

Es gibt immer einen triftigen Grund für Wut. Damit meine ich keine von Populisten geschürte Wut, die Ursache und Wirkung umdeutet, ich meine den von Unbehagen getriebenen Ärger, der gegenwärtige Missstände nicht einfach hinnehmen will. Wenn sich die Kraft der Emotion mit der Tugend der Vernunft zusammenschließt, ist man auf dem richtigen Weg. In der Kunst unserer Tage wird häufig das Scheitern persönlicher Lebensentwürfe thematisiert, werden Seelenleben röntgenisiert, bestenfalls noch die üblichen Feindbilder (Krieg, Nazis) angegangen. Gesellschaftskritik wird plakativen Provokateuren überlassen, deren Existenz als Enfants terribles immer nur einen Steinwurf von clownesker Attitüde entfernt scheint. Die Zeiten von Pink Floyds Animals oder den frühen Tocotronic scheinen lang, lang her. Vielleicht bin ich auch deshalb dankbar, wenn ich über ein Lied stolpere, das eine klare Ansage aufbieten kann. Die deutsche Singer-Songwriterin Julia A. Noack hat mit dem Track Everything Is Sexuality ein wuchtiges Statement formuliert, dass tief in eine gegenwärtige Wunde fühlt. Mit aggressivem Drama und wuchtigem Pop-Pathos vermögen Song und dazugehöriges Video überzeugend aufzurütteln. Das ist stark und weckt die Lust auf das im September erscheinende Album The Feast. Ich für meinen Teil finde es ja problematisch, dass auch im Indie-Bereich jeder elfenhaft wirkenden Sängerin nachgestellt wird. Es scheint, dass die Verpackung fast schon alles ist. Inhalte? Ha! Noacks Clip wirkt diesbezüglich erfrischend, anders, eignet sich auch deshalb bestens für einen Lauschrausch!

thefeast

The Feast erscheint am 13.09.2013 auf Timezone Records.

SomeVapourTrails

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