Bundesvision Song Contest 2013 – Eine Prognose

buvisoco2013

Wir haben dem Bundesvision Song Contest schon das eine oder andere Jahr Aufmerksamkeit gewidmet, weil wir es stets toll fanden, dass es dieser Wettbewerb auch unbekannten Bands erlaubt, im deutschen Fernsehen zur Primetime aufzutreten. Der BuViSoCo 2013 stellt freilich einen echten Tiefpunkt des Bewerbs dar. Selten war die musikalische Qualität so dürftig. Hier nun eine Einschätzung aller Teilnehmer, verbunden mit einer Erfolgsprognose. (Weitere Infos zu den einzelnen Acts findet ihr hier.)

Baden-WürttembergMax HerreFremde (feat. Sophie Hunger)

Max Herre ist natürlich die klare Nummer in diesem Jahr. Kein anderer Akteur kommt an die Reputation eines Max Herre heran. Sein Track Fremde ist weit davon entfernt, zu den Sahnestücken seines Schaffens zu zählen. Ohne Frage fällt er jedoch sehr solide aus und präsentiert sich fraglos als bester Titel des Abends. Das hört selbst ein Blinder ohne Krückstock. Platz 1 ist für Herre reserviert.

BayernCharly BravoDreckige Namen

Unterschichts-Disco-Pop, der mit aufreizend geträllerten Sätzen wie „Sag nicht du liebst mich, gib mir lieber dreckige Namen“ aufwartet. Wer es versaut mag und freiwillig RTL II guckt, wird diesem Schmarrn etwas abgewinnen können. Für das hintere Mittelfeld reicht es locker. Platz 11!

BerlinMC FittiFitti mitm Bart

Es gibt Musikvideos, die Trash als Stilmittel einsetzen. Wenn bei Trash jedoch nicht mehr der belustigende Aspekt greift, vielmehr Mitleid vorherrscht, dann ist die Chose komplett verbockt. Aber der Clip ist noch das geringste Problem des dauergrinsenden Rap-Clowns. Dass MC Fitti für Berlin startet, sagt viel über den Zustand der vermeintlichen deutschen Musikhauptstadt aus. Cooler Irrsinn ist aber stets eine sichere Bank, daher Platz 2.

BrandenburgKEULEJa Genau

Neue Deutsche Welle revisited. Auch wegen der textlichen Selbstironie eine der ein bisschen besseren Nummern dieses Jahrgangs. Das ist allerdings keine große Kunst. Man muss sich aber die Frage stellen, warum KEULE auf unlustige Brachialoptik setzen, anstatt einfach ihrer Musik zu vertrauen. Einer der hinteren Ränge ist gebongt, Platz 15 nämlich.

BremenDe fofftig PennsLöppt

Vergessen wir mal das 08/15-Video zu dem Lied. De fofftig Penns nennen sich selbst eine auf Platt rappende Elektro-Hip-Hop-Band und dieser Charakterisierung werden sie gerecht. Löppt klingt gut, pfiffig, nie um eine Idee verlegen. Ein Lichtblick also, auch wenn die Zuseher das leider nicht goutieren werden. So wird das Platz 14.

HamburgJohannes OerdingNichts geht mehr

Eine typische am Abgrund befindliche Verliererballade, die ein Rien-ne-va-plus in der Liebe nicht wahrhaben will. Emotionsgeladen, radiotauglich – aber letztlich Massenware von der Stange. Aber ein Tränendrücker schafft es in der Regel auf die vorderen Ränge. Daher Platz 5!

HessenSing Um Dein LebenUnter meiner Haut

Hier werden stereotype Castingshow-Sentimente breitgetreten. Die Stimmen des aus Teilnehmern von The Voice entstandenen Sangeskollektivs sind in Ordnung, musikalisch freilich ist das industriell gefertigtes Schmalz ohne Tiefgang. Ein Tralala ohne Wert, das reicht für das Mittelfeld: Platz 8.

Mecklenburg-VorpommernGuaia GuaiaTerrorist

Man wird Berufswünsche wohl noch äußern dürfen. Ein Lästermaul könnte nun einwerfen, dass Guaia Guaia mit ihrer Musik dem Berufsziel Terrorist ein ordentliches Stück näher gekommen sind. Ich jedoch meine, dass diese Nummer so schlecht nicht ausfällt. Platz 9 könnte es wohl werden.

NiedersachsenBosseSo oder so

Bosse wirkt oft ein Lied lang wie der beste deutsche Singer-Songwriter, einen Track später sagt er dann Hallo zur Durchschnittlichkeit. Das Lied So oder so reiht sich irgendwo dazwischen ein, ist nicht Fisch, nicht Fleisch. Ich habe trotz seiner breiten Fanbase Zweifel, dass er damit beim diesem Wettbewerb reüssieren kann. Platz 7.

Nordrhein-WestfalenPohlmannAtmen

Pohlmann zeichnet sich durch eigenschaftslose Musik aus. Er fabriziert Pop-Rock ohne das gewisse Etwas. Platz 6 erscheint unverdient, aber realistisch.

Rheinland-PfalzMega! Mega!Strobo

Nervensägen-Indie-Rock-Electro-Pop-Murks! Nachdrückliche Hektik soll Dynamik und Esprit vortäuschen. Höchstens für Hipster-Prolls interessant. Es reicht gerade noch zur Punktlandung auf Platz 10.

SaarlandDCVDNSEigentlich wollte Nate Dogg die Hook singen

Deutscher Rap ist in aller Regel wie eine Zahn-Op ohne Narkose. DCVDNS ist die krasse Ausnahme von der Regel. Seine Mordfantasien sind derart lächerlich, dass man an einer Überdosis Lachgas krepiert. Und man sollte sich als Hörer ein Schmunzeln unbedingt bewahren, würde man diesen Mist nämlich ernst nehmen, fiele man ohnehin vom Glauben an Musik ab. Die vermaledeiten Zuseher werden es lieben. Platz 3!

SachsenThe Toten Crackhuren im KofferraumIch brauche keine Wohnung

Eine weitere Peinlichkeit ist der Gören-Electro-Pop von The T.C.H.I.K., dem man nicht ohne Verlust von ungezählten Hirnzellen lauschen kann. Die versnobten, aufgedrehten Protagonistinnen sind eine echte Rufschädigung für den Stand der Crackhuren. Zum Heulen! Auch wegen Platz 4.

Sachsen-AnhaltAdolarHalleluja

Es gibt ihn noch, smarten und zackigen deutschsprachigen Indie-Rock. Adolar sind eine veritables Highlight für Zeitgenossen mit Geschmack. Dennoch schwant mir Böses, es wird Platz 12.

Schleswig-HolsteinLuna SimaoEs geht bis zu den Wolken

Luna Simao übt sich in souligem Sixties-Pop. Dagegen spricht wenig, dafür jedoch auch kaum etwas. Talent ist vorhanden, das Songwriting allerdings zeigt sich mager. Das wird das Publikum ähnlich sehen. Platz 13!

ThüringenHannes Kinder & BandDéjà-vu

Langweilig ist das einzige, was mir zu diesem Lied einfällt. Déjà-vu verhungert auf dem Weg zum Ohr. Es setzt sich nicht fest, ist schon vergessen, noch ehe es zu Ende ist. So wird die Band den 16. und letzten Platz belegen.

 

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Bundesvision Song Contest 2013 – Eine Prognose

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.