Antenne-Hitradio-Energy-FM, übernehmen Sie! – Baru

Ich bin vom Glauben abgefallen. Vom Glauben an das Radio nämlich. Es besteht nur noch aus Hintergrundtralala und Geschnatter. Es hat seine Unmittelbarkeit verloren, das Live-Flair. Längst scheint es überwiegend aus der Konserve gesendet, versetzt mit Nachrichten und Verkehrsfunk. Damit meine ich nicht die wenigen Anspruchssender voller Herzblut, vielmehr die eigentlich hörerstarken Formatradios, welche nur noch langweilig und austauschbar sind. Ich würde mir auch bei den großen Stationen wünschen, dass sie neue Bands ins Programm einstreuen – und zwar nicht nur solche, die von einem großen Label gerade gepusht werden. Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, dass die aus Sachsen stammende Band Baru auch bei Hörern, die sich nun nicht der musikalischen Hochkultur verpflichtet fühlen, auf Wohlwollen stößt. Das demnächst erscheinende Debüt Sailors Of The City überzeugt als hochgradig melodischer Pop mit einer kleinen Prise Indie und einer wavigen Note. Man möge mich jetzt bitte nicht falsch verstehen, wenn ich Baru in das 081/15-Radio hineinreklamiere. Das hat nichts damit zu tun, dass die Formation flach oder kitschig wäre. Die Band versteht sich einfach auf den Brückenschlag zwischen Mainstream und Indie.

Sailors Of The City rührt das Herz, ist warm und eingängig, inbrünstig im Gesang, perfekt produziert. Manch Songs haben einen zappeligen Indie-Touch, andere wieder zielen auf ein üppiges Schwelgen ab. Daraus ergibt sich ein munteres Album, dass Banausen wie Kenner um den Finger zu wickeln vermag. Wenn es denn trotz Veröffentlichungswusts die kritische Masse an Hörern findet! Bereits der Beginn der Scheibe fällt stark aus. Train Leaves Town prescht dynamisch vorwärts, ist perfekter Pop inklusive Gefühigkeit („I try to remember these eyes, I’ve loved last night/ But I’ve just carried them with me for one day.„). Take A Look geht so gar noch weiter, für solch einen Track würden 99% der Bands von der Insel über Leichen gehen. Die Band schafft es, eine Spannung zum Refrain hin zu erzeugen, jedweden Song auf einen Höhepunkt hin zu timen. Das ist kein neues Patentrezept, aber es braucht halt das richtige Händchen dafür. Baru wissen ihre Songs in Szene setzen, so auch die Single Repair. So hört sich flockige Wohlfühlmusik, die sich nicht rasch abnützt. Nicht minder gelungen fallen My Innocent Colour und Breath In Control aus, vor allem letzteres ist eine fanfarische Hymne. Barus Lyrics sind vielleicht mitunter ein wenig ungelenk, beherbergen keine poetischen Finessen, der Vortrag jedoch macht diese kleine Schwäche mehr als wett. Blindrunners etwa, das eigentliche Highlight der Platte, entpuppt sich als wuchtiges, Ekstase verursachendes Sahnestück.

Ich zähle mich nicht zu denen, die beim Gedanken an Chartsmusik Magengeschwüre bekommen. Denn eine flotte, massenkompatible Scheibe muss man erst einmal hinbekommen. Einprägsame Harmonien zaubert man nicht einfach so aus dem Hut. Früher konnte ich einfach das Radio einschalten und wurde mit unvergänglichen Melodien belohnt. Heute hört man meist nur noch gestrige Hits, neuere Songs sind fast nur noch Pathos, Kitsch und Glitter nach Schema F. Auch darum würde ich mir Baru auf vielen Radiowellen der Republik wünschen, als Vertreter intelligenten wie eingängigen Pops. Sailors Of The City hat fraglos das Potential zum Erfolg. Jetzt muss er sich nur noch einstellen. Also: Antenne-Hitradio-Energy-FM, übernehmen Sie!

sailorsofthecity

Sailors Of The City erscheint am 25.10.2013.

Konzerttermine:

22.11.2013 Dresden – Ostpol
04.12.2013 Düsseldorf – Zakk
05.12.2013 Hamburg – Knust
06.12.2013 Dortmund – FZW
07.12.2013 Bremen – Tower
08.12.2013 Berlin – Postbahnhof
10.12.2013 Hannover – Lux
11.12.2013 München – Backstage
12.12.2013 Stuttgart – Keller Klub
13.12.2013 Wiesbaden – Schlachthof
15.12.2013 Köln – Gebäude 9

Links:

Offizielle Homepage

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