Lauschrausch XL: Aniara

Pomp besteht nicht zwangsläufig aus Angeberei. Pomp kann durchaus dezent ausfallen, wenn man ihn nobel andeutet. Pomp muss wirklich nicht dümmlich-aufgeblasen wirken, nur damit auch der heftigste Proll noch den Wink mit dem Zaunpfahl begreift. Pomp braucht sich auch nicht in verschwenderischer Opulenz manifestieren, er kann sich eine Rätselhaftigkeit bewahren, indem er Fülle anklingen lässt. Die Erotik des Pomps äußert sich darin, dass er im Auge des Betrachters, im Ohr des Hörers an Größe gewinnt. Im Falle der schwedischen Band Aniara kann ich diese These gut festpinnen. Der Song Hiding From Your Fate entwickelt dank Trompete, Streichern und elegant ausstaffiertem Rhythmus eine barocke Note, und dennoch bleibt dieser Pop auch hintergründig, fährt keine schweren Geschütze auf, ersäuft nie in der Melodie. Eva-Maria vom wunderbaren Polarblog spricht gar von einem „schwelgerischen Sahnestückchen“. Aber diese Süße entwickelt sich eben allmählich. Hier wird nicht penetrant verklärt und verkitscht. Es bleibt bei zarten Anklängen und Andeutungen, denen der Hörer gerne auf den Leim geht. Vom Potential her könnte Hiding From Your Fate manch Platte berühmter Bands zieren, Snow Patrol oder sogar Coldplay kämen mir da in den Sinn. Aber vielleicht ist dieser Song einfach auch deshalb so groß, weil ihn Aniara nicht mit himmelhochjauchzenden Pauken und Trompeten versehen. So erwächst er zu einem ganz edlen Lauschrausch, an welchem man sich nicht sattzuhören vermag. (Hiding From Your Fate ist in obigem SoundCloud-Widget als kostenloser Download erhältlich.)

Två_cover

Die EP Två ist am 20.04.2013 erschienen.

SomeVapourTrails

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