Stippvisite 09/10/2013 (Meine Strategie zur Erlangung der Weltherrschaft)

Die Welt wäre eine bessere, wenn mehr Menschen meinem geschmacklichen Beispiel folgen würden. Und natürlich frage ich mich, warum ich meine musikalischen Vorlieben nicht besser zu transportieren verstehe. Ein Blick in die Nachrichten des Tages hat mir gestern die Augen geöffnet. Denn ein Fünftel der Deutschen und Österreicher ist nur mit minimalen Lesekompetenzen ausgestattet, wie eine OECD-Studie besagt. Da wundert es mich kaum, dass unser textlastiger Musikblog nicht mehr Fans findet. Ich für meinen Teil werde daraus natürlich sofortige Konsequenzen ziehen und diesmal ganz langsam und schlicht schreiben. Man will ja niemanden unnötig verschrecken. Vielleicht klappt es ja so mit der Weltherrschaft meines Geschmacks!

Herzattackentipp:

Man wird älter – und morbid. Kramt Erinnerungen hervor, flüchtet sich in lange vergangene Dekaden. Begreift den Wandel der Zeiten, fühlt die Midlife-Crisis in den Knochen stecken. Die Ängste und Sorgen werden andere, da verkündet dubioses Herzklopfen nicht länger Liebesgefühle. Der amerikanische Singer-Songwriter Mark Kozelek, einer der chronisch unterschätzten Meister seiner Zunft, beschreibt all dies in seinem neuen Song Richard Ramirez Died Today of Natural Causes. Es ist ein Gedankenstrom aus Kleinigkeiten und Erkenntnissen, aus welchen Kozelek unter seinem Alias Sun Kil Moon dann das Damoklesschwert eines vorzeitigen Todes schmiedet. Dieser mächtige, Unbehagen forcierende Track bietet einen ersten Vorgeschmack auf das für Februar nächsten Jahres angekündigte Album Benji. Es dürfte wirklich groß werden! (Auf Pitchfork gibt es den Titel als Stream.)

Konzerttipp:

Paul-Armfield-press-pic-4
Photo Credit: Ali Armfield

Talent allein ist nichts, harte Arbeit dagegen alles. Das wollen uns die Leistungsfanatiker eintrichtern. Aber manchmal reicht beispielsweise einfach nur eine tiefe, von Sanftmut getragene Stimme, um den Hörer in Begeisterung zu versetzen. Im Falle des britischen Singer-Songwriters Paul Armfield scheint der gesangliche Ausdruck Emotionen aus dem Handgelenk zu schütteln, als wäre solch Gesang eine Selbstverständlichkeit. Das nenne ich eine Gabe! Dass zu dieser begnadeten Stimme natürlich auch ein starkes Handwerk dazugehört, steht freilich außer Frage. Armfields Track Speed Of Clouds ist in seiner luftigen Betrachtung durchaus in der Tradition britischer Troubadoure und des französischen Chansons angesiedelt. Das tönt edel, besinnlich und samt. Wer nun Lust bekommen hat, der sei auf das Album Up Here hingewiesen – und natürlich auf die anstehenden Deutschlandtermine. Armfields wunderbare Stimme wird sicher auf live zu begeistern wissen. (via Schallgrenzen)

Konzerttermine:

11.10.2013 Bielefeld – Falkendom
12.10.2013 Bugewitz – Kulturverein Weitblick
13.10.2013 Hoppegarten – Haus der Generationen
14.10.2013 Dresden – Dreikönigskirche
15.10.2013 Hannover – Cafe Glocksee
16.10.2013 Magdeburg – Weinladen
18.10.2013 Berlin – Kegelbahn
19.10.2013 Gera – Clubzentrum Comma
20.10.2013 Montabaur – Atelier Kunst und Therapie
22.10.2013 Tübingen – Arsenal Kino
23.10.2013 Stuttgart – Cafe Galao
24.10.2013 Köln – King Georg
25.10.2013 Münster – CD Forum
28.10.2013 Zürich (CH) – El Lokal
29.10.2013 Wetzlar – Franzis
30.10.2013 Hamburg Hasenschaukel
31.10.2013 Kiel – Hansa 48
15.11.2013 Wien (AT) – Bluebird Festival

Klischeetipp:

Man sollte Klischees nicht generell schmähen, sie leisten auch viel zur Völkerverständigung. Wenn eine Französin in englischer Sprache säuselt, wäre man doch arg enttäuscht, wenn dieser Akzent nicht ein wenig süß in den Ohren schmilzt. Im Falle der in Berlin lebenden Französin Freschard ist ein spröder, nie übertrieben mädchenhafter Charme zu konstatieren. Der chansonesque Folk-Pop des Album Boom Biddy Boom fällt angenehm spärlich aus, verzichtet dabei nicht auf eine Prise Lieblichkeit, zeigt sich auch mal betrübt. Hightlights dieser kleinen, feinen Platte sind der kecke Titeltrack Boom Biddy Boom, das sympathisch instrumentierte Hedgehog sowie das mit Träne im Augenwinkel dargebotene Where Did You Go. Vive la Klischee, oder so. (gefunden auf das klienicum)

Entdeckertipp:

Jonathan Clancy wurde im kanadischen Ottawa geboren und wuchs als Kind zwischen Kanada und Italien tingelnd heran. Nun macht er sich von Bologna aus auf, unter dem wohl mit Augenzwinkern zu verstehenden Namen His Clancyness die Musikwelt zu erobern. Dabei scheint ein Plattendeal mit dem renommierten Indie-Label FatCat Records keineswegs von Nachteil zu sein. Auf dem am 11.10.2013 erscheinenden Album Vicious gibt es mit dem Track Progress eine schöne melodische Indie-Pop-Nummer mit einem für solch Genre eher untypischen, ausladenden Instrumentalteil zu bewundern. Dieser Track zündet allerdings nicht sofort, er benötigt zwei oder drei Anläufe, um sich im Ohr festzusetzen. Dann aber versteht man, warum man sich His Clancyness unbedingt hinter die Ohren schreiben sollte. Diese Entdeckung lohnt! Sehr sogar. (via Nicorola)

Das soll es für heute wieder einmal gewesen sein. Demnächst mehr!

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.