Demnächst wieder in jeder Provinzstadt – Empire Escape

Bei Lebensmitteln hat sich Globalisierung hin, internationaler Handel her bereits in vielen Köpfen die Erkenntnis durchgesetzt, dass man das Augenmerk möglichst auf regionale Produkte legen sollte. Aber in den Weiten Deutschlands wachsen nun einmal leider keine Kiwis, gedeiht kein Reis. In der Musik war der Fan immer schon gewillt, Local Heroes zu unterstützen, Bands zum Anfassen, die man auch mal live genießen konnte. Oft sind aber solch Formationen Abziehbilder großer Bands, jedoch ohne deren musikalische Strahlkraft. Musiker aus der Provinz sind eben nicht so famos, wie die angesagten Acts aus den Hotspots der Welt. Hierzulande hat nur Berlin das Potential zur Musikmetropole, zum Schlaraffenland, wo das gedeiht, was im Rest der Republik exotisch anmutet, wo Ananas und Avocados nur so von den Bäumen rasseln. Aber Berlin rastet sich oft auf dem Potential aus, auch wenn es keine Früchte trägt. Im Falle der in Berlin ansässigen Formation Empire Escape darf man freilich ihrem Debüt Colours attestieren, dass hier eine Band sehr nach angesagten Indie-Acts von der Insel klingt.

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Empire Escape sind keine blutigen Anfänger, vielmehr aus der Band Ikaria hervorgegangen. Das merkt man dem Album Colours auch an, ob Songwriting oder Produktion, es ist alles verdammt routiniert. Zugleich haben Empire Escape genügend Charisma und Ideen, um nicht in schiere Nachahmung zu verfallen. Ihr Indie-Rock funkelt dunkel, Hendrik Schäfer trägt eine angenehme Lethargie in der Stimme, so manch Song ringt sich hymnische Energie ab. Alles ist prima und nichts verkehrt. Ein großes Plus der Band ist – wie bereits eingangs angedeutet – die Verwurzeltheit in deutschen Gefilden, das Touren durch die mittelgroßen Städte Deutschlands, die von Editors, White Lies und ähnlichen Acts zwangsläufig ignoriert werden. Empire Escape haben das Zeug, Stars der Provinz zu werden, Karlsruhe, Aachen, Jena und Wolfsburg zu begeistern. Das meine ich keinesfalls abschätzig. Ich würde den Mannen nämlich durchaus zutrauen, sich auch in Großbritannien durchzusetzen. Aber noch ist Berlin halt nicht London oder Manchester.

Als ein Highlight der Platte sticht der Track The Chemistry of Colours ins Auge, dessen abgebrühter und lässig gehaltener Refrain zum Mitträllern einlädt („The chemistry of colours/ Gives consequence to the world./ Form follows content./ Sing on, sing on, sing on„). So sieht ein durch und durch runder musikalischer Moment aus! Ebenfalls mitreißend fällt Divine aus, es leitet den famosen Mittelteil des Albums ein. The Past Is A Strange Place etwa ist nach Seemannsgarnmanier gestrickt, gelingt als intimster, aus Reflektion Erhabenheit schöpfender Song. Hier wird einmal mit der zugegeben imponierenden Nonchalance gebrochen, ehe Lightships im Gitarrenflitter nach vorn prescht. Schäfers Gesang ist angenehm neben der Spur, mit einer Schlampigkeit, die jedwede Inbrunst abmildert, versehen. Wo strebernde Nachahmer gern 110 Prozent Pathos versprühen, wird bei Colours mit einer Portion nickeliger Nachlässigkeit aufgetrumpft. Vom Songwriting her besticht der übrigens auch schöne Titel New York Movie, es gerät ohne Wenn und Aber zum absoluten Höhepunkt. Mit der wavigen Ballade There Will Be Blood, die sich im Verlauf mit Emotion vollsaugt und hochpusht, sei ein weiteres Song unbedingt angepriesen.

Wenn ich vorher davon gesprochen, dass Empire Escape das Zeug dazu besitzen, die deutsche Provinz zu erobern, dann habe ich dies nie und nimmer als vergiftetes Lob gemeint. Colours wirkt als Scheibe internationaler Güte, stammt aber eben von einer Formation, die von Deutschland aus die Musikwelt um den Finger wickeln möchte. Und Hand aufs Herz, Berlin ist musikalisch nicht so sexy, wie es gerne wäre. Zumindest nicht für Acts, die noch auf den verdienten Durchbruch warten. Und selbiger wäre Empire Escape sehr zu wünschen.

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Colours ist am 13.09.2013 auf VelocitySounds Rec. erschienen.

Konzerttermine:

23.10.2013 Weißenhäuser Strand – Rolling Stone Weekender
01.02.2014 Dresden – Ostpol
04.02.2014 Wien (A) – B72
05.02.2014 Graz (A) – Postgarage
06.02.2014 München – Milla Club
10.02.2014 Innsbruck (A) – Weekender
11.02.2014 Reutlingen – franz.K
12.02.2014 Stuttgart – Café Galao
13.02.2014 Nürnberg – Club Stereo
14.02.2014 Saarbrücken – sparte4
15.02.2014 Karlsruhe – KOHI
16.02.2014 Köln – Tsunami Club
13.03.2014 Hagen – Pelmke Noir
15.03.2014 Aachen – AZ
21.03.2014 Jena – Kassablanca
22.03.2014 Wolfsburg – Sauna Klub

Links:

Offizielle Homepage

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