Echo der Hundstage – Dråpe

Wenn der Herbst in nebligen Untiefen und Trübsinnigkeit versinkt, dann schlägt die Stunde, in der die Genres Shoegaze und Dream-Pop besondere Wirkung entfalten. Denn diese schwer abzugrenden Musikrichtungen sind in ihrer Leidenschaftlichkeit stets ein probates Gegenmittel gegen überbordende Tristesse gewesen. Die norwegische Formation Dråpe hat sich mit ihrem Album Canicular Days ganz und gar den Hundstagen verschrieben. Und tatsächlich wirft ein Song wie Blue Skies ein Echo aus den vermeintlich strahlenden Tagen des Sommers zurück. Die Sängerin Hanne Solem Olsen spielt auf der Klaviatur der Betrübtheit („Close my eyes pretend you’re really here/ I know you’re not, I just gotta get through this day„), während Bass und Gitarre geradezu trotzigen, hellen Optimismus versprühen. Verklärung und Pein, wie sie Pop zu leisten imstande sind, wird von einer Portion Post-Rock-Wildheit flankiert, daraus resultiert eine besonders edle Shoegaze-Hymne. Dem Album liegt ein gewisser Erlebniswunsch in der Seele, es beschwört den vergangenen Sommer – und das was hätte sein können – inbrünstig. Memories ist ein weiteres, im Sound eingängiges Highlight der Platte. Hike wiederum wechselt zwischen Spurt und gebremster Fahrt, kramt in den Aufregungen der Erinnerung. Berg und Tal, immer wieder. All die Ausflüge in die Abenteuerlust einer Jugendlichkeit, in ein leidenschaftlich lärmiges Fühlen, lassen Canicular Days hell strahlen. Wie die flirrende Gitarren-Grandezza auf I Wanted You To Stay eine Sehnsucht nach und nach verblassen lässt, sorgt einmal mehr für die bestens drapierte Wolke am lichtdurchfluteten Firmament.

Canicular Days ist keineswegs ein Wonnealbum, vielmehr sehr oft in Träumereien und Begierden verstrickt. Es hat sich ja per Plattentitel eben jenen Hundstagen verschrieben, die ob ihrer Hitze durchaus die Sinne dampfen lassen. Dråpe ist mit dem Debüt ein Werk gelungen, welches mindestens bis zum nächsten Juli anhält, bis dahin viel Licht und Schatten spendet.

caniculardays

Canicular Days ist am 08.11.2013 auf Trickser erschienen.

Links:

Dråpe auf Facebook

Dråpe auf tumblr.

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.