Ihnen gehört die Zukunft! – 4 Guys From The Future

So richtig komme ich der dänischen Band 4 Guys From The Future nicht auf die Schliche. Das liegt weniger daran, dass sie auf ihrem Album Adagio falsche Fährten legen, eher schon im Umstand begründet, dass die Herren einen etwaigen Masterplan nicht ganz gebacken bekommen. Adagio ist als Platte nicht viel mehr als ein Haufen Stückwerk. Mal erinnert die Musik an Radiohead von vor 15 Jahren, dann wieder sind Melodeien im Stile der Beatles vorherrschend, oft geht es zu den Anfängen des Britpop und noch weiter in die Ästhetik der Achtziger zurück. Gepaart mit einem gewissen skandinavischen Touch entsteht daraus ein inkohärentes Werk, das jedoch mit einigen tollen Songs ungemein imponiert. Die Formation, die aus der einst als vielversprechende Newcomer geschätzten Band Lily Electric hervorgegangen ist, hat mit Sänger und Songschreiber Bjarke Porsmose ein echtes As im Talon. Er bietet wohl nicht die beste Stimme auf, aber in der subtilen Intensität des Ausdrucks, in der charismatischen Präsenz wird das Naturtalent überdeutlich.

Mit dem eine kaum beleuchtende Gassen entlangschlendernden You Don’t Know What You’re Doing wird bereits eingangs eine Duftmarke der Platte gesetzt. Dieses Lied ähnelt dem lethargischen Gang durch eine Jammertal, die vorherrschende Emotion scheint Depression. Mit Nothing To Say steigert sich die Larmoyanz des Gesangs, wenngleich es musikalisch lebendiger zugeht. Den Refrain vielleicht ausgenommen fühlt man sich auch ein wenig an The Smiths erinnert. Wenn sich Porsmose kränkliche Blässe aufmalt, wirkt das nämlich nie zu dick aufgetragen. B.T.G.T.K. No Poem hat meiner Meinung nach so manch Bedrücktheit von Radioheads OK Computer geborgt, doch soll es schlechtere Vorbilder für das eigene Karma geben. Skin On Fire bietet quicklebendigen, teils verspielten Indie-Pop-Rock, gerät durch seine Eingängigkeit vielleicht zum für Airplay geeignetesten Track. So wie auch Skin On Fire dem bisherigen Verlauf der Platte fast schon trotzt, derart hat das folgende Corruption erneut einen Bruch zu bieten. Aus einem deftigen Noise-Rock-Intro entsteht eine mit Pathos vorgetragene und salvenhaft ausgespuckte Drohkulisse, die – obwohl ansprechend – in dieser Radikalität auf Adagio irrlichtert. No Morning Comes sehnt und romantisiert, glänzt nobel getragen, ist wohl nicht die augenscheinlichste Nummer dieses Werks, vielleicht aber die beste. Sie verkörpert den fahlen Reiz des Albums, kitzelt die Intention heraus. Gegen Ende hin wird mit Signposts nochmals eine dröge Hommage an The Beatles vom Stapel gelassen, das gerät reichlich deplatziert, bestenfalls aber öde.

Adagio mag in seiner Gesamtheit nicht immer überzeugen, Lieder wie Nothing To Say und No Morning Comes sollte man sich dennoch unbedingt anhören. Bei genannten Stücken reiht sich Porsmose in die erste Garde der Sänger und Songwriter ein. Warum sich Lily Electric zu dem eher albernen Bandnamen 4 Guys From The Future umfirmiert haben, vermag ich nicht zu sagen. Dass dieser Formation durchaus die Zukunft gehören kann, daran will ich freilich gerne glauben.

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Adagio ist am 28.10.2013 auf Tambourhinoceros erschienen.

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