Nicht länger Held des öffentlichen Nahverkehrs – Jaakko Eino Kalevi

Laut Pressetext arbeitet der Finne Jaakko Eino Kalevi als Teilzeit-Tramfahrer in Helsinki. In der übrigen Zeit geht er seiner Bestimmung als Musiker nach. Ist es nicht bezeichnend, dass bei Künstlern jedweder Brotberuf automatisch als Hindernis der Entfaltung überbetont wird? Jegliches künstlerisches Selbstverständnis giert nach Umarmung der Berufung, und auch die Gesellschaft zweifelt nicht daran. Ein Musiker darf sich nicht halbtags als Wünschelrutengänger oder Hundefriseur verdingen, nein, er soll seine Kunst ganz und gar leben. Ich wage nicht zu beurteilen, was Jaakko Eino Kalevi besser kann. Wenn er allerdings so mit der Straßenbahn durch Helsinki kurvt, wie er musiziert, dann werden die Fahrgäste das entspannte Grinsen in ihren Gesichtern ihren Lebtag nicht mehr los. Die Ende November erscheinende EP Dreamzone bietet psychedelischen Pop mit allerlei Einsprengseln. Es ist ein wunderbar abgefahrener, losgelöst spaciger Sound voll funky Schönheit. Alle 4 Songs haben eine sympathische Aura, die man sofort aufsaugt. Jede Idee wirkt locker aus der Hosentasche gekramt und dem Hörer mit verschmitzten Lächeln dargeboten. No End etwa wird vom Pressetext wie folgt beschrieben: „No End, a duet with Helsinki vocalist Suad Khalifa, is an opiated love song tethered to a dubby groove, its cantering rhythm splashed with sax and an unforgettable keyboard solo.„. Und ja, dieser Beschreibung kann ich nur zustimmen. Allerdings wäre es völlig ungerecht, die anderen Tracks unter den Tisch fallen zu lassen. Der funkige Groove, die relaxten Vibes durchziehen die gesamt EP. Memories und Uu uu uu sind Traumtänzernummern mit Retro-Flair. Man wird süchtig, das Bewusstsein erweitert sich, die Welt gerät ins Schweben, Farben flutschen durchs Gemüt. When You Walk Through Them All brilliert mit seinem hypnotischen, anbetungswürdigen Flow.

Die gewitze Selbstverständlichkeit, mit welcher uns der Finne Dreamzone kredenzt, macht deutlich, dass hier kein Held des öffentlichen Nahverkehrs feierabends aus Jux und Tollerei in die Tasten seines Bontempi greift. Jaakko Eino Kalevi verblüfft mit einem ausgereiften Sound, der sich nicht in Genres einordnet, vielmehr einen ureigenen Stil ausdrückt. Hier trifft die Zielstrebigkeit des Singer-Songwriters auf den die Magie eines Klangtüftler. Alles ist leicht und im Fluss, kein Track dümpelt einfach so vor sich hin. Diese EP stellt sich somit als absoluter Glücksfall, als Ausbund an Talent dar. Man darf sich also bereits jetzt auf das für 2014 angekündigte Album freuen. Spätestens dann wird der Musiker sein ehrenwertes Tramfahrerdasein an den Nagel hängen dürfen. Und selten war eine Berufsentscheidung schlüssiger!

dreamzone_cover

Dreamzone erscheint am 29.11.2013 auf Weird World Record Co erschienen.

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