Kanadische Hoffnungsträger auf Deutschlandtour – The Belle Game

BelleGame-High-Res

Die aus dem kanadischen Vancouver stammende Formation The Belle Game ist mir vor einigen Monaten schon positiv aufgefallen, anlässlich der dieser Tage anstehenden Deutschlandkonzerte der Band sei nochmals auf diese Mischung aus Indie-Rock mit Schmackes und angedunkeltem, melodischem Pop verwiesen. Das im Frühjahr veröffentlichtes Debütalbum Ritual Tradition Habit wurde von Exclaim!, dem führenden kanadischen Musikmagazin, mit Lob bedacht, The Belle Game zu einer der vielversprechendsten Bands Kanadas gekürt. Und solch Lob kommt nicht von ungefähr! Die Formation vermag die beseelte Stimme von Andrea Lo großartig in Szene zu setzen. Ohne gesanglich exaltiert zu wirken, wird hier an Inbrunst und Ausdruck wirkliche nie gespart.

Es gibt Erstlingswerke, auf die die Welt geradezu gewartet hat. Und es gibt Debüts, die vergessenswert tönen. Ritual Tradition Habit hat in Sachen Songwriting zwar durchaus Luft nach oben, nicht jeder Song kommt mit einer erinnerungswürdigen Hookline daher, zugleich bin ich aber beeindruckt, dass The Belle Game bereits einen eigenen markanten Sound für sich reklamieren können. Wenn Sound, Gesang und Harmonien auf einer Wellenlänge schwimmen, kommen dabei ganz starke Songs wie Wait Up For You oder Keeps Me Up At Night heraus. Ersteres wurde von Exclaim als „indie-rock at its best“ beschrieben. In der Tat ist die Eingängigkeit beeindruckend. Wie Tempowechsel und schrammelnde Gitarren den Song abwechslungsreich gestalten, Sprungbrett für das Rockröhrige in Los Stimme sind, das vermag zu gefallen. Keeps Me Up At Night wiederum liegt eine hintergründige Passion auf der Zunge, dazu gesellen sich noch fernöstliche Harmonien – und voilà, fertig ist eine wunderbar hintergründige Nummer, die mit jeder Hördurchlauf mehr enthusiasmiert. Es sind solch Momente, in denen man die Band mit Komplimenten überhäufen möchte. Nicht minder nachdrücklich erschallt River, ein Song, der bei aller Intensität nie die Contenance verliert, ganz auf die Eindringlichkeit der erzählerischen Kraft Andreas Los vertraut („There’s a place that I found/ Full of sins that you’ve drowned/ I’ll be your river/ I’ve been your river since we were kids.„). Wenn ein Lied einmal ein weniger gesetzter scheint, fast in balladige Gefilde abgleitet, wird ganz fein dahingeschmachtet. In Secrets gerät vielleicht nicht zur tollsten Nummer, aber die kontrollierte Schwülstigkeit des Gesangs verfehlt die Wirkung nicht. Der Anspruch der Formation wird auf ihrer Bandcamp so formuliert: „The Belle Game take intricate guitar and keyboard lines, anchored by dark pop rhythms, and weave them into gorgeous, graceful melodies. . . the end result still retaining the rawness of a boozy confessional.“. Nun mag ich das Element einer besoffenen Beichte in diesem Album zwar nicht widerfinden, sehr wohl bemerke ich, wie durchaus raue, dunkle Klänge immer wieder in einer Lieblichkeit aufgehen, das Herz rühren. Bruises To Ash beispielsweise strahlt Trübsal und Hoffnungsschwere aus, räkelt sich ein wenig desperat. Blame Fiction dagegen ist so unruhig wie anziehend, düster und im eiernden Refrain faszinierend impulsiv.

Es gäbe noch einiges über The Belle Game zu sagen. Etwa dass die Band nicht nur gute Musik macht, sondern sehr sehenswerte Musikvideos fabriziert. Wir reden hier nicht von verwackelten DIY-Clips, weit gefehlt! Die Gruppe aus Vancouver macht wirklich alles richtig, wie das Debüt Ritual Tradition Habit bestens belegt. Darum wird mir auch nicht bange, dass die Band live eine Enttäuschung sein könnte. Und deshalb rate ich den werten Lesern dazu, sich zu einem der drei Termine in Deutschland zu begeben. Wer eine aufstrebende und doch bereits ausgepuffte Band erleben möchte, wer sich nach einer gestandenen Frontfrau sehnt, ist bei The Belle Game auf alle Fälle an der richtigen Adresse.

ritualtraditionhabit

Ritual Tradition Habit ist am 16.04.2013 auf Boompa Records erschienen.

Konzerttermine:

03.12.2013 Berlin – Antje Öklesund
04.12.2013 Weinheim – Café Central
05.12.2013 Freiburg – The Great Räng Teng Teng

Links:

Offizielle Homepage

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SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Kanadische Hoffnungsträger auf Deutschlandtour – The Belle Game

  1. Danke für den Tipp! Er hat mir mehrere begeisterte Umarmungen beschert, neben dem exzellenten Musikerlebnis. 🙂 Auf Deine Empfehlung hin habe ich mich tatsächlich ins knapp 40 Kilometer entfernte Weinheim aufgemacht, um The Belle Game zu sehen und zu hören. Leider hielt sich der Publikumszuspruch sehr in Grenzen, höchstens 20 Besucher. Was die Kanadier nicht davon abgehalten hat, leidenschaftlich aufzuspielen und mit intelligenten und sehr tanzbaren Tönen zu überzeugen. Natürlich musste ich Solidarität mit der Band beim deren zweiten Auftritt in Deutschland beweisen, und habe mich im recht leeren kleinen Saal demonstrativ nach vorne gestellt. Und selbstverständlich habe ich mich danach bei der Sängerin fürs Konzert bedankt. Woraufhin sie mir mehrfach begeistert um den Hals fiel und wir uns gegenseitig liebhatten. Ich glaube, ich muss mal nach Vancouver! Wenn die Leute dort alle so sympathisch sind! 😉

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