Unsere 10 Lieblingsalben 2013

Während der Feiertage lässt sich das Musikjahr 2013 gut Revue passieren, ich persönlich halte nämlich nichts davon, schon Anfang November mit der Flinte herumzufuchteln und das Fell des Bären zu verteilen, noch ehe er erlegt wurde. Ende Dezember sieht die Chose jedoch anders aus. Das Jahr neigt sich dem Ende zu und jede gottverdammte Neuerscheinung ist mittlerweile gehört und einem Urteil unterworfen worden. Außer geschätzten 100 Platten, die sich noch in meinem CD-Regal stapeln. Da sind vermutlich wahre Schätze dabei, Juwel und Diamanten freilich, die erst 2014 nach und nach ausgebuddelt werden. Das schöne an der Flut von Musik ist ja, dass man immer Perlen findet, deren Glanz ganz und gar erfreut. Die gehörten Platten haben Freude ohne Ende beschert. Und vielleicht entdecke ich in den nächsten Monaten noch das eine oder andere Werk, dessen Lüster noch ein wenig heller strahlt. Es soll nicht Schlimmeres passieren, für den Moment jedoch habe ich meinen Frieden mit einem wunderbaren Musikjahr geschlossen. Ich finde es ja immer ein wenig pampig, wenn Menschen die Erscheinungen eines Jahres mit einem lässigen „durchschnittlich“ abtun. Wer in den zehntausenden Alben, die 2013 erschienen sind, keine Freude findet, weiß entweder nicht zu suchen oder vermag das Herz nicht zu öffnen. Die liebste Co-Bloggerin und meine Wenigkeit haben uns in diesem Jahr vorwiegend von alten Bekannten betören lassen. Auch wenn wir die Indie-Attitüde nicht verbergen wollen, hat es oftmals durchaus einen Grund, warum Musiker oder Band nicht nur eine Handvoll Likes auf Facebook haben. Das Obskure ist genausowenig Qualitätssiegel wie der Charts-Erfolg. Wir haben uns also auf eine Liste von Lieblingsalben verständigt, die unserer Lebenswirklichkeit entspricht. Wir sind noch nicht alt und verknöchert genug, um aus dem Ledersofa zu dozieren und jede aktuelle Band gleich an den Urvätern von Pop und Rock zu messen. Wir sind aber auch keine blauäugigen Mittzwanziger mehr, die da meinen, dass Musik ein evolutionärer Prozess ist und gegenwärtige Klänge das Nonplusultra darstellen. Wir können in manch Platte bereits die Befriedigungen von vielen Fanjahren einpreisen, wir bringen Loyalitäten entgegen, die ein schwächerer Song auch nicht gleich ins Wanken bringt. Doch genug der Worte, hier sind 10 Alben, die wir nicht missen wollen und denen wir sicher auch 2014 mit großer Wonne lauschen werden.

SeasonsOfYourDay

1. Mazzy Star – Season Of Your Day

Review

 

Nach all den Jahren, in denen ein neues Album wie eine Fata Morgana am Horizont herumgeisterte, schwappt schiere Freude über. Eine dermaßen tief im Herzen keimende Euphorie, die jedwede übertriebene Erwartungshaltung überrennt. Doch stürmt sie offene Türen ein. Denn auch in einem nüchternen Moment betrachtet, braucht sich Seasons Of Your Day nicht zu verstecken. Es ist das endlich eingelöste Versprechen auf nie vergilbten Glanz, auf erneut über mir ausgeschütteten Sternenglitter.

loudlikelove

2.) Placebo – Loud Like Love

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Placebo sind Freunde für jedwede Lebenslage. Wenn ich mich richtig durchschwitzen möchte, rocken Molko, Stefan Olsdal und Steve Forrest furios und famos. Falls es mir nach einer hymnischen Ballade verlangt, zieht das Trio eine solche aus dem Hut. Und sehne ich mich in Mußestunden nach gediegener Hintergründigkeit, werde ich nie enttäuscht. In einem Anfall von Gefühlsduseligkeit bin ich sogar versucht zu beteuern, dass es allein schon ein Privileg darstellt, Molko singen zu hören.

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3.) Kyla La Grange – Ashes

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Dass Ashes keinen lang herbeigesehnten Karrierehöhepunkt darstellt, eben doch ein Erstlingswerk bedeutet, mag man keine Sekunde lang glauben. Zu perfekt und mitreißend mutet die Scheibe an. Obschon Vorbilder durchschimmern, ist die Britin keine junge Nacheiferin. In den gelungensten Momenten überflügelt sie alle und jeden, manch Refrain ist derart großartig dimensioniert, dass man sein Glück kaum fassen möchte. Solch grandios dargebotenes Melodrama wärmt das Gemüt des Hörers, brennt Feuerwerke der Empfindung ab. Kyla La Grange tritt mit Siebenmeilenstiefeln in die Fußstapfen einer Florence Welch! Und sie passen in der Tat wie angegossen.

bigtv

4.) White Lies – Big TV

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Die Londoner haben binnen fünf Jahren ihren Sound zur Perfektion gebracht und sind nun an einem Punkt angekommen, an dem die große Bühne ihre einzige Bestimmung scheint. Mit dieser markanten Mischung aus Synthies und Gitarren taugen sie als die Vorzeigehelden eines retroesken Sounds. Big TV ist das ganz große, beseelte Kino, von dem man immer schon geträumt hat!

Repave

5.) Volcano Choir – Repave

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Tiderays, Acetate, Comrade und Byegone sind die geradezu überwältigenden vier Tracks, die die erste Hälfte des Albums so unvergesslich werden lassen. Sie schreien förmlich danach, als die Essenz des Musikjahres 2013 eine kleine Ewigkeit zu überdauern.

The Invisible Way

6.) Low – The Invisible Way

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Low strahlen Ruhe aus. Hier wird nie kajalverschmiert geheult oder Höhlen in zerfurchten Seelen ausgeschabt. Sie machen keinen auf Friede, Freude, Eierkuchen oder taumeln gar lemminggleich über Abgründe. Low betrachten das Dasein auf Erden mit einem gewissen Staunen, begreifen Transzendenz. Ihre fein ziselierten Regungen sind vom Zauber der Unaufgeregtheit erfüllt, Ruhe sticht als beredtes Schweigen hervor.

sequeltotheprequel

7.) Babyshambles – Sequel to the Prequel

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Mittlerweile jedoch ist Doherty 34 und dem Damoklesschwert jugendlicher Narreteien hoffentlich endgültig von der Schippe gesprungen, sogar seinem Vornamen hat er seit ein paar Jahren einen zusätzlichen Buchstaben spendiert. Der erwachsene Herr ruht sich jedoch keineswegs auf dem Meriten wilder Zeiten aus und lässt mit seiner Band Babyshambles jetzt ein unvermutetes, kräftiges Lebenszeichen erschallen. Sequel To The Prequel ist großartig. Da mögen Lästermäuler noch so spotten, dass die Songs der Babyshambles immer danach klingen, als wären sie im Halbsuff auf einem versifften Kneipenklo oder auf dem Rücksitz eines vor Paparazzi flüchtenden Taxis hingekotzt worden. Das stimmt wohl auch, aber in diesem Guerilla-Songwriting steckt die Achtlosigkeit eines überragenden Talents.

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8.) Scanners – Love Is Symmetry

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Die Scanners haben sich bereits eine ordentliche Anhängerschar erspielt, dennoch stehen sie nicht wirklich in Verdacht, als das nächste große Dinge gehypt zu werden. Für das Songwriting der mittlerweile nun bereits drei Alben starken Band sind Gitarrist Mat Mole und Sängerin und Bassistin Sarah Daly zuständig. Das Werk zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Prise britischer Kultiviertheit mit schwelgerischer Attitüde und Anklängen alternativer Rotzlöffeligkeit verbindet. Ab und an erinnert dies etwa an schaumgebremste Blondie. Die Scanners polieren eine Zärtlichkeit auf Hochglanz, entwickeln zurückhaltende, feine Pophymnen, zugleich dominiert eine spielerische Leichtigkeit, welche auch die eine oder andere Ungezügeltheit erlaubt.

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9.) Moonface – Julia With Blue Jeans On

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Sei ergriffen und erhaben, sei aufgewühlter Dichterfürst! Sei eins mit dem Klavier, sei nobel im Wirken! Sei melodieversonnen vor Liebe, sei theatralisch in mächtigen Zweifeln! Solch Gebote muss sich der kanadische Singer-Songwriter Spencer Krug wohl auferlegt haben, solch Instruktionen mag er sich seiner Hirnrinde abgerungen haben, um nun unter seinem bewährten Alias Moonface das Album Julia With Blue Jeans On präsentieren zu können. Diese Platte ist in bester Piano-Man-Manier konzipiert, das kristallklare Klavier lässt jeden Tastenhieb kraftvoll tönen, Krugs Gesang jammert, reflektiert, erinnert, fantasiert, fühlt und liebt voller Hingabe.

dieunsichtbaren

10.) Messer – Die Unsichtbaren

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Die Unsichtbaren durchfiebert die Schattenseiten – mit bemerkenswerter Radikalität. Schöpft aus dem Untergrund des Seins, aus den Tiefen der Psyche. Es steigt zurück über das Wischiwaschi der Gegenwart, über in Scherben liegende Utopien hinweg in eine Zeit, als das Surreale noch Wahrheiten fabrizierte und Angst die Seele aufaß. Heute wird sie längst nur noch verdaut. Messer sind markant, geradezu gewichtig. Sie schaffen Gänsehaut, sie kreieren, haben die Kraft zum Gestus. Es sind Fantasien aus den Gedärmen, weniger aus dem Kopf, die dieses Album locker zu einem der besten deutschsprachigen der vergangenen 30 Jahre machen.

SomeVapourTrails

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