Locker aus dem Handgelenk geschütteltes Entertainment – Ira May

Ich bin kein Freund von Castingshows. Weil ich melismatisches Geträller nicht ertrage, weil die Niederungen einer persönlichen Lebensgeschichte auf die gesangliche Qualität keinen Einfluss haben, weil man Juroren wie Bohlen und Nena nicht auf Talente loslassen sollte. Ich habe noch bei den meisten Gewinnern solcher Veranstaltung keinerlei Aha-Effekt erlebt. Das waren keine besonderen Stimmen – und oft auch keine kreativen, charismatischen Persönlichkeiten. Dabei wäre die Ausstrahlung noch der beste Grund, einem netten Gesang zusätzlichen Charme zu verleihen. Als vor ein paar Jahren Amy Winehouse und später auch eine Duffy die Gischt der Soul-Pop-Welle bildeten, wollten viele Sängerinnen mit einem kraftvollen Organ punkten. Doch eine soulige Popdiva kann man sich nicht zurechtschnitzen. Als ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal die Stimme der Schweizerin Ira May gehört habe, war ich sofort beeindruckt. Ira May muss nicht nach Noten greifen, sie röhrt mit ausgesuchter Souveränität und vehementer Präsenz. Ihre Stimme wirkt nie glatt, hat vielmehr kleine Fältchen, flirrt selten hell, schimmert eher im Halbdunkel. Dieses charaktervolle Timbre verrät das eine oder andere Jahr an Lebenserfahrung, erscheint ganz weit weg von jeglichem Teeniepüppchengehabe. Der anfängliche positive Eindruck hat sich dieser Tage nach Anhören ihres Debüts The Spell weiter gefestigt.

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Photo Credit: MAIWOLF

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