Lauschrausch XLVI: Groves

Wenn ich mich hinstellen würde und mit feierlichem Zittern in der Stimme verkündete, dass ich soeben die erste Seite meines Debütromans fertiggestellt hätte, dann müsste ich wohl zurecht mit wenig enthusiasmierten Reaktionen rechnen. Man würde mir einen Klaps auf die Schulter geben, vielleicht ein „Weiter so!“ ins Ohr raunen, nur um dann zu bemerken, dass ich mich doch wieder melden soltte, wenn die Chose in Buchform erscheint. Geradeso geht es mir mit Musikern und Bands, die ein oder zwei Songdemos auf die Menschheit loslassen. Ich habe kein Problem, den Geburtswehen einer künstlerischen Existenz beizuwohnen, sofern sich am Ende auch ein Köpfchen aus dem Geburtskanal reckt. Ich will etwas Handfestes, Belastbares sehen, nicht bloß einen Song in Demoqualität, der mehr Versprechen als Qualitätsbeweis ist. Im Falle der Londoner Formation Groves gibt es noch keine EP, auf die man sich stürzen kann. Die Formation bietet auf SoundCloud und Bandcamp lediglich zwei Songs auf, deren Vorläufigkeit noch das Wort Demo im Titel unterstreicht. Aber wenn ich mir das Lied Paperback so anhöre, bin ich der Verzückung nahe. Es erinnert mich an manch Track von The Album Leaf, es hat einen dezent-verträumten, warmen Touch, entfaltet rätselhafte Schönheit. Das Musikmagazin NME charakterisiert die Band so: „Imagine Everything Everything shaking up with Grizzly Bear to master the art of entwining vine-like vocal melodies around sepia-tinged chamber-pop instrumentation.“ Wenn also ein Song wie Paperback derart überzeugend klingt, bereits zu großen Vergleichen verführt, für einen regelrechten Lauschrausch sorgt, kann ich mich durchaus damit anfreunden, einer Band beim Werden zuzuhören.

(via Nicorola)

SomeVapourTrails

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