Eine aufgeräumte Seele – Gregor McEwan

Jeder Musiker möchte natürlich auch ein Stück weit ein ganz gewisses Bild von sich vermitteln. Einen Blick in die Seele erlauben, allerdings meist in den bestens aufgeräumten, repräsentativen Teil. Wenn mich ein Musiker also in sein Wohnzimmer im Gemüt bittet, dann lohnt nicht nur die Betrachtung der Tapete, der Nippes, des Bücherregals und der Plattensammlung. Interessant wird es, wenn man ein Auge unter den Teppich wirft. Im Falle des Singer-Songwriter Gregor McEwan ist am Fußboden kein Staubkorn oder Fussel weit und breit zu erspähen. Sein neues Album Much Ado About Loving ist adrett und bodenständig, so gutmütig und mustergültig gefühlig, dass ihm jede angehende Schwiegermutter die eigene Tochter ohne Zögern zum Fraß vorwerfen möchte. Natürlich birgt solch Auftreten Qualitäten, aber in aller Regel beschäftigen wir auf unserem Blog nicht mit soften Klängen, welche Schwiegermütter wuschig machen. Wenn McEwan einen Titel gar Manners Make The Man benennt und die Worte „Why don’t we make a baby?“ ohne jedwedes spitzbübisches Grinsen darreicht, dann glaubt man Hopfen und Malz ohnehin verloren. Doch: Völlig falsch gedacht!

Gerade weil dieser Liedermacher derart treuherzig daherkommt, dass man ihm nicht einmal ein Knöllchen wegen Falschparkens zutraut, hat mich der eine oder andere Song angenehmst überrascht. Postcards And Polaroids etwa gerät zur flotten Folk-Rock-Hymne, die nicht mit Liebesschwüren geizt. Auch das anfangs von Gitarre und Banjo getragene, melancholische Rhododendron legt sich in der Folge einen fröhlichen Mitstampfrhythmus zu. So klingt ehrliche, sympathische Radiomusik mit Dings oder Bums. Spätestens mit der Strophe „Oh Joanna/ Well I might get her/ But it’s not quite clever/ To love just flowers in her hair/ Hope there’s more about us/ Than these cute flowers/ And I don’t know what/ It is that we both share“ bin ich endgültig um den Finger gewickelt. Oh Joanna löst jene unaufgeregte, grüblerische Note ein, die der Albumtitel verspricht. Und wenn man sonst eine Pianoballade wie Everything To Me nur fingerdick mit Schmalz bestrichen bekommt, bleibt McEwan zurückhaltend, stets liebenswert wie aufrichtig.

Gregor McEwan ist kein Blender. Sein Fühlen fällt durchaus sympathisch und echt aus und solch eine einfühlsame Stimme gibt es nicht wie Sand am Meer. Dennoch, manchmal würde man sich doch ein wenig mehr Schalk im Nacken wünschen, wie etwa beim starken Titeltrack Much Ado About Loving, wenn er lässig „If you’re leaving me, well I don’t care/ Cause you stole my heart, I stole your underwear“ resümiert. In jenen Momenten mag er den Müttern des Landes wohl ein Stirnrunzeln bescheren, den Töchtern jedoch dürfte er damit fraglos noch ein wenig mehr imponieren. Wer Herr McEwan bislang noch nicht kennt, sollte nach meinen Worten keinesfalls zögern und den Songs sein Ohr leihen. Der eine oder andere verfängt – bestimmt!

muchadoaboutloving

Much Ado About Loving ist am 24.01.2014 auf Welcome Home Music erschienen.

Konzerttermine:

14.02.2014 Heidelberg – Action House
15.02.2014 Wabern – Krachgarten
13.03.2014 Dortmund – Subrosa
14.03.2014 Haltern – Trigon
15.03.2014 Stuttgart – Merlin
17.03.2014 Karlsruhe – jubez
18.03.2014 Kassel – Schlachthof
19.03.2014 Chemnitz – Weltecho
20.03.2014 Dresden – Bärenzwinger
21.03.2014 Magdeburg – Moritzhof
22.03.2014 Berlin – Privatclub
25.03.2014 Erfurt – Stadtgarten
26.03.2014 Kiel – Schaubude
27.03.2014 Hamburg – Thalia Theater (Nachtasyl)
28.03.2014 Düsseldorf – Stahlwerk
29.03.2014 Köln – Underground

Links:

Offizielle Homepage

Gregor McEwan auf Facebook

SomeVapourTrails

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