In This Time Of Pain And Bombs – ThreeLakes And The Flatland Eagles

Wer schon immer auf jammrigen Alternative Folk aus italienischen Gefilden gewartet hat, kann sich jetzt gespannt zurücklehnen und ThreeLakes And The Flatland Eagles lauschen. Der vollmundige Titel War Tales scheut nicht davor zurück, die gewollte Schwergewichtigkeit des Albums mehr als nur anzudeuten. Wer aber nun eine ätzende Abrechnung mit den Schrecken des Krieges erwartet, wird wohl enttäuscht werden. War Tales skizziert überwiegend manch innere Wirren, ist Abschieden und Ohnmacht, Traurigkeit und Sehnsüchten verpflichtet. In vielen spleenig-ungelenken wie gefühlsecht-tragischen Momenten entwickelt diese Platte eine geradezu unvermutete Nähe und ungekünstelte Eindringlichkeit. Der Albumtitel mag nach viel klingen, die Musik freilich tönt sogar nach mehr.

Bereits der Opener Wild Water etabliert eine seltsame Stimmung, ein Winseln und Leiden nämlich, dem eine erlösende Vergänglichkeit gegenübersteht („My arms are now light/ I can feel it in my fingers/ Oh again, again/ We’re dust dancing in light„). Mit dem zaghaften Pathos des Leidenden behaftet, albtraumhaft geht es mit dem Folk-Rock-Track The Walk weiter. Der Song versprüht Unbehagen. Eine Beklommenheit jedoch, der man sich nicht zu entziehen vermag. The Lonesome Death Of Mr. Hank Williams kann sich nicht zwischen Verbitterung und Träumerei entscheiden. Luca Righis Gesang trägt einen Kloß im Hals, murmelt rekapitulierend. Das gleicht einem beiläufig im Gespräch geäußerten Geständnis, einem alterschweren, närrischen Wunsch. In solch einem zurückhaltenden Vortrag liegt große Intensität. Ebenso anrührend fällt The Day My Father Cried aus, welches im Abschied den Streit begräbt und emotionale Zuneigung hochkochen lässt. Mit D-Day erfährt der Albumtitel seine plakative Berechtigung. Das Lied lässt unter Fanfarenklängen die Zeilen „My mom saw the flag on the grave/ My dad was proud, with his heart full of pain/ Millions and millions like me in a war/ With a bullet in our chest and not scared at all“ auf den Hörer los. Die fragile Widersprüchlichkeit der Lyrics, die paradoxe Feierlichkeit der Musik führt Heldenverehrungen ad absurdum. Hier findet War Tales die inhaltliche Mitte, entwickelt einmal mehr ungeahnte Größe. Einen ähnlichen Qualität möchte ich Horses Slowly Ride attestieren, das mit unerschütterlicher Mundharmonika fast fröhlich und aufgeräumt dahinmelodiert. Doch in den manchmal ein wenig holprig wirkenden englischen Texten verbergen sich durchaus starke Bilder und Schlagworte. So auch bei Horses Slowly Ride, wo der Satz „In this time of pain and bombs“ verfängt.

Luca Righi und Band geizen auf War Tales nicht mit Ambition. Und dank der allgegenwärtigen Ängstlichkeit und so mancher Verzagtheit entwickelt sich eine Atmosphäre der Tragik. Und das fasziniert, lässt und lässt nicht locker. ThreeLakes And The Flatland Eagles unterstreichen mit ihrem Werk, dass die Wucht von Ideen und Traumata in der Intimität der Folkmusik bestens aufgehoben ist. Wer sanften Jammer ertragen möchte, wird angenehm ergriffen sein!

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War Tales ist am 18.01.2014 auf Upupa Produzioni erschienen.

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