Release Gestöber 48 (Tiny Ruins, Kalle Mattson, Sofia Talvik, FURA)

Tiny Ruins

Bereits 2012 ließ die Neuseeländerin Hollie Fullbrook mit ihrer Formation Tiny Ruins aufhorchen. Some Were Meant For Sea war eines der schönsten Debüts des Jahres. Damals habe ich dazu notiert: „Dieser Scheibe haftet eine wahrlich seltene Intimität an. Man fühlt sich mit Tiny Ruins allein in einem Raum, während Fullbrook einem ganz sacht und leise Geschichten ins Ohr trällert. Some Were Meant For Sea wirkt durch jene Vertraulichkeit, besticht als Poesie, die jedem einzelnen Hörer persönlich überbracht scheint. Tiny Ruins lebt von dieser Gabe, von Nuancen und kleinen Gesten, welche man sehr bereitwillig und interessiert studiert.„. Nun steht im Mai das Nachfolgealbum Brightly Painted One zur Veröffentlichung an, das im Pressetext der Plattenfirma irgendwo zwischen Dream-Pop and Folk-Blues eingeordnet wird. Weiters verspricht die Vorankündigung üppige Arrangements und „the warm fuzz of hammond and rhodes keyboards, subtle string parts and electric guitar jangles and thrums.„. Doch wenn ich mir die erste Kostprobe Me At The Museum, You In The Wintergardens so anhöre, dann weiß auch die neue Platte mir zärtlicher Reduktion und Intimität zu punkten. Tiny Ruins knüpfen an die lieblichen, leisen Töne des Debüts an. Was für eine erfreuliche Nachricht. Der Mai scheint gerettet!

Brightly Painted One wird am 05.05.2014 auf Bella Union veröffentlicht.

Kalle Mattson

Wenden wir uns nun einem kanadischen Singer-Songwriter namens Kalle Mattson zu, dessen Album mit dem ausgesprochen schönen Titel Someday, The Moon Will Be Gold für März angekündigt ist. Das Werk ist irgendwo zwischen Folk und Indie-Rock beheimatet und als mindestens fantastisch einzuschätzen. Mattson zeigt sich als Meister balladesker wie rockiger Melodien, präsentiert sich als Mischung aus flanellhemdigem Träumer und kauzigem Rockstar. Der Track An American Dream mutet so an, als hätte sich ein Bob Dylan in den Kopf gesetzt, den Hymnen Amerikas eine weitere hinzuzufügen. Hurt People Hurt People ist fröhlicher College Rock, zu dem man auf den Tischen tanzt und Bierdosen durch die Gegend feuert. Und dem lässig genuschelten The Moon Is Gold kann ich schon jetzt einen Fixplatz auf den vordersten Rängen meiner Jahresbestenliste garantieren. Noch selten ist ein Stoßseufzer „Man oh man no we don’t want to die/ Then why’s it so hard just to be alive“ mit mehr Nonchalance vorgetragen worden! Ich empfehle dem werten Leser ja so manches Album, aber Someday, The Moon Will Be Gold ist eine wirkliche Herzensanliegen. Und deshalb widme ich mich diesem tollen Werk demnächst in aller Ausführlichkeit. Bis dahin gilt: Kalle Mattson ist großartig. Bitte weitersagen!

Someday, The Moon Will Be Gold erscheint am 07.03.2014 auf Trickser Tonträger.

Sofia Talvik

Falls man einer Liedermacherin unterstellt, dass sie unermüdlich wäre, dann erscheint das zunächst als wenig schmeichelhaftes Kompliment. Wenn ich eine Singer-Songwriterin sonst gerne mit Attributen wie ätherisch oder zärtlich oder leidenschaftlich beschreibe, kommt mir bei Sofia Talvik zunächst etwas anderes in den Sinn. Es ist jene Unermüdlichkeit, die bei der Schwedin zuerst ins Auge sticht. Talvik scheint immer auf Tour, hat stets eine EP oder ein Album in der Mache, betreibt in sozialen Netzwerken erstklassige Fan-Pflege. Doch würde mich dieser ganze Eifer wenig beeindrucken, wenn nicht viele ihrer Lieder zum Niederknien wären. Das gilt auch auf für ihre neueste EP mit dem schlichten Titel Folk, die sich alter schwedischer Volkslieder annimmt. Talviks aus Zeit gefallene Anmut bei Uti vår hage verspricht ein wunderbar eindringliches, edles Werk voll Ehrfurcht vor Tradition. Bravo!

folk_sofia_talvik

Folk erscheint am 03.03.2014.

FURA

Die werte Kollegin Eva-Maria vom Polarblog hat FURA, ein Projekt der isländische Sängerin Björt Sigfinnsdóttir und den Produzenten Hallur Jónsson und Janus Rasmussen, mit einer Kerze im leichten Luftzug verglichen. Was für ein treffender Vergleich, denn der eigentlich helle Schein einer Kerze malt beim Flackern Chimären an die Wand. Vor allem dann, wenn die Kerze eine vage Düsternis befeuert. FURA birgt zwar auch heimeliges Licht, doch zugleich wabern Mysterien vor dem Auge, hopsen Dämonen über die Tapete. Elfenhaft tänzelt Sigfinnsdóttir durch Synthie-Geflimmer und doch glaubt man, einen Troll ums Licht geistern zu sehen. Die EP Poems Of The Past ist vom Drama beseelt, von Schatten durchdrungen. Sie besticht als Soundtrack für die Zeit zwischen blauer und goldener Stunde. Sowohl der Titeltrack Poems Of The Past als auch das kriegerische Kopfkino Demons sind von atmosphärischer Wucht. Noch selten wurde der Teufel schöner an die Wand gemalt!

Poems Of The Past ist am 10.02.2014 auf Fandango Music erschienen.

SomeVapourTrails

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