Release Gestöber 49 (Sharon Van Etten, Hanggai, Miraculous Mule)

Sharon Van Etten

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Photo Credit: Dusdin Condren

Meiner bescheidenen Meinung nach ist die amerikanische Singer-Songwriterin Sharon Van Etten die herausragendste Vertreterin der jungen Liedermachergarde. Die Grunde für diese Einschätzung habe ich in unzähligen Einträgen bereits ausgebreitet. Für Mai wurde dieser Tage ihr neues Album Are We There avisiert. Ein wenig wundert es mich doch, dass ob dieser Ankündigung die Erde nicht gebebt hat und die Dinge weiter ihren gewohnten Gang gehen. Sharon Van Etten bringt ein neues Album heraus! Ich für meinen Teil bin jedenfalls enthusiasmiert und schon vorab mit Dankbarkeit erfüllt. Warum? Darum: Taking Chances.



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Are We There erscheint am 23.05.2014 auf Jagjaguwar.

Hanggai

Es gibt eine eiserne Regel hinsichtlich World Music. Nur weil etwas fremd und exotisch klingt, muss man nicht gleich Begeisterung heucheln oder gar den Schlüpfer Richtung Bühne werfen. Weltmusik ist weder besser noch schlechter als in hiesigen Breiten angesiedelte Musik. Und doch führen uns Ethno-Sounds und Crossover-Klänge mitunter vor Augen, dass wir auch im vermeintlichen globalen Dorf längst noch nicht jedes Häuschen kennen. Nehmen wir beispielsweise die Mongolei. Ein Land wohl, das uns viel Unwissen entlockt. Ich bin froh, zumindest diese musikalische Bildungslücke stopfen zu können. Die aus der Mongolei stammende Formation Hanggai tilgt einen weißen Fleck auf unser bloggenden Landkarte. Hanggai vermengen auf starke Weise Rock mit den traditionellen Einflüssen ihrer Heimat. Das Album Baifang bietet somit mehr als nur exotisches Staunen.

Die Platte ist vielfältig. Neben dem rockigen Titeltrack Baifang, der nur durch den eigentümlichen Gesang seine Herkunft verrät, finden sich auch Lieder, die den Hörer auf dem Rücken eines Pferdes durch die Steppe reiten lassen (Hershut Hero). Man muss gar keine Klischees bemühen und den Namen Dschingis Khan in den Raum werfen, um bei manchen Stücken die martialische Vergangenheit dieses Landes nachempfinden zu können. Daneben laden noch schwermütige, von fernöstlicher Eleganz beseelte Balladen wie Miss Daughter (Missing You, My Daughter) zum Staunen ein. Zu den Highlights dieses abwechslungsreichen Album zählt zweifelsohne das westlich orientierte, kernige Hong Galou, während etwa ein nicht minder faszinierendes, getragenes Long Song, the Rabbit on the White River Bank tief in der mongolischen Folklore wurzelt, von einem wohl dem Didgeridoo ähnlichen Klang erfüllt wird. Wie sich Tradition und westliche Moderne hier aneinanderreihen, bleibt immer spannend. Richtiggehend groovig, fast bluesrockig fällt das starke My Mother aus. Danach bietet Huhe Namjila wieder kehligen, kratzigen Gesang mit ganz eigener, feiner Ästhetik. Zu meinem Liebling hat sich Beautiful Mongolian Horse gemausert, welches dem Crossover-Gedanken ganz besonders verpflichtet scheint. Es bietet Sprechgesang und Höllenritt mit Hard-Rock-Anleihen, tönt kriegerisch und episch. Sagenhaft – in doppeltem Sinne.

World Music ist kein Genre, dem man mit besonderer Nachsicht und Toleranz begegnen sollte. Exotik allein ist kein Qualitätsmerkmal. Im Falle von Hanggai muss man jedoch die Faszination des Fremden unterstreichen, die besondere Neugier erwähnen, die Baifang weckt. Was für ein tolles Album hat sich da aus der Weite Asiens zu uns verirrt!

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Baifang ist am 21.02.2014 auf Harlem Recordings erschienen.

Miraculous Mule

So sieht man sich wieder! Vor Jahren hatte ich mal das Album In the Cold Light of Morning der Londoner Band Dream City Film Club. Die Platte habe ich aus unerfindlichen Gründen längst nicht mehr und ich habe auch schon Ewigkeiten nicht mehr an die schon lange, lange aufgelösten Dream City Film Club gedacht. Und dieser Tage nun flattert uns doch glatt eine E-Mail ins Postfach, dass sich Michael J. Sheehy mit einer neuen Voodoo-Gospel-Blues-Rock-Formation Miraculous Mule derzeit auf Tour durch Deutschland befindet. Das dazugehörige Debütalbum Deep Fried wurde bereits im Herbst letzten Jahres veröffentlicht. Mein Interesse war schlagartig geweckt! Und tatsächlich, die Chose ist auf altmodische Art und Weise wirklich gut. Der Pressetext scheut die Vergleiche nicht: „Schwitzender Garagen-Blues und New Orleans-Soul, staubige Traditionals, Swamp-Rock wie ihn einst der legendäre Screaming Jay Hawkins gespielt hat, eine Spur früher Nick Cave, der Tom Waits von „Swordfishtrombone“, Dr. Johns „Gris-gris“, ein bisschen Elvis, Tav Falco, Sixteen Horsepower, die guten alten Sister Double Happiness und Jon Spencers Neo-Bluesrock – fertig ist das Soundgemisch, das uns die Drei hier lustvoll auftischen.“ Die Verweise sind mehrheitlich auch goldrichtig. Wer Musik liebt, die in Saft und Kraft steht, dabei die guten alten Zeiten bemüht, der wird Tracks wie Dangerous Blues und Satisfied zweifelsohne mögen. Wie schön zu sehen, dass Michael J. Sheehy nicht endgültig von der Bildfläche verschwunden ist und es mit Miraculous Mule krachen lässt! Wiedersehensfreude pur!

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Deep Fried ist am 18.10.2014 auf Bronzerat Records erschienen.

Konzerttermine:

05.03.2014 München – Milla
06.03.2014 Karlsruhe – KOHI
07.03.2014 Bern (CH) – Cafe Kairo
08.03.2014 Zürich (CH) – El Lokal
10.03.2014 Dresden – Beatpol
11.03.2014 Frankfurt – Ponyhof Club
12.03.2014 Hamburg – Jazz Café
13.03.2014 Berlin – Privatclub
14.03.2014 Hannover – Cafe Glocksee

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Release Gestöber 49 (Sharon Van Etten, Hanggai, Miraculous Mule)

  1. Hanggai – bei Tracks gab’s da vor Jahren mal ein Feature. Leider habe ich sie seitdem aus den Augen verloren, dank dir jetzt wiederentdeckt.

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