Spuren im Sand – Finner

Zwischen Indie-Folk-Pop und Oasis-Gedächtnis-Melodien wandelt der deutsche Singer-Songwriter Finner auf seinem diese Woche erscheinenden Album The Seaside Stories. Und tatsächlich erinnern mich die Lieder ein wenig an Fußspuren im Sand. In den leisen Momenten dieses Werks spaziert eine Seele dahin und fast unwillkürlich folgt man diesen beiläufigen Abdrücken am Strand. Manchmal fällt der Blick auf angespültes Treibgut wie Muscheln. Oder man erblickt ein Lagerfeuer, um das sich Finner mit Band tummelt, während er Gallagher-Harmonien beschwört. The Seaside Stories ist ein Idyll der Nachdenklichkeit, wo das versunkene Gemüt Gedanken kreisen lässt, dabei ab und an über die Küste tollt, mit Regenwölkchen um die Wette rennt. Das Album gräbt in der Vergangenheit, fühlt eine Verlorenheit, sammelt die Fundstücke des Seins, nur um letztlich ein versöhnlich resümierendes Going Home anzustimmen.

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Photo Credit: Bianca Beckers

Man kennt es aus Film und Fernsehen, wenn Urlaube zur Neuordnung von Lebensverhältnissen und Überwindung von Sinnkrisen dienen. Meist wird dem Protagonist eine Liebelei als Anstoss zur Erleuchtung untergejubelt oder der müden Heldin ein bodenständiger Naturbursche an den Busen gekuschelt. All diese Neuanfänge sind oft erkenntnisschwer aufgebläht, zumindest aber mit Zuckerguss überzogen. Finners The Seaside Stories dagegen wirken angenehm zurückhaltend, sie zeigen ein Flanieren und Erleben ohne Übermaß. Zu den Highlights der Platte zählt die Single Lost In The Sea, welche sich von der Besinnlichkeit einer akustischen Gitarre hin zu einem Indie-Pop-Track mit Aufbruchsstimmung mausert. Auch Stormy Skies ist ein im Refrain schunkeliges Stück, bietet einen der kräftigsten Momente des Werks. Diesem folgt mit dem reduzierten Oh, Wanderlust! eine leise, versonnene Ballade besonderer Güte. Ein Kontrapunkt! Finner kann zwar den Folkbarden klassischen Zuschnitts geben, wenn er jedoch zusammen mit seiner Band in Richtung Rock vorstößt, erwachen ohnehin tadellose Lieder erst richtig zum Leben, erwächst seiner Stimme lebhafte Dringlichkeit. Brotherly Love ist so ein Titel. Er braucht vielleicht einen Hördurchlauf mehr als der sympathische Folk-Pop von Don’t Get Me Wrong, wirkt auf Dauer aber gehaltvoller. Spät auf dem Album wird bei The Bearded Man – und mehr noch Halfway – in britische Sphären vorgedrungen, beide Tracks würden auch einer Platte von Beady Eye prima zu Gesicht stehen. Dieser Sound passt Finner gut, erfüllt das Werk mit melodischem Feuer. Schenkt all den Reflextionen Temperament und Wohlgefühl. Spätestens jetzt sind The Seaside Stories nicht bloß gelungen sondern toll!

Jeder Singer-Songwriter möchte mit seiner Musik Spuren hinterlassen, denen Hörer folgen sollen. Doch oft verläuft die Chose im Sande. Ist ein Album, kaum dass es veröffentlicht wurde, auch schon aus dem Gedächtnis gestrichen. Selbst eingefleischte Fans vergessen, vergessen schnell. Finner freilich hat mit The Seaside Stories so einiges an Stimmungen und Sentimenten, die nachwirken, dargeboten. Ich für meinen Teil habe keine Zweifel, dass ich Lieder wie Brotherly Love oder Halfway auch in einem Jahr noch gern anhören werde. Denn Spuren im Sand müssen gar nicht so flüchtig sein.

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The Seaside Stories erscheint am 14.03.2014 auf Greywood Records.

Konzerttermine:

13.03.2014 Hamburg – Uebel & Gefährlich (Band)
14.03.2014 Berlin – Privatclub (Band)
03.04.2014 Köln – Die Wohngemeinschaft (Duo)
04.04.2014 Düsseldorf – Brause (Duo)
05.04.2014 Stuttgart – Cafe Galao (Duo)
06.04.2014 Darmstadt – Bedroomdisco (Duo)
07.04.2014 Heidelberg – Actionhouse (Duo)
08.04.2014 Leipzig – Wärmehalle Süd (Duo)
09.04.2014 Greifswald – Brasserie Hermann (Duo)
10.04.2014 Lübeck – Tonfink (Duo)
11.04.2014 Trittau – Alter Bahnhof (Duo)
12.04.2014 Bremen – Schnürschuhtheater (Band)
10.05.2014 Bordesholm – Albatros (Band)
13.06.2014 Hemslingen – Kulturhaus Brockwischenhus (Solo)

Links:

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