An der Schnittstelle zum Zeitgeist-Trigger – Robots Don’t Sleep

Downtempo meets Pop meets Gospel, so behelfsmäßig könnte man zusammenfassen, was der deutsche Produzent Robot Koch zusammen mit dem US-Sänger John LaMonica unter dem Namen Robots Don’t Sleep ersonnen haben. Mirror ist eine Platte an der Schnittstelle, sie ist ob ihre klar zugeschnittenen Melodien voller Verve auch Hörern des Mainstream-Pop zuzumuten, zugleich wird die sachte Electronica auch denjenigen keineswegs sauer aufstoßen, die Charts-Kram sonst so fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Nun klingt Schnittstelle natürlich fein, weniger wohlmeinende Gemüter würden eher von einem Konsensalbum samt dem einen oder anderen faulen Kompromiss sprechen. Doch erscheint mir Mirror gelungen, weil es aus dem gedimmten Halbdunkel heraus funkelt, nie das grelle Scheinwerferlicht sucht. LaMonica singt oftmals mit sanftem Flüstern in der Stimme, doch hat der gedämpfte Ausdruck keinen soften, schnuckeligen Schlafzimmerblick im Sinn. Die handfesten wie berechnenden Hintergedanken, mit der uns Massenmusik um den Finger wickeln möchte, sind dieser Platte fremd.

Schon beim zusammen mit dem dänischen Singer-Songwriter Sebastian Lind ersonnenen Trouble keimt die Ästhetik des Werks auf, es hat einen warmen, retroesken Rhythmus und die utopische Zärtlichkeit der Zukunft. Ist das jener Zeitgeist-Trigger, von dem in einem Promotext zum Album die Rede ist? Was für eine über coole Wortkreation übrigens! Wird hier eine altbackenen Pop-Herrlichkeit geradezu liebevoll in den Futurismus überführt, Gegensätzlichkeiten überwunden? Ja, denn Trouble geht mit einem Refrain voller Hüftschwung voran, den das folgende Don’t Wake Me noch verstärkt. So klingt Tanzmusik für hüftsteife Träumer, so funktioniert Pop, der seine tiefere Bedeutung findet. Der Downtempo-Titeltrack Mirror schlurft verlustbeseelt über Friedhöfe und sieht sich an einer engelsgleichen Erscheinung satt. Der andächtige, sakrale Singsang in den Strophen ist in Liebreiz und Unwirklichkeit gemeißelt. Diese Electro-Ballade stellt das Highlight dieses Werks dar. Sacht schwingt das anschließenden Lamento Hold It Down nach, flickt an einer samtigen Depression herum, während sich Happy People unter dezentem Pluckern zu einem verschämt-seligen Refrain aufrafft. Wenn eine Nummer illustrieren müsste, wie die Verschränkung von Pop und Electronica bestens funktioniert, dann wird man bei dieser unterkühlten und nicht minder behaglichen Hymne fündig. Safe Now wiederum entpuppt sich als sinnlicher, geheimnisvoller Trip-Hop. Auch gegen Ende nutzt sich die Bedächtigkeit, die Entschleunigung der Beats nicht ab, der milde Zauber hält auch bei Arms an. Dieser Song rückt Robots Don’t Sleep einmal mehr in die Nähe eines melancholischen Moby. Und abermals wird mit dem nervösen, hektischem, sogar kopflosen Beat von Run ein Bruch gesucht. Es gleicht einer Flucht durch eine in blasser Zeitlupe schimmernden Landschaft, unstetes Benehmen in einer Trance. Mit Reverse/Rewind wird zuletzt sogar noch folkige Electronica ins Programm genommen.

Mirror ist – bei aller Affinität zu gefälligen Melodien – ein dennoch sehr subtiles Album geworden, welches angenehme Akzente setzt, sogar die Intentionen gegensätzlicher Genres miteinander versöhnt. Robots Don’t Sleep ist eine im Tonfall zurückhaltende Platte gelungen, die zittert und bebt. Und jene Erschütterungen können sogar von denen wahrgenommen werden, die sonst nur mit viel Humptata und Karacho über den Disco-Boden fegen. Mit beseeltem Temperament und vielfältiger Herangehensweise entwickelt sich tatsächlich eine Konsensplatte ohne Fehl und Tadel. Mainstream und Nische waren noch selten einträchtiger beieinander.

Mirror erscheint am 25.04.2014 auf Four Music.

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