Stippvisite 06/04/2014 (Weiterhin unsexy!)

Es gibt mehrere Möglichkeiten im Netz nach Beachtung zu heischen.

Aufopfernde Gutmütigkeit: „Ich habe heute ein Kätzchen vor einem herannahenden Auto gerettet, mir dabei aber einen Schuhabsatz und einen Fingernagel abgebrochen.

Saftige Stammtischempörung: „Kinderschänder gehören an die Wand gestellt und erschossen. Und anschließend sicherheitshalber noch kastriert.

Bahnbrechende Rezepttipps: „Ich habe ein sagenhaftes Rezept für veganes Coq au vin gefunden. So lecker – und noch dazu ohne Kalorien!

Abgefeimte Häme: „Markus Lanz mag zu Beginn der Traum aller Schwiegermütter gewesen sein. Zuletzt hat wohl aber nur noch seine eigene eingeschaltet.

Praxisbezogene Selbstüberschätzung: „Politiker sind doof wie ein Stück Brot. Ich hätte den BER binnen eines Tages flottgekriegt.

Wir dagegen werden auch weiterhin über Musik schreiben. Auch wenn wir schon längst vom Gefühl beschlichen sind, dass das Schreiben über Musik dieser Tage reichlich unsexy scheint. Dennoch wollen wir auch heute wieder die besten Empfehlungen unserer bloggenden Kollegen – mit der einen oder anderen Bemerkung versehen – weiterreichen.

Vokabeltipp:

Es gibt Worte, deren Klang Balsam für die Ohren ist. In der englischen Sprache hat es mir das Vokabel „Reverie“ schon lange angetan. Es meint die Tagträumerei, wirkt in der Artikulation ungemein zärtlich und anmutig. Eine Band, die sich Reveries nennt, hat bei mir also schon vorab einen Stein im Brett. Die aus dem schwedischen Linköping stammende Formation macht gitarrigen Indie-Pop, der fühlt und fiebert. Eine besondere Entrückung ist nicht zu konstatieren, allerdings soll es ja auch lebendige Tagträume geben. Noch sind die Reveries erst mit einzelnen Tracks, von denen das melodisch-sehnende Tip Of Your Tongue besonders hervorsticht, auf Bandcamp vertreten. Da bekomme ich sofort Lust auf mehr – und eine Formation mit einem so verheißungsvollen Bandnamen wird mich keineswegs enttäuschen! Auf Bandcamp sind die Songs nach dem Motto „Name your price“ erhältlich. (via Polarblog)

Plattenladentagtipp:

Mir persönlich geht der alljährliche Record Store Day am Allerwertesten vorbei. Ich habe zu Plattenläden ein sehr traumatisches Verhältnis. In vielen Läden haben nach dem Krieg wohl Ewiggestrige angeheuert und ihren Lebensentwurf der unerbittlichen Intoleranz fortgeführt. All den romantischen Quatsch bezüglich des Plattenladens als Keimzelle der Musik halte ich für maßlos übertrieben. Aus diesem Grund wollte ich auch den diesjährigen Record Store Day nicht bejubeln. Allerdings haben sich die Australier Cut Copy einen wirklich feinen Track exklusiv für den 19.04.2014 aufgehoben. In These Arms Of Love glänzt als kräftiger Synthie-Wonneproppen der Extraklasse. Ich habe Cut Copy eigentlich bisher nicht besonders wahrgenommen, mit diesem famosen Song freilich ändert sich das ganz und gar. Die 10″-Vinyl-Single soll allerdings leider nur in amerikanischen Geschäften erhältlich sein. Wenigstens ist der Record Store Day 2014 also doch nicht umsonst, wenn zu diesem Anlass ein solch schöner Track das Licht der Welt erblickt. (gefunden bei Nicorola)

Schrammeltipp:

Retro-Pop mit psychedelischem Einschlag hat die im New Yorker Brooklyn ansässige Formation Spires im Talon. Das ist alles nicht neu – und geht trotzdem oder gerade deswegen ins Ohr. Beim Track Candy Flip könnte man auch noch die eine oder andere Inspiration aus den Neunzigern ausmachen. Das Resultat jedenfalls besticht als launiger, durch die Boxen schrammelnder Song voll Charme. Tatsächlich muss sich Musik nicht immer und dauernd neu erfinden. Das gute Alte ist ja nicht umsonst gut und alt. Auch hier gilt: Eine baldige EP wäre sehr, sehr erwünscht! (via Coast Is Clear)

Videotipp:

Oft fehlt nur ein kleines Puzzlestück zum durch und durch gelungenen Song. Der Bloggerkollege Mathias von human cannonball preist den Track Invisible Cities mit folgenden Worten an: „Ein wunderbarer Indiepopsong. Melancholisch, euphorisch, mitreißend, gefühlvoll. Herrlicher Gesang, Backgroundchor mit Uhs und Ahs, Handclaps, toller Gitarrensound, überraschender Synthsound gegen Ende – mit einem Wort großartig.“ Auch mir gefällt der Song der israelischen Band Cannons – nicht zuletzt wegen eines sehenswert erzählten Musikvideos, das diese Bezeichnung auch verdient! Wenn es etwas gibt, das meinen Überschwang im Zaum hält, dann wohl der Umstand, dass mir der Gesang ein wenig zu blass im Hintergrund bleibt. Diesen Track hätte man in puncto Stimme ruhig ein wenig aufdringlicher präsentieren können. Ansonsten stimme ich Mathias zu. Ins anstehenden Debütalbum Nothing Anywhere werde ich daher gerne reinlauschen. Es scheint die Sorte Musik, die einen herrlichen Frühlingstag wunderbar verzieren kann. (Invisible Cities ist als kostenloser Download auf Bandcamp verfügbar.)

Das soll es für heute auch wieder gewesen sein. Demnächst mehr!

SomeVapourTrails

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