Die sublime Diva – Tiny Ruins

Gedanken nachhängen, Träume bis ins Detail auskolorieren, dies zu können ist eine Gnade! Im gediegenen Leise voll Fantasie zu schwelgen, mag nur zunächst wenig spektakulär und geradezu aufmüpfig unzeitgemäß scheinen. Doch nichts anderes beherrscht die Neuseeländerin Hollie Fullbrook mit ihrem 2009 ins Leben gerufenen Projekt Tiny Ruins aus dem Effeff. Sie durchdriftet flüchtige Kontemplationen, geht still und trostvoll den kleinen Dingen auf den Grund. Das vor wenigen Wochen veröffentlichte Album Brightly Painted One betört als intimer Chamber-Folk, der die Sinne streichelt und umarmt.

Diese Platte ist von ansprechender Unmittelbarkeit, schon der Eröffnungstitel Me at the Museum, You in the Wintergardens entwirft die Szenerie eines unwirklichen Alltags. „Nobody feels old at the museum/ Nobody feels cold in the wintergardens“ verspricht eine angenehm gestrige, entschleunigte Heimeligkeit, in der sich Gefühle allmählich entspinnen. Tiny Ruins zeichnet sich durch eine feine musikalische Stimmigkeit aus, wenn Fullbrooks Gitarre sacht gestreichelte Becken, ein behutsam brummender Bass und ab und auch Streicher- und Bläsereinsätze oder ein E-Piano umschmeicheln. Kein Zuviel, kein Zuwenig, in diesem ausgeklügelten Sound liegt eine Finesse sondergleichen. Ein weiterer Trumpf Fullbrooks liegt in ihrer Nachdenklichkeit, die sich eben nicht in großen, alles überwältigenden Emotionen erschöpft. Eine berichtende Versunkenheit eben, die das eigene Seelenkostüm nicht in Fetzen reißt, sich nicht derangiert und nackt vor den Hörer stellt. Sie zählt keineswegs zu diesen verletzlichen, fragilen Singer-Songwriterinnen, die verhuscht und mit geneigtem Kopf auf die Bühne trotten. Fullbrook erzählt, sie beichtet sich nicht die Tristesse vom Leib. Wie edel etwa fällt Reasonable Man aus, das sich eine schicksalhafte Begegnung mit dem Glück ausmalt und dabei zugleich auf Nüchternheit pocht: „I went in search of a reasonable man/ The one I read about in books and I drew me up a plan/ I said I’d like to meet him on a corner if I can/ Then we could take either road/ Depending upon where we stand„. Ob Chainmail Maker oder das warme, walzernde Straw Into Gold, in all den Melodien schlummert ein Trost, eine so unverstellte, ungekünstelte Ermunterung. Mitunter transzendiert Fullbrook mit Unterstützung von Cass Basil (Bass) und Alexander Freer (Drums) zur stilvollen, schleppend angejazzten Barsängerin, die im lauschigen, spätnächtlichen Rahmen im Lichtkegel steht. Bei Jamie Blue etwa vermengt sich Folk mit der seelenvollen amerikanischen Singer-Songwriter-Kultur.

Tiny Ruins beherrscht das Sublime und Subtile, kreiert eine Ästhetik der Beiläufigkeit, setzt einen Kontrapunkt zum sich überschlagenden Emotionsgejodel unserer Tage. Fullbrook beeindruckt als sanfte, träumende, reflektierende Diva mit einer in Satin und Samt schimmernden Stimme. Brightly Painted One wird von einem eleganten Schwung geleitet, trippelt gleicherweise mit verträumtem Tänzeln dahin. In der Stille – so heißt es – liegt Kraft, in diesen ganz leisen Tönen freilich steckt zweifelsohne Magie.

brightlypaintedone

Brightly Painted One ist am 02.05.2014 auf Bella Union erschienen.

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