Musik von nebenan – Peter Piek

Es hat schon seine Gründe, warum sich keine Firmen gründen, die in riesigen Großraumbüros Musiker und Songwriter an den nächsten großen Hits werken lassen. Kreativität lässt sich halt nicht in büronaler Atmosphäre ausleben. Und Künstler brauchen eben ein Stück weit diese gewisse Abgeschiedenheit, um ihrer Kunst zu entfalten. Wenn ich dem Album Cut Out The Dying Stuff des in Leipzig ansässigen Singer-Songwriters Peter Piek so lausche, fällt mir speziell seine eigenbrötlerische, versonnene Art ins Ohr. Daraus wird eine oft einsame Platte, die zuweilen Nähe wagt, doch meist die Dinge nur aus der Distanz begrübelt. Cut Out The Dying Stuff gefällt ob seiner textlichen Intimität, die von feingliedrigem, vielfach angenehm pfiffigen Pop aufgelockert wird.

Musikalische Kleinode kennzeichnen sich auch dadurch, dass man ihnen nachspüren mag, erst eine Vertrautheit herstellen muss. Cut Out The Dying Stuff gleicht einer neuen, durchaus faszinierenden Bekanntschaft, die man mit jedem Kaffeeschwatz und jeder bis in die Puppen durchzechten Nacht mehr zu schätzen lernt. Zu den Songs, die besondere Beachtung verdienen, zählt beispielsweise Left Room, eine sanfte Popnummer mit Trip-Hop-Anklängen, die im Verlauf überraschend weichgezeichnet gerät. Analyse dagegen besticht als fein gelispelter Deutschpop, der sich in der Sehnsucht nach einem Zugehörigkeitsgefühl ergeht, nur um letztlich den eigenen Individualismus und die Unabhängigkeit zu bejahen („Ich wäre gern so ganz ganz anders/ Als alle statt ganz gleich zu sein/ Irgendeinmal sehr weit draussen/ Schwebend frei statt drin allein„). Wie das Lied Fahrt aufnimmt, eben nicht in Verzagtheit verharrt, imponiert mir sehr. Das chinesisch-englische Kauderwelsch von 天黑黑 (Ti O O) unterstreicht Pieks Fähigkeit, Songs zu entwickeln, im konkreten Falle eine zärtliche Sehnsucht immer eindringlicher schimmern zu lassen. Cut Out The Dying Stuff sinniert in den stärksten Momenten mit schlichter Aufrichtigkeit über Sinn und Sein, ringt sich bei If This Is The End die Erkenntnis „Good to be alive/ Even if it hurts“ ab, nur um im nächsten Song Live Forever das eigentliche Dilemma zu benennen („I want to live forever/ Forever and now/ I want to live forever/ Can’t live now„). Viele der Piekschen Gedankengänge sind bei näherer Betrachtung vertraut, präsentieren sich als knackig formulierte Überlegungen, denen man etwas abgewinnen kann. Man muss sich manch Sentimente nicht erst zusammenpuzzeln, die ein bisschen geächzten Bitte Leave Me Alone ist so nachvollziehbar. Solch Augenblicke der Weltabgewandtheit und einer fragender Orientierungslosigkeit wird jeder Hörer wohl von sich selbst kennen. Bei Peter Piek scheint ein bedachtes Außenseitertum bestens dazu geeignet, mit Wünschen und Ängsten blankzuziehen.

Ein feines, von Zwischentönen erfülltes Album produziert man keinesfalls in industrieller Fertigung. Gute Musik entsteht oftmals in der Abgeschiedenheit, aus einer Verlorenheit heraus, und nicht zuletzt in liebevoller Handarbeit. Bei Peter Piek spürt man all das authentische Grübeln und Tüfteln und Rätseln, lernt die Lieder von Mal zu Mal näher kennen. Cut Out The Dying Stuff offenbart sich, ohne bloße Nabelschau zu sein. Bietet Empfindungen, aus dem Nähkästchen geplaudert. Vieles davon zählt zu den Dingen, die man in aller Vertrautheit schon immer mitgeteilt bekommen wollte. Und darin liegt der Reiz dieser Platte. Nämlich im freimütigen, tiefsinnigen Plauderton, der mehr inspiriertes, charmantes Kamingespräch als belangloser Plausch ist. Das Album besticht als Musik von nebenan, die man gut kennenlernen kann.

CutOutTheDyingStuff

Cut Out The Dying Stuff ist am 02.05.2014 auf Solaris Empire erschienen.

Konzerttermine:

10.05.2014 Aachen – Raststaette
12.05.2014 Lüneburg – Asta
13.05.2014 Kiel – Prinz Willy
14.05.2014 Berlin – Ä
16.05.2014 Leipzig – Noch Besser Leben
21.05.2014 Berlin – Schokoladen
25.05.2014 Heidelberg – The Bear’s Den

Links:

Offizielle Homepage

Peter Piek auf Facebook

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