Das ungestüme Umarmen des Seins – Black Twig

Irgendwo zwischen Indie-Pop-Rock und Shoegaze siedelt sich die aus dem finnischen Helsinki stammende Formation Black Twig an. Mit ihrer zweiten Platte Heliogram ist der Band ein bisweilen in einem warmen Sound schwebendes, mitunter auch durch brummenden Noise-Pop tuckerndes Album geglückt. Diesem Werk wohnt eine handfeste Sehnsucht und jugendliche Unbeschwertheit inne. Dank zweier Gitarren, Bass, Schlagzeug und ein wenig Orgel wird eine hypnotischen Zärtlichkeit befördert, die nach und nach ihre geradezu verträumte Wirkung geschrammelt entfaltet. „[L]icht, luftig und farbig klingt ihr stoisch-flirrender Gitarrenpop“ weiß der Pressetext zu Heliogram zu vermelden – und vermag das Wesen dieser Klänge kurz und bündig zu erfassen.

Ein Track wie On White etwa scheint von lärmigem Optimismus getragen. Wie es sich für diese Art Musik gehört, wird Aki Pohjankyrös hampelnde Stimme vom Strudel der Instrumente fast aufgesogen. Pastel Blue kommt mit der melodischen Leichtfüßigkeit des Indie-Pop und dem robusten Spiel des Indie-Rock daher. In dieser Mixtur steckt großes Potential! Bei Summer Slow Down wird der Titel Programm, durch die Fäden des Lichts und durch die vor Hitze strotzende Luft schwurbelt sich der Gesang ans Ohr, während die Instrumente behände im Sonnenlicht tänzeln. Es gleicht dem Aufatmen nach der Hitze, wenn über allem noch selige Wärme schwirrt. Sunday Air versprüht die Unersättlichkeit von Freizeit, das ungestüme Umarmen des Seins. Black Twig schwelgen in wunderbar unaufgeräumten Szenerien, in denen jedweder Sturm und Drang der Kontemplation nachgeht. Auch Until You Know zeigt sich als Song, der loslassen kann, dadurch ins Schwelgen und Schweifen gerät. Wenn die Gitarren munter dahinplätschern, sind Wonne und Behaglichkeit nie fern. Doch auch diesigere, vergilbte Nummern wie beispielsweise Further Here, welches sich im Sinnieren vertändelt, prägen den sommerlichen Charakter der Platte. Heliogram tingelt zwischen der Energie sonnendurchfluteter Tage und einer alle viere von sich streckender Mattigkeit hin und her. Mit dem Garage-Flair von Quiet Daytime endet das Album auf fantastische Weise, der Track sorgt für den finalen Aha-Effekt. In diesem Sound ruht eine Unverfälschtheit, die Unschuld schieren Fühlens.

Black Twig strahlen eine Attitüde aus, die rein gar nicht in das gängige Bild passt, welches finnische Bands als milchgesichtige Blässlinge abstempelt. Ihre Musik scheint von jeglicher skandinavischer Schwermut frei, vielmehr wird legerer Leichtigkeit gehuldigt. Heliogram atmet wohltuende juvenile Frische, der man mit Haut und Haar verfallen möchte – und dies spätestens mit dem zweiten Hördurchlauf auch tut. Der Soundtrack eines verträumten Sommers kommt aus Finnland. Wer hätte das gedacht?

heliogram_cover

Heliogram ist am 20.06.2014 auf BB*Island/Soliti erschienen.

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