Release Gestöber 56 (Malky, She Keeps Bees, Calypso Craze)

Malky

Gegen intensiven Soul-Pop und retroesken R&B mit dem einen oder anderen an Moby erinnernden Einschlag ist wirklich nichts einzuwenden. Man würde das Duo Malky allerdings nicht unbedingt in Leipzig ansiedeln. Aber vielleicht muss ein alle Fettnäpfchen umgehender Soul gerade aus dem unvermutetsten Winkel kommen. Denn Soul und R&B sind dieser Tage vielfach glatt und trivial produziert, mit überkitschter Emotion und überkandideltem Geträller unterfüttert. Das Album Soon fällt dagegen angenehm tiefgründig aus, kennt keinerlei Effekthascherei. Wo besagte Genres gerne vor billigem Glitzerstein-Bling-Bling nur so funkeln und blinken, behängen Malky ihre Songs mit Samt und Seide. Soon gefällt als edle Platte, die der sanften, versunkenen Stimme Daniel Stoyanovs einen geschmeidigen Sound aus dezenten Streichern und Bläsern sowie eine warme Orgel und jeder Menge Motown-Seligkeit zur Seite stellt. Als ein Highlight des Werks kristallisiert sich der Titeltrack Soon heraus, der wie eingangs bereits erwähnt an introspektive, verträumtere Songs von Moby erinnert. Showdown wiederum verkehrt sich ins Gegenteil, überzeugt als rhythmisch starkes, schmissiges Lied, das im Refrain Feuer fängt. So sieht gediegene Radiofreundlichkeit aus. Das folgende Diamonds trägt eine ordentliche Portion soulige, balladeske Wehmut auf. Mit diesen drei Titeln stecken Malky ihr Metier ab. In der Folge ist es etwa das durchaus inbrünstig intonierte, im Eifer des Gefechts auch mal in ein schönes Krächzen verfallende Trouble, das zu imponieren weiß. Das schleppende, aus tiefster Seele glühende Babylon Tree beschert ebenso Gänsehaut. In Deutschland produzierter Soul hat mit wenigen Ausnahmen einen klebrigen Betroffenheitscharakter oder wirkt so billig, als wäre er für Casting-Shows ersonnen worden. Malky hingegen bescheren uns integre, stimmige wie gefinkelte Arrangements. Einmal mehr bei Beautiful Vacation, welches samt pulsierendem Beat in eine zärtliche Sehnsucht entschwebt. Spätestens mit diesem Song haben sich die Herren Stoyanov und Michael Vajna als stimmungsvolle Zauberer erwiesen. Wenn es mehr Alben wie Soon gäbe, würde ich auf meine Tage auch noch zum Soul-Fetischisten mutieren. Anhören und entdecken, unbedingt!

soon_malky

Soon ist am 27.06.2014 auf Eighty Days erschienen.

Konzerttermine:

17.09.2014 Dresden – Scheune
18.09.2014 Göttingen – JT Kantine
20.09.2014 Hannover – Lux
23.09.2014 München – Kranhalle
24.09.2014 Wien – B72
27.09.2014 Weinheim – Cafe Central
29.09.2014 Frankfurt – Ponyhof
30.09.2014 Köln – Studio 672
01.10.2014 Berlin – Privatclub
03.10.2014 Leipzig – Täubchenthal

She Keeps Bees

Es scheint fast so, als hätte ich auf dem Blog She Keeps Bees tatsächlich noch nie erwähnt. Dieser Makel lässt sich freilich beheben. Das Duo aus Brooklyn hat seit 2006 bereits die eine oder andere gute Scheibe veröffentlicht, für Herbst 2014 scharrt das Album das neue Album Eight Houses bereits mit den Hufen. Der englische Pressetext verspricht einiges: „Eight Houses revels in the raw power of subtlety, silence and space, coloring Jessica Larrabee’s compositions with lean piano lines, hazy horns and warm organ rolls.“. Tatsächlich lässt der erste Vorgeschmack Is What It Is, für den She Keeps Bees die famose Sharon Van Etten als gesangliche Unterstützung gewinnen konnten, auf eine tolle Platte schließen. Is What It Is tönt dunkel und balladesk, wird von angespannter Intensität durchdrungen. Eine dezent im Hintergrund rauschende Orgel und ein sacht pochender Beat eröffnen viel Raum für eine Stimmung, die zu beschreiben mir noch die Worte fehlen. Das jedoch sollte sich bis September ändern, wenn ich Eight Houses mit einer ausführlichen Betrachtung würdigen werde.

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Eight Houses erscheint am 26.09.2014 auf BB*Island.

Calypso Craze

Bei vielen Zusammenstellungen wird man das Gefühl nicht los, dass hier Plattenfirmen geradezu kostengünstigst an alte Tracks gekommen sind und diese nun lieblos kompiliert in die Regale von Media Markt und Co. werfen. Das Beste von gestern wird in unterirdischer Qualität verramscht. Natürlich geht es auch anders. Wenn ich allein schon die Vorankündigung für ein Ende August erscheinendes 6 CDs, 1 DVD sowie ein 176 Seiten umfassendes Begleitbuch über den Calypso lese, wird mir warm ums Herz. Unter dem Titel Calypso Craze bietet die Compilation laut Pressetext einen „Überblick über den langsamen Aufstieg des Calypsos, sein ungestümes Hervortreten und den steilen Abstieg in Amerika und anderswo und beschreibt den Calypso-Wahnsinn in den Jahren 1956 und 1957“. Die 6 Silberlinge thematisieren zunächst die frühen Calypso-Hits bis Anfang der fünfziger Jahre, in der Folge natürlich Harry Belafontes Erfolge, unter dem Titel „Calypso goes Pop“ allerlei Genrevermengungen, dann auch den Calypso auf Bühne und Leinwand, die Ausbreitung des Calypso-Wahnsinns nach England und schließlich mit Mondo Calypso die weltumspannende Wirkung dieser Musik. Hier zeichnet das Label Bear Family Records auf rührige Weise und ausführliche Weise eine Epoche nach, die heute leider bestenfalls noch eine exotische Fußnote darstellt. In dieser umfassenden Art und Weise mag Calypso Craze wohl nur reine Enthusiasten ansprechen. Die Erinnerung an goldene, in Calypso getauchte Tage täte uns freilich allen ganz gut.

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Calypso Craze erscheint am 29.08.2014 auf Bear Family Records.

SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Release Gestöber 56 (Malky, She Keeps Bees, Calypso Craze)

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