Unter der Taucherglocke – UMA

Euphorie sieht wohl anders aus, wenn man einem Album die Attribute gedämpft, aufgeräumt und nüchtern zur Seite stellt. Dabei meine ich das keineswegs als Herabwürdigung, im Gegenteil. Der Electro-Pop des deutsch-österreichischen Duos UMA besticht durch formalen Minimalismus, der nie langweilig gerät. Das selbstbenannte Debüt wirkt wie unter einer Taucherglocke aufgenommen, schippert dumpf dahin. Dabei gibt es sich angenehm leidenschaftslos. Wo sich Electro-Pop oft zwischen auf Anspruch getrimmter Discomusik und sterilem Eskapismus bewegt, forcieren UMA einen gedeckten wie melodisch-warmen Sound, welcher meist versonnen aus den Boxen flirrt.

UMA sind verdammt unaufgeregt, speziell für eine in Berlin ansässige Formation. Sie blähen das Experiment nicht um des Experimentes Willen auf, sie stellen keine Hipness zur Schau. Die Platte lässt keine Augäpfel vor Staunen hervorpurzeln. Vielmehr ist sie mit einem dieser Tage überhäufig benutzten Adjektiv wohl am besten beschrieben, es scheint gänzlich tiefenentspannte Musik, mit der man es hier zu tun hat. Sogar ein relativ hibbeliger Track wie Depart vermag jenen Eindruck nur zu verstärken. Er kreiert eine aufreizende Beiläufigkeit, im Soundgezwitscher geht der Gesang fast flöten. Er gerät abwesend, routiniert, mit der Emotion einer Tonbandansage vorgetragen. Vanity wiederum entfaltet das, was ich eingangs bereits erwähnt habe. Die schwebende Atmosphäre des Tracks hat keine Luftigkeit an sich, wirkt wie unter Wasser in einer engen Luftblase aufgenommen. Lediglich das in zarten Hall getränkte, fast sakrale Fear bildet hier eine Ausnahme. Es knüpft ein wenig an die schöne EP Drop Your Soul an, durch die ich das Duo 2012 schätzen gelernt habe. Mit der nachfolgenden Nummer Minutes fühle ich mich freilich wieder in meinem Eindruck bestätigt. Minutes hat etwas von einem U-Boot, das von Meerjungfrauen umplanscht wird. Zwischen mechanischer Schwere und einem verspielten Aufflackern entwickelt sich der Song zu einem Highlight des Werks. Zerrissener zeigt sich Ephemeral, dessen chorale Andächtigkeit von schallgedämpftem Ambient und trockenem Beat ausgebremst wird. Calm/Easy präsentiert sich als eingängigstes Stück dieses Debüt, dessen eierndes Wah-Wah dem Track einen gewissen humoristischen Anstrich gibt. Dem allerdings steht ein stocksteif leiernder Titel wie Beauty Contest gegenüber, der verdeutlicht, dass UMA Eingängigkeit bestenfalls als Zufallsprodukt in Kauf nehmen. Mit dem finalen Roam verklingt das Album auf tolle Art und Weise. Es entwickelt sich im Spannungsverhältnis von introspektivem Singsang und einer utopisch gleißenden Soundkulisse. Derart wachsen die Beats in die Höhe und in die Breite, dehnen sich aus, scheint auch die Weiblichkeit des Gesangs verstärkt betont. Es ist das letzte Puzzlestück, das das Album vollendet.

Es gibt schwierige Platten, die auch nach unzähligen Hördurchläufen unzugänglich bleiben. UMA dagegen bieten ein Albumdebüt an, welches zwar nie nach Gefälligkeit trachtet, zugleich jedoch die Nase nicht zu hoch trägt oder sich gar zu Kunstmist versteigt. In diesem dumpfen Klang liegt ein verquerer Reiz, den man sich als Hörer jedoch erst durch mehrmaliges Lauschen aneignen kann. Dann aber und endlich vermag man einzutauchen, in diese Taucherglocke in der Tiefe des Meeres.

UMA_cover

UMA ist am 06.06.2014 auf Seayou Records erschienen.

Konzerttermine:

08.10.2014 Graz – Steirischer Herbst
09.10.2014 München – Milla Club

Links:

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