Verklärtheit und Hauruckgloria – Phoria

Vor ein paar Wochen schon habe ich auf die im englischen Brighton beheimatete Formation Phoria hingewiesen, den NME zitiert, welcher den Sound als “breathtaking blend of whisper-like vocals and euphoric electronics” gelobt hat. Nun wurde dieser Tage die EP Display veröffentlicht. Und das erscheint mir Grund genug, den Namen Phoria nochmals mit einem dicken Ausrufezeichen zu versehen.

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Denn diesem seligen, andächtigen, weichgezeichneten, fast schmusigen Murmeln und Raunen steht ein filigraner, angenehm zerhäckselter Sound gegenüber, der schon mal in hymnischer Trance vergeht. Eine soulig verbrämte, meditative Unauffälligkeit plustert sich bei manchen Tracks zu triumphierender Ekstase auf. Solch Electronica erlaubt sich Pop-Einsprengsel, die glitzern und glänzen. Es sind wohldurchdachte Höhepunkte, sie gleichen imposanten Bergrücken, welche über einer sonst ruhigen, von sanftem Flirren schraffierten Soundlandschaft schweben. Aus dieser schlaftrunkenen, von Tautropfen benetzten Unwirklichkeit tritt eine freundliche Unruhe, ein Kriechen und Krabbeln, ein Perlen und Schimmern hervor, ehe dann hohe Synthiewände ins Blickfeld wabern. Schon mit dem eröffnenden Emanate wird eine unrunde Versunkenheit angestimmt, die sich schließlich gegen Ende hin klanglich auftürmt. All die sachte Verklärtheit mündet in euphorischem Synthie-Pop-Fieber. Undone wiederum klingt wie eine Mischung aus Wonderful Life von Black, ein bisschen R&B-Geschnurre und Downtempo-Seligkeit. Atomic ist der eingängigste Track der EP, der Titel hangelt sich nervös durch Alternative-Gefilde, versteigt sich zu einem fast enervierenden Falsett, ehe imposante Synthies losschmettern. Solch Hauruckgloria betört! Mit dem abschließenden Efforttobreathe findet noch ein neues Stimmungsbild Eingang in die EP. Gespenstisch gehauchter Gesang wird an ein bedrohliches Brummen aus dem Hintergrund gekoppelt. Diese Getragenheit forciert ein Unbehagen, steht dem unsteten bis jubilierenden Elysium der anderen Songs entgegen.

Wenn man Display einen Vorwurf machen möchte, dann wohl nur diesen einen, dass es lediglich eine EP ist. Der Sound von Phoria schreit nach Leinwandfülle, nach einer zeitlichen Opulenz, die eben nur auf Albumlänge ausgebreitet werden kann. Die Formation aus Brighton kratzt eine Intensität zusammen, deren komplexer Schönheit ich mich nicht entziehen kann. Man glaube mir, diese EP muss man haben! Am besten schon bevor das Quintett so richtig durchstartet.

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Display ist am 04.07.2014 auf Humming Records erschienen.

Links:

Offizielle Homepage

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SomeVapourTrails

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