Geerdeter Nonkonformismus – Federal Lights

Heute sei der kanadischen Formation Federal Lights ein Ohr geliehen, die Roots Music mal mit Pop und dann wieder mit Rock verquickt und daraus ein ansehnliches Debüt namens We Were Found In The Fog strickt. Bei Folk und Americana existieren ja unter anderem zwei sehr beliebte Zugänge. Entweder man zieht sich in die Einöde zurück, um im Schoß der Wildnis über das Sein der Dinge zu grübeln. Dann klingt der Folk getragen und der Selbsterkenntnis verpflichtet. Oder aber man fabriziert Wohlfühlklänge, die zum Schunkeln einladen und das Flanell gehörig ins Schwitzen bringen. Die Federal Lights rund um Mastermind Jean-Guy Roy versuchen das Beste aus beiden Temperamenten mit angenehm eingängigen Pop-Rock zu kombinieren. Als Resultat steht eine radiowonnige Platte mit ungewohnter Authentizität zu Buche.

Gleich der Opener Sharks wartet mit gefälligem, unprätentiösem Heartland Rock auf, wie er sich auch auf dem Titeltrack We Were Found In The Fog findet. Das sind sehr stimmige Klänge, die Widrigkeiten zu trotzen verstehen, sich trotz Abschieden nie unterkriegen lassen („Never thought you’d walk right out the door/ Guess now I know„). Mit dem I See Love wenden sich Federal Lights einem mit Glockenspiel verbrämten Folk-Pop zu, der zur zwiespältigen Hymne an die Liebe gerät. In diesem Duett ist Jean-Guy Roy dafür zuständig, stets und ständig Liebe wahrzunehmen, während seiner Ehefrau Jodi der Part zufällt, Liebe zu entzaubern („I see love/ Every time your heart breaks/ I see love/ In the smiles that you fake„). Solch Song steht der Band gut zu Gesicht, weil die aufgekratzte Musik in einem Spannungsverhältnis zu den Lyrics tönt und der abwechselnde Gesang der Roys wunderbar harmoniert. Doch leider wird dieser Stil auf dem Rest der Platte nicht weiter verfolgt. Stattdessen herrschen mal verärgerter Bluesrock (FLS) oder ein anfangs balladeskes, später mit Inbrunst und Orgel intoniertes Americana wie bei I Don’t Mind vor. Zuletzt vermag der erhaben anmutende, textlich resignative Folk von This Would Be A Fine Job To Retire From ein letztes Glanzlicht zu setzen.

Wenn man Federal Lights einen kleinen Vorwurf nicht ersparen kann, dann wohl dass ihr Debüt viel Potential aufzeigt, welches im Lauf der Platte jedoch zu selten genutzt scheint. So wird Jodi Roy zu oft auf ein Tralala im Background reduziert, wo doch gerade das Duett I See Love als stärkster Song des Albums überzeugt. Und vielleicht wird auch das Erscheinungsbild des einsamen wie empfindsamen wie unbeugsamen Außenseiters ein bisschen überstrapaziert. Zugleich gelingt We Were Found In The Fog der Spagat zwischen Mainstream-Attitüde und einer Verwurzelung in Traditionen, zwischen der Introspektion des Verlierers und dem Triumph eines schnörkellosen Rock-Gestus. Nicht zuletzt deshalb sollte man Roy und Konsorten einen Besuch abstatten, wenn sie im September durch deutsche Gefilde touren. Wer sich auf diesen sympathischen, geerdeten Nonkonformismus einlässt, wird eher früher denn später in Hochstimmung verfallen.

wewerefoundinthefog

We Were Found In The Fog ist am 29.08.2014 auf Aporia Records erschienen.

Konzerttermine:

04.09.2014 Hamburg – Molotow Exil
06.09.2014 Köln – Die Wohngemeinschaft
07.09.2014 Lingen – Alter Schlachthof
08.09.2014 Düsseldorf – Zakk Bar
10.09.2014 Trier – Villa Wuller
11.09.2014 Wiesbaden – Schlachthof
12.09.2014 Dresden – Scheune
13.09.2014 Berlin – Privatclub
15.09.2014 Hannover – Mephisto
16.09.2014 Münster – Gleis 22

Links:

Offizielle Homepage

Federal Lights auf Facebook

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