Hinterwäldlerische Authentizität – Alana Amram & The Rough Gems

All die kultivierten Singer-Songwriterinnen mit ihren tönernen Seelchen, die mit traurig-schnuckeligen Glubschaugen durch die Stadt wandern! All die jungen, emotional aufgebretzelten Liedermacherinnen, die in die einsame Wildnis ziehen, um in abgeschiedener Genügsamkeit Sinn und Sein und Gänseblümchen zu suchen! All sie darf und soll es geben. Aber ich schätze auch die in Flanell gehüllte Landpomeranze, die Hemdsärmeligkeit statt Mädchenhaftigkeit versprüht. Eine raukehlige wie poetische Urtümlichkeit ist keine Schande. Und genau diese strahlt die Amerikanerin Alana Amram aus. Zusammen mit ihrer Begleitband The Rough Gems tourt sie im Herbst durch Europa, mit im Gepäck ein wirklich gelungenes Album namens Spring River. Mit einer kräftigen Mischung aus Rock, Folk und Alternative Country bietet die Platte Americana vom Feinsten. Es ist die Sorte Musik und die Art von Gesang, die sich die Authentizität durch ungezählte Meilen auf amerikanischen Backstreets angeeignet hat.

Schon die ersten Zeilen des Titeltracks Spring River sind von atmosphärischer Dichte geprägt: „I can’t tell anyone what’s on my mind/ Blossoming magnolia tree leaves winter far behind/ I don’t know who you are or why you caught my eye/ Standing on the muddy banks spring river waters rise„. Hier wird die eigene Befindlichkeit noch mit der Natur verknüpft, ohne dabei Natur zu romantisieren, wie dies Städter oft gern tun. Natur fügt Narben zu, flutet Häuser, sie funktioniert nie als Kuschelparadies, in dem niedliche Vögelchen von Ast zu Ast hüpfen oder bambihafte Rehkitze sorglos auf Lichtungen herumtrotten. Motorbike wiederum bemüht den Mythos des Reisens quer durch die Weite des Kontinents. Seit sich die ersten Siedler nach Westen hin auf den Weg gemacht haben, ist das Suchen des Glücks auf der Straße ein Teil des amerikanischen Traums. „The streets are like cocaine/ I can’t get enough“ verkündet Amram, doch ist es nicht nur die Sehnsucht, die sie antreibt. Die Worte „Rolled up the highway memories passed with the wind“ versprechen ein Vergessen, welches wiederum eine neue Zuversicht gedeihen lässt. Diese Platte hat ein Herz für gescheiterte Existenzen, dies macht sie zu einem ordentlichen Pfund Americana. Wo viele Singer-Songwriterinnen die Flatterhaftigkeit der Liebe beweinen, sich ganz und gern Wohlstandproblemchen widmen, tönt es auf Spring River martialischer. Die unbarmherzigen Schattenseiten der Realität überschlagen sich beim dunklen Rock von Train: „I prayed I’d find your killer/ I swore I’d shoot him down/ Vengeance to save another/ Can’t remove the shadows from this town„. Die amerikanische Psyche ist eine archaische, wie in diesem Lied deutlich wird. Doch selbst in diesem unheilvollen Track kommt eine Poesie des Trosts auf („Details of your face I can’t remember/ As I sleep you come to me/ Honey colored light of late september„). Trotz all der markanten Ruppigkeit, die dieses Album gekonnt verströmt, offeriert es countryselige Momente, in denen die Pedal-Steel-Gitarre versonnen schimmert. Daughter of the Sun etwa gefällt als unverkitschtes Wiegenlied, Should I Go Now überzeugt als genretypisches, mit dem Abschied ringendes Liebeslied. Und das vordergründig in kargem Folk gehaltene Tall Oak Tree beendet die Platte mit einer warmherzigen Meditation über die Stürme des Lebens.

Alana Amram & The Rough Gems haben mit diesem Album ein so bodenständiges wie vielfältiges Stück Amerika abgebildet. Hier werden Impressionen eines Landes geknipst, die sich einmal nicht auf den Hochglanz Hollywoods, die Hochtechnologie des Silicon Valley oder das High Life New Yorks beschränken. Spring River gestaltet sich also im positivsten Sinne hinterwäldlerisch. Wer Traditionen und Alltagen abseits der Atemlosigkeit nachspüren möchte, wird das Werk zu schätzen wissen. Mit einem Repertoire, welches von rockigem Röhren bis hin zu folkigem Erzählen alles abzudecken vermag, empfiehlt sich Amram dem Hörer nachdrücklich. Am besten sogar für einen baldigen Konzertbesuch!

springriver

Spring River erscheint am 26.09.2014 auf Kingswood Records.

Konzerttermine:

16.09.2014 Bielefeld – Ulmenwall
17.09.2014 Münster – Fyal
18.09.2014 Bad Bentheim – Altes Museum
19.09.2014 Hamburg – Spielbudenplatz
20.09.2014 Bad Salzuflen – Bar Hermann
21.09.2014 Zehdenick – Klosterscheune
23.09.2014 Detmold – tba
24.09.2014 Magdeburg – Blue Note
25.09.2014 Halle – tba
26.09.2014 Weimar – Kasseturm
27.09.2014 Parchim – Irish Pub
28.09.2014 Bern (CH) – Rössli Bar
01.10.2014 Balgach (CH) – Bierhalle
03.10.2014 Wabern (CH) – Heitere Fahne
04.10.2014 Winterthur (CH) – Gaswerk
05.10.2014 St. Gallen (CH) – Engel
17.10.2014 St. Gallen (CH) – Stickerei
18.10.2014 Luzern (CH) – Treibhaus

Links:

Offizielle Homepage

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