Stippvisite 14/08/2014 (Die Kollegin macht es richtig!)

Ich verstehe mich ja als Blogger, der trotz deklarierter Vorlieben in allerlei Genres hineinschnuppert, Musik quer über den Erdball hinterherhastet, dabei von Weltmusik über Indie-Rock bis hin zu Electronica eine Vielfalt abzubilden trachtet und Perlen aus dem Alles fischt. Das ist ein Zugang, der zum Verzetteln einlädt. Die geschätzte Kollegin Eva-Maria ist da viel klüger. Mit dem federführend von ihr gestalteten Polarblog stöbert sie seit Jahr und Tag skandinavischen Musikern nach, kombiniert dies mit einer ohnehin vorhandenen Zuneigung zu nordischen Gefilden. Als Resultat steht ein Musikblog, der neben Musik auch ein Lebensgefühl, ein Gespür für Land und Leute zeitigt. So gewinnt ein Blog ein ureigenes Wesen, erwächst etwas, das nicht einfach nur die neuesten Clips, Singles oder Tourneen ankündigt. Und keine Neuerscheinungen mit preußischer Pedanterie abarbeitet. Die gute Eva-Maria verfügt auch über eine wunderbar flüssige, Gedanken nachhängende Schreibe. Da werden keine Fakten heruntergerattert, Floskeln bemüht oder gar die weite Welt akademischen Feuilletons aufgebreitet. Wenn ich den Bloggerhut ab- und den Leserhut aufsetze, dann will ich kein bemühtes Gestammel oder besserwisserisches Gekritzel mehr erspähen. Ich möchte vor allem etwas lesen, worin Zeit, Gedanken, Kreativität und Warmherzigkeit investiert wurden. Dieser Tage nun hat Eva-Maria mit Plan My Escape einen weiteren Themenblog gestartet, der sich mit belgischer Musik beschäftigt. Denen, die noch schmökern wollen, ist er hiermit sehr ans Herz gelegt!

Elika

Die Selbstbeschreibung der in Brooklyn ansässigen Formation Elika ist so vielversprechend wie ungelogen: „Honey-coated vocals lay atop a bed of textured guitars, synths, throbbing bass & meticulously programmed drums.“ Dieser mit Indie-Flair und Stevie-Nicks-Attitüde ausgestattete Dream-Pop vermag mich zu überzeugen, speziell der Track Moving Faster zählt zu den besten Nummern, die ich in letzter Zeit so gehört habe. Die Band hat dafür eine ungewöhnliche Art der Veröffentlichung gewählt, nämlich einen dreiteiligen Single-Zyklus namens Girls, Be Serious. Teil 1 – mit Moving Faster als wunderbare, sich zur Hälfte neu erfindende A-Seite – wurde vergangenen November auf Saint Marie Records veröffentlicht, die zweite Single ist Ende Juli erschienen. Dieses Mal ist es die B-Seite Truest Hearts, die den Hörer zu überzeugen weiß. Wer zärtlich-fiebrige Stimmen mag, wird Elika ganz und gar ins Herz schließen! (via Coast Is Clear)

Låpsley

Ich könnte eigentlich nicht von mir behaupten, dem Charme musikalischer Kindsfrauen zu erliegen. Eine 17 Jahre alte Sängerin aus Liverpool hat in meinen Ohren somit keinerlei Wildfang-Bonus. Einem Backfisch mag man zwar aufmunternd in die Wange kneifen, im Monatstakt eine neue Birdy oder Lorde auszurufen, das erscheint mir übertrieben. Teenager müssen noch nicht die Musikwelt erobern. Wenn jedoch ein Talent derart zu Tage tritt, wie es bei der Britin Låpsley der Fall ist, dann komme auch ich um Bewunderung nicht herum. Der Song Painter (Valentine) besticht als ein in R&B getränkter Song, der sich in Understatement ergeht, das stimmliche Potential sacht andeutet. Entweder stecken hinter Låpsley ausgebuffte Produzenten oder aber dieses Mädchen zeigt beachtliche Frühreife, indem sie einem Lied eine Seele gibt, es nicht mit einem glatten, platten Grooves erdrückt oder gar zum gesanglichen Rumpelstilzchen mutiert. Painter (Valentine) funkelt so edel wie schön und gibt ein großes Versprechen für die Zukunft ab. (via Nicorola)

MIAUX

Die in Sarajevo geborene Belgierin Mia Prce kanalisiert ihre Kreativität unter dem Namen MIAUX. Wobei dies als „mio“ auszusprechen ist und rein gar nichts mit einem bekannten Katzengeräusch zu tun hat. Als MIAUX versprüht Prce einerseits Bontempi-Homerecording-Charme und andererseits einen fast naiven, zärtlichen Piano-Minimalismus. Sie entwirft eine Musik für Situationen, in denen sich die Welt auf eine einzige Kleinigkeit zuspitzt. Etwa auf einen an der Fensterscheibe entlangrinnenden Regentropfen oder auf einen Vogel, der am frühen Morgen durchs Geäst hüpft. Solch Klänge reflektieren die Dynamik des Augenblicks. In Tracks wie aeronaut oder canyon eye entsteht eine Ästhetik der Kontemplation, die sich in kringeligen Schnörkeln ausformt – und zugleich angenehm nüchtern bleibt. Eine klare Struktur im Ornament findet, dennoch vertrackte Schlenker aufbietet. Hier bezaubert Fantasie! (via Plan My Escape)

Das soll es für heute auch schon gewesen sein. Demnächst mehr!

SomeVapourTrails

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