Angedunkelter Retro-Soul-Pop mit Stil – Kovacs

In diesem Herbst gilt es so manches unterschätztes Album zu bestaunen und einige überschätzte Platten zu belächeln. Aber Musik muss sich ja nicht immer über Meilensteine und schon gar nicht über unerträgliches Radiogedudel definieren. Ein Lied darf – ja, soll – gern unterhaltsam aus den Boxen tönen, das Herz erfreuen und das Hirn dabei nicht beleidigen. Mit Retro-Soul-Pop macht man da eigentlich nichts verkehrt. Er ist selten mies oder fade, verbindet Gefühl mit ansprechendem Schwung. Und deshalb möchte ich auf die aus den Niederlanden stammende Sängerin Kovacs hinweisen, die dieser Tage mit ihrer EP My Love durch Deutschland tourt.

Der Pressetext legt Vergleiche mit Portishead oder Amy Winehouse nahe. Die sehe ich zwar nicht, aber ihr angedunkelter, mit Bondschem Charme orchestrierter Pop fällt allemal reizvoll aus. Kovacs gelingt ein durchaus hintergründiges Timbre, man möchte ihren Gesang hin und wieder an einer Shirley Bassey messen. Und vermutlich ist dieser Vergleich auch stimmiger, als wenn man sie zusammen mit Winehouse oder Duffy in einen Topf wirft. Dank der schmucken EP, die einen Vorgeschmack auf das für 2015 angekündigte Debüt bietet, darf man ihr Vorschusslorbeeren spendieren. Prunkstück ist zweifelsohne der Titeltrack My Love, der als gallig-eleganter Abgesang auf eine Beziehung brilliert („No way you’ll see me crawl/ Like a shark/ I’ll be ripping you apart/ And celebrate/ With lots of champagne„). Kovacs hat die Stimme, sowohl einen Hauch von Verruchtheit als auch Hingebung in ihre Lieder zu packen. Sie verkörpert den Typus der Geliebten, die mit Männern nicht unbedingt immer die besten Erfahrungen macht. He Talks That Shit mit seinem pfiffigem Sixties-Pop samt schmachtendem Refrain steht My Love um nichts nach. Das getragene When The Lady’s Hurt gerät zum sehnsuchtschwangeren Lamento. Trotz aller Schicksalsschwere ist Kovacs jedoch weit davon entfernt, ein Püppchen zu sein, das ihren Macker nur mit großen Augen anhimmelt.

Wer Soul-Pop mit Charakter und Eingängigkeit schätzt, sollte sich also den Namen Kovacs schleunigst notieren. Sie klingt angenehm unverkitscht, besitzt einen stilvollen Vortrag, der sich nicht schon nach ein, zwei Liedchen verbraucht. Davon sollte man sich in nächster Zeit bei der Beat Motel Week (18.09.) und dem Reeperbahn Festival (20.09.) selbst überzeugen. Und wer Kovacs auf Facebook ein Like spendiert, erhält die Gratis-Mp3 When The Lady’s Hurt. Es gibt also viele Möglichkeiten diese neue, feine Stimme auszukundschaften. Und ja, eine Entdeckung lohnt!

My Love ist für Herbst 2014 angekündigt.

Links:

Offizielle Homepage

Kovacs auf Facebook

SomeVapourTrails

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