Die 10 Alben, die mich am meisten bewegt haben

Der sehr geschätzte Kollege Nico hat mich auf seinem Blog und via Facebook nominiert, jene zehn Alben zu nennen, die mich im Laufe meines Lebens am meisten bewegt haben. Gern komme ich dieser Aufforderung nach und benenne diese. Ich tue mir dabei gar nicht einmal besonders schwer, denn obwohl sich diese 10 Platten vielleicht nicht gänzlich mit meinen ewigen Lieblingsalben decken, so hat es doch immer wieder Platten gegeben, welche mir zu einem gewissen Zeitpunkt richtig ans Herz gewachsen sind und für die ich mich auch heute noch keinesfalls schämen muss. Ich will kurz und chronologisch erläutern, warum ich genau diese Werke gewählt habe.

Bruce SpringsteenNebraska (1982)

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Zusammen mit Japanese Whispers von The Cure war Springsteens Nebraska Ende der Achtziger meine allererste Vinyl-Platte. Dieses reduzierte, folkige Singer-Songwriter-Album hat einerseits meine Liebe zu Underdogs für immer einzementiert und mich weiters auch dahingehend geprägt, dass ich Storytelling so liebe.

Paul SimonThe Rhythm of the Saints (1990)

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Zu Teenagerzeiten hatte ich zwei Schulkollegen, die mich mit sehr unterschiedlichen Einflüssen prägten. Der eine war ein ausgemachter Jazzfan, der mich mit Miles Davis, Count Basie oder Chris Hinze vertraut machte, der andere sorgte dafür, dass mir Hannes Wader oder Attwenger nicht unbekannt blieben. Letzterer lieh mir eines Tages auch Paul Simons Graceland. Und so toll ich es auch fand, hat mich das kurz danach geliehene The Rhythm of the Saints sogar noch mehr gepackt.

Mazzy StarSo Tonight That I Might See (1993)

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Wenn es eine Frau gibt, deren Gesang ich bis heute ganz und gar verehre, dann wohl Hope Sandoval. Die Stimme von Mazzy Star hörte ich zu Schulzeiten erstmals auf einem Mixtape, das mir eine liebe Gastschülerin aus den USA damals noch in Kassettenform zusammengestellt hatte.

Cowboy JunkiesThe Trinity Session (1987)

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Als ich in die große weite Welt (Wien) studieren ging, hatte ich in meiner ersten eigenen Wohnung dann auch einen Kabelanschluss – und damit erstmals MTV, das Mitte der Neunziger tatsächlich noch richtig relevant und spannend war. Eines Nachts lief ein Musicclip, der mir durch Mark und Bein fuhr: Sweet Jane von der kanadischen Folk-Rock-Band Cowboy Junkies. Binnen weniger Monate besaß ich dann eine Handvoll Alben. Und all diese zu ergattern war in einer Zeit vor Amazon wirklich nicht immer leicht.

TocotronicK.O.O.K. (1999)

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So jugendlich und frisch, so um die Ecke denkend hat deutscher Rock nie zuvor und nie danach geklungen. Es ist der Soundtrack meiner schönsten Studententage!

Joni MitchellHejira (1976)

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Um 2000 lernte ich über den WG-Kollegen einer Freundin jede Menge Musik kennen, die aus unerfindlichen Gründen bislang völlig an mir vorbeigegangen war. Viele Abende haben wir uns darüber unterhalten, aus einem Faible für Musik wurde die große Leidenschaft. Wir konnten lang und länger über Bands wie Radiohead fachsimpeln, uns über die gegenwärtigen Revolutionen in der Musikwelt austauschen. Die wichtigste CD, mit der mich der neu gewonnene Freund vertraut machte, war zweifelsohne Joni Mitchells Hejira. Es ist ein Album, das mich immer begleiten wird.

Godspeed You! Black EmperorF#A#∞ (1997)

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Lange bin ich Musik vor allem über die Textebene begegnet. Erst dank Godspeed You! Black Emperor fand ich Zugang zu instrumentalen Klängen, zu Botschaften, die keine – oder eben nur eingestreute – Worte benötigen. Dieses Album hat mir den Post-Rock ein für alle Mal ans Herz – und ins Hirn – gelegt.

Philip GlassKoyaanisqatsi (1983)

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Was ich zu Godspeed You! Black Emperor gesagt habe, gilt auch für den musikalischen Minimalismus eines Philip Glass. Noch zu Schulzeiten wurden wir mit dem Film Koyaanisqatsi traktiert. In Vertretungsstunden etwa wurde der Film gezeigt, doch meine ich, dass wir dieses Lehrbeispiel für Zivilisationskritik zwar mehrmals, aber halt nie bis zum Ende angesehen haben. Doch kann man von einem Teenager in einem müffeligen Schulzimmer wohl kaum die notwendige Aufmerksamkeit erwarten. Erst Jahre später habe ich die Wucht des Film und der Komposition verstanden. Und mich zu einem echten Glass-Jünger entwickelt. Ich habe sicher ein Dutzend CDs und Box-Sets. Wenn ich meine Gedanken fließen lassen will, höre ich gern Glassworks. Wenn ich meine Ideale überprüfen möchte, sehe und höre ich mir Koyaanisqatsi an.

Trespassers WilliamDifferent Stars (2002)

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Fast jede Beziehung hat das eine Lied, die eine Platte, das eine Konzert das am Anfang einer Liebe steht. Die Freundin und ich sind uns trotz der gemeinsamen Wertschätzung für Mazzy Star einig, dass es in unserem Fall das Album Different Stars der aus Seattle stammenden Dream-Pop-Formation Trespassers William ist. Unter diesem Aspekt würde ich von der Co-Bloggerin heftig gescholten werden, wenn ich diese Platte nicht unter den bewegenden Werken aufführen würde. Schließlich ist auch dieser Blog nach einem Song von Trespassers William benannt.

Tom WaitsReal Gone (2005)

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Real Gone ist ein Meilenstein, sogar im an Meilensteinen reichen Waits’schen Schaffen. Es bietet neben dem von Waits häufig verwendete Sujet der verkrachten, um Menschlichkeit ringenden Existenz eine in dieser Deutlichkeit überraschende politische Botschaft. Real Gone ist während der dunklen Bush-Jahre erschienen und verkörpert all das, was Kunst tumber Politik entgegenzusetzen vermag.

Wenn ich mir diese Liste so ansehe, bin ich bass erstaunt, wie sehr sie von US-amerikanischen Künstlern dominiert wird. Doch liegt das wohl daran, dass ich bei Lieblingen wie Placebo, Sigur Rós, Jacques Brel und Portishead eben kein spezielles Album nennen könnte. Aber auch der von mir gehuldigten Nina Simone, dem überaus geschätzten Mark Kozelek, den verehrten Eels und der größten Band aller Zeit, The Doors nämlich, möchte ich keine besondere Platte zuordnen. So bleiben halt diese 10 feinen Werke übrig. Und da ich ein durchaus neugieriger Charakter bin, erlaube ich mir, den Stab an drei bloggende Kollegen weiterzureichen. Ich nominiere für die Erstellung einer Liste Eva-Maria von Polarblog und Plan My Escape, Julian von Die Kopfhörer und Mathias von human cannonball ihre Liste per Blogeintrag oder auf Facebook beizusteuern.

SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Die 10 Alben, die mich am meisten bewegt haben

  1. Wenn ich mir deine Liste so anschaue, dann muss ich zugeben, dass ich nur zwei Alben wirklich kenne, nämlich die von Tom Waits und die Tocotronic. Aber wie ich deinen Musikgeschmack einschätze, muss ich mir das eine oder andere Album aus deiner Liste einmal vornehmen. Ich finde es übrigens großartig, dass du zu jedem Album noch ein paar Worte geschrieben hast. Hätte ich eigentlich auch machen können…

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